Zoff bei der AUA-Schwester Swiss

30. Juli 2012, 13:51
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Das fliegende Personal der schweizerischen Lufthansa-Tochter beklagt immer lauter belastende Arbeitsbedingungen

Zürich/Basel/Wien - Auch bei der Swiss gärt es beim fliegenden Personal. Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen der schweizerischen Lufthansa-Tochter Swiss - Schwestergesellschaft der Austrian Airlines (AUA) - beklagen immer lauter belastende Arbeitsbedingungen. In Schweizer Medien war am Wochenende von einer Revolte innerhalb der Flugbegleitergewerkschaft ("Kapers") die Rede.

Bei einer außerordentlichen Generalversammlung vergangene Woche entzog die Mehrheit der Mitglieder dem Gewerkschafts-Vorstand das Vertrauen und sprach sich für Neuwahlen aus, wie Kapers-Geschäftsführer Georg Zimmermann am Montag der sda sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Der Sonntag". "Ein Teil der Mitglieder ist unzufrieden mit dem bisher Erreichten", sagte Zimmermann. Sie unterstützten deshalb eine Gruppe innerhalb von Kapers, die eine Neuwahl des Vorstands forderte. Die Wahlen finden nun im November und damit ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen statt.

Forderungen durchsetzen

Die unzufriedenen Flugbegleiter verlangen, dass sich die Gewerkschaftsführung in den Verhandlungen mit dem Management der Swiss konsequenter für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt. Zimmermann hingegen gab zu bedenken, dass Kapers zwar höhere Forderungen stellen könnte. "Es stellt sich dann einfach die Frage, wie weit man diese Forderungen auch durchsetzen kann." Relevant wird die Frage insbesondere im Zusammenhang mit dem Gesamtarbeitsvertrag (Kollektivvertrag) für die rund 2.100 festangestellten Flugbegleiter. Dieser läuft bis 2014, könnte aber bereits im kommenden April gekündigt werden.

Bis Ende August muss der Kapers-Vorstand nun einen Wahlvorschlag unterbreiten. Dann können sich weitere Mitglieder auf die Wahlliste setzen lassen, sofern sie Unterschriften von mindestens 5 Prozent der Mitglieder sammeln.

In Schweizer Zeitungen häufen sich Klagen gegen die Arbeitsbedingungen an Bord. In der "Basler Zeitung" wurde u.a. Schlafmangel beklagt. Laut einem Swiss-Piloten ist das Kabinenpersonal oft übermüdet wegen schlechter Arbeitszeiten. Als Beispiel nannte er den Nachtflug von Zürich nach Tel Aviv und retour. "Er startet gegen 23 Uhr und dauert rund vier Stunden. Während die Piloten danach Nachtruhe erhalten, fliegt das Kabinenpersonal jedoch nach einer einstündigen Bodenzeit wieder zurück nach Zürich und landet dort etwa um 8.30 Uhr." Die bereits großzügig bemessene maximale Arbeitszeit werde teils überschritten, so der Pilot. Besonders im Winter, wenn es regelmäßig Verspätungen gebe. "Aus diesem Grund stieg einmal das ganze Kabinenpersonal auf dieser Rotation aus, was zur Annullierung des Flugs führte. Obwohl sie das Richtige taten, wurde ihnen mit Konsequenzen gedroht."

Drohungen nicht Teil der Unternehmenskultur

"Druckversuche oder Drohungen gehören sicher nicht zur Unternehmenskultur der Swiss", wehrte sich Swiss-Sprecher Mehdi Guenin. "Wenn die vorgeschriebenen Einsatzzeiten überschritten werden - etwa wegen Verspätungen, unerwarteter Situationen in der Operation, Wetterbedingungen oder Slot-Problemen -, dann wird jeweils umdisponiert und es werden neue Crews eingesetzt. In Ausnahmefällen kann es auch zu Annullierungen kommen." Guenin erklärte, dass sämtliche Swiss-Flüge innerhalb der gesetzlichen Vorgaben und der vertraglichen Flight Duty Regulation (FDR) durchgeführt würden.

Für Aufregung beim Swiss-Kabinenpersonal sorgte kürzlich auch ein Mail des Swiss-Vorstands, in dem die Anwendung einer Strategie namens "FOR on beyond" dargelegt wird. Ziel der Strategie ist es laut Zeitung "Sonntag", mehr "Foreign Flight Attendants" (FOR), also ausländische Flugbegleiter, einzusetzen. Denn die ausländischen Flight Attendants arbeiten der Zeitung zufolge für einen deutlich tieferen Lohn als ihre Schweizer Crew-Kollegen. Seit einiger Zeit wende die Swiss die Strategie schon auf den Destinationen Dubai/Maskat, Tel Aviv und Kairo an, wie dem Schreiben zu entnehmen sei.

Ab 1. September wird laut "Sonntag" neu auch Johannesburg, Südafrika, in dieses Konzept aufgenommen. Die Schweizer Cabincrew verliere dadurch zwei Positionen. "Wir können jedoch dadurch unsere Personalkosten für das gesamte Korps im Plan halten, ohne andere Maßnahmen prüfen zu müssen", wurde aus dem Mail zitiert. Um Entlassungen zu vermeiden, würden deshalb bereits seit Mai auf der Rotation Delhi-Zürich-Delhi vier indische Flight Attendants eingesetzt. (APA, 30.7.2012)

 

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    Auch bei der Schweizer Lufthansa-Tochter fliegen die Fetzen.

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