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Die Sicherheitsmaßnahmen vor dem Moskauer Bezirksgericht Chamowniki erinnern an einen Mafia-Prozess: Mehrere Einsatzbusse der Polizei stehen vor dem Gebäude, Zäune und Metalldetektoren sichern den Eingang. Ins Gericht kommt man nur mit spezieller Erlaubnis. Dabei stehen weder Unterweltgrößen, noch Auftragskiller vor Gericht. Angeklagt sind drei junge Frauen wegen Rowdytums und religiöser Hetze. Sie sind Mitglieder der Punkgruppe Pussy Riot und haben gegen Staatschef Wladimir Putin in einer Kirche randaliert. Dafür drohen ihnen bis zu sieben Jahre Haft.
Im Februar hatten Pussy Riot ihren "großen" Auftritt. Mit Strumpfmasken bekleidet stürmten sie den Altar der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, Hauptkirche der russischen Orthodoxie, hopsten ungelenk und sangen schief, ehe sie vom Wachpersonal hinausgeworfen wurden. Zum Riesenskandal wurde das jedoch erst, als die Gruppe ihren Auftritt musikalisch unterlegt für das Video Mutter Gottes, erlöse uns von Putin ins Internet stellte. Der Clip wurde im politisch aufgewühlten Vorwahlrussland zum Renner, doch viele Russen waren empört. Die drei Frauen kamen in U-Haft.
Ihr Auftritt in der Kirche sei ein "moralischer Fehler" gewesen, räumt Nadeschda Tolokonnikowa, eine der drei Angeklagten, zu Prozessbeginn nun ein. Es tue ihr leid, wenn sie jemanden damit verletzt habe. Doch die Verletzung der Hausordnung in einer Kirche und religiöse Hetze seien sehr unterschiedliche Dinge. Das harte Vorgehen sei politisch motiviert, weil es gegen Putin ging.
Zu der Einsicht gelangen auch immer mehr Russen. Laut jüngsten Umfragen des Instituts Lewada-Zentrum ist nur ein Drittel der Befragten für eine Haftstrafe von zwei Jahren und mehr. 43 Prozent hingegen sind der Ansicht, dass solch ein Strafmaß übertrieben wäre. Zwar wollen nur vier Prozent die Gruppe freisprechen, doch die meisten sind für eine Geldstrafe oder Sozialarbeit.
"Willkür und Sadismus"
"Wenn es nach mir ginge, hätte ich den Mädchen den Po versohlt und sie nach Haus geschickt", sagte der Oppositionspolitiker Boris Nemzow, der am Montag vor dem Gericht mit etwa 100 Unterstützern der Gruppe gegen das Ende der Hexenjagd demonstrierte. Sieben Jahre Freiheitsentzug seien "Willkür und Sadismus".
Nur die russisch-orthodoxe Kirche und die Bürokratie zeigen keine Gnade: Patriarch Kyrill nannte den Auftritt Gotteslästerung, für die es keine Rechtfertigung gebe. Auch die Staatsanwaltschaft operiert mit dem Begriff "Gotteslästerung", obwohl dies im laut Verfassung säkularen Russland eigentlich kein Straftatbestand ist.
Und verhandelt wird ausgerechnet vor dem Chamowniki-Gericht, bekannt und berüchtigt aus dem Prozess gegen Michail Chodorkowski. Das Gericht agierte dann auch in gewohnter Weise und hat am ersten Prozesstag alle Anträge der Verteidigung abgelehnt. Die Forderung der Staatsanwaltschaft, Zeugenbefragung und Beweisaufnahme hinter geschlossenen Türen vorzunehmen, wurde hingegen angenommen.
"Ruhe bewahren", hat Premier Dmitri Medwedew vor dem Prozess als Parole ausgegeben. Politisch werde das Gericht nicht beeinflusst, Schuldzuweisungen an Putin und den Kreml seien vor dem Urteil also nicht angebracht, sagte er im Interview mit der Times. Doch an die Unabhängigkeit der Justiz glaubt kaum einer im Land, und so haben vor dem Gericht schon einmal vier Pussy-Riot-Unterstützer in Strumpfmasken das Lied "Mutter Gottes, erlöse uns von Putin" angestimmt. (André Ballin, DER STANDARD, 31.7.2012)
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Genau das ist Punk - provozierend und schrill.
Und gerade in Russland lehnt man sich VÖLLIG ZU RECHT gegen das totalitäre System Putin (+Kyrill I.) auf.
Dieser lächerliche Vorwurf der Gotteslästerung - der Beleidigung religiöser Gefühle -
ist in erster Linie einmal eine Manipulation durch Kyrill & co.
Um einen Volkszorn ja nicht gegen das Putin-Regime aufkommen zu lassen - sondern eben (unter dem orthodoxen Christen) auf Pussy Riot umzulenken.
...und selbst WENN gläubige Bürger ganz alleine (ohne Kyrill und den Putin-Medien) zur Empfindung einer religiösen Kränkung kamen:
Rebellion stößt nun einmal einen Teil der lethargischen Bürger vor den Kopf.
Nichtsdestotrotz ist Rebellion in Russland wichtig.
Die Alternative: EWIGER PUTINISMUS.
bei uns versuchte ja die Staatsanwaltschaft Tierschützer und Mistkübelanzünder als Terroristen einzusperren.
wobei wie vermutlich auch bei Pussy Riot die lange Untersuchungshaft und die hohen Anwaltskosten wohl einen Hauptteil der von der Staatsanwaltschaft geplanten Strafe ausmachen wird weil.
Hoffe ich zumindest für Pussy Riot.
…Das was in Europa bereits "new normal" ist, wird z.Zt.gerade in den Vereinigten Staaten versucht:
http://derstandard.at/plink/134... 9/27240166
Als kleine Geschichts-Lehrhalbestunde und unvergeßbares ZEITDOKUMENT, welches ein jeder Bürger kennen sollte, ist dieses KOMPLETTE INTERVIEW mit "Brave New World"-Autor Aldous Huxley aus 1958, wo er prophetisch als größte Bedrohung des (ehemals) freien Westens eine "softe Diktatur" beschreibt, die -wie der Frosch im temperierten Kochtopf- durch gefinkelte Propaganda, Gehirnwäsche und Drogen den Bürger dorthin bringen soll, daß er sein Sklaventum freiwillig annimmt und sogar lieben lernt:
http://www.youtube.com/watch?v=3TQZ-2iMUR0
…
War on 'error, Folge 1984: "FF 2 1958"
offenbar werden putin-kritische kommentare nicht einmal in einem zeitungsforum in österreich geduldet, ohne dass der lange arm -- na, ja -- zumindest nur elektronisch rotstrichelt.
in russischen gefängnissen bzw. bei -- per definition -- unliebsamen regimekritikern wird ja gern auch einmal ein journalistenkörper realiter rotgestrichelt.
es lebe der totalitäre wahnsinn, ihr a---lö---er!
die 500 multiplen persönlichkeiten des selbsternannten (und fernsehköpfigen) kollektivs "F S 3" und seine 7 follower ;o)
F S 3 - der Hansi Hinterseer des standardforums (hunderte follower mit ordentlicher, anständiger und aufrechter österreichischer gesinnung) ;o)
... die er den 500 Followern von FS3 unterstellt?
Alternativ dazu behauptet timogras, daß 493 von 500 Lesern auf betrügerische Weise vorgetäuscht werden.
Ich bin Follower von FS3, weil die Kommentare lesenswert sind. Mehr als 500 Leser bestätigen das.
Deine Anschuldigungen sind untergriffig und reflektieren einen Geist, der das Ergebnis demokratischer Prozesse abwertet, in ein extremistisches, linkes oder rechtes Eck stellt, wenn das Ergebnis entgegen vorausgehender Manipulation nicht den Erwartungen entspricht.
Damals brach im Sommer ein Krieg zwischen Russland und Georgien los.
Und Stunden nach Beginn las man überall nahezu gleichzeitig die vulgäre Verballhornung des Präsidentennamens Saakashvili als "Sackarschwilli". Später kam noch der "Krawattenfresser" dazu.
Das dauerte nicht ein paar Tage oder Wochen, bis sich so etwas rumgesprochen hatte, sondern nur Stunden. Ob im Standard oder der ZEIT, im Spiegel oder bei Facebook ... rasant verbreitete sich dieser Name. Auch nicht in ein oder zwei Posts, sondern in hunderten Schmähbriefen fand sich dieser Vulgarismus.
Und da konnte man schon auf den Gedanken kommen, dass irgendein Propagandist sich den Namen ausgedacht und an seine Fünfte Kolonne weitergereicht hatte.
naja bei allen Respekt, der Mann hat quasi Russland angegriffen, NATO Schiffe waren unterwegs, schon eine brenzlige Situation. Seine (Sieges)Ansprache im TV vor der "EU Fahne" und als er fast seine Krawatte verschluckt hat stärkt weder Respekt noch Vertrauen..
Für mich kein sehr geehrter Herr Saakashvili sonder ein Brandstifter.
offensichtlich missverstanden:
Es geht hier nicht darum, ob Herr Saakashvili ein ehrenwerter Mann ist.
Es geht darum, wie systematisch offensichtlich im Namen Russlands
Stimmung in anderen Ländern gemacht wird.
...und NATÜRLICH könnte man das wieder relativieren, weil doch das Land X das genauso macht.
Aber WIESO immer Pro Putin relativieren frage ich mich:
Das ändert doch alles zusammen nichts an Putins Totalitarismus.
wie in den Foren zu Russland-Themen (im Vergleich zu anderen Standard-Foren) Postings bewertet werden.
Nach dem Absetzen meines ersten Postings in so einem Forum wunderte ich mich, WAS man denn nun an meinem harmlosen Posting so deutlich missverstand, dass es unzählige Male "unnötig" bewertet wurde.
Hier wird offensichtlich von einigen Postern kein Wort der Kritik am Führer Putin geduldet -
und sogar zu den absurdesten Relativierungen PRO PUTIN wird "applaudiert".
... wenn heut' meine Freundin am Bahnhofplatz in Zuerich mit runtergezogenem Oberteil tanzen wuerde, und schrie dabei "A-aaa, Scheiss Bundesrat, Alles Idioten, Weg!", dann wuerde sie garantiert festgenommen. Und es waere nich im "totalitaren Russland" passiert, es waere hier gewesen, in der CH.
das weiss ich nicht. Aber sie waere garantiert bei so einer "Performance" in der Polizei gelandet, mit weitgehenden Konsequenzen. Ruhestörung halt. Und das, was "Pussies" im Zentrum einer 12-Mio Stadt "performt" haben - das uebertrifft schon alles. Natuerlich muessen sie absitzen.
in einer Kirche in Wien den Störern ÜBERHAUPT irgendetwas passiert.
Falls die Polizei gerufen wird, so sagen die entweder zu drei Mädels lediglich:
"Schleichts eich aus de Kirchn!" -
oder man nimmt sie zur Aufnahme deren Personalien auf die Polizeistation mit.
-> Auf freiem Fuße angezeigt.
Das bringt denen dann eine harmlose Verwaltungsstrefe.
UND GARANTIERT NICHT MEHR.
In U-Haft wird man für eine derartige Harmlosigkeit nur in totalitären Regimen gesetzt.
Man würde sie vielleicht abführen, aber ihr sicherlich nicht fünfzehn Jahre Haft androhen. Dafür müsste man schon ein paar Bundesräte in aller Öffentlichkeit vergewaltigen. Und selbst dann viele das Strafmaß vermutlich geringer aus.
http://www.spiegel.de/politik/a... 85234.html
Sind Sie wirklich der auffassung, Staat und Justiz reagierten in Russland
- verhältnismäßig und
- ohne Ansehen der Person?
Offenbar soll die Relativierung zeigen, wie gut die Pussy Riot dran sind; in Wirklichkeit zeigen solche Vergleiche natürlich nur, wie sehr russland auf den Hund gekommen ist. Man muss schon SA bemühen, um noch irgendwie besser zu sein ...
Nein. Justiz funktioniert in der RF nicht ohne Ansehen der Person. Aber genauso tut sie (oder tut sie nicht) auch in Oesterreich, oder auch (zwar weniger) in der CH. Wie wars mit dem Herrn J.H., der betrunken mit 140 Sachen auf dem Tacho durch ein Dorf fuhr? Oder mit J.F., kaum zu glauben, dass seine Nachbarschaft die ganze Zeit gar nichts geahnt hat. Sowas passiert in Russland nicht.
Hätte ihn die Justiz noch post mortem vor Gericht stellen sollen?!
Schauen Sie sich mal Putins Armbanduhr an. Das ist eine Patek Philippe. Stückpreis 43.000 Pfund. Glauben sie im Ernst, dass die vom Präsidentengehalt bezahlt wurde? Oder von seinen Konten, auf denen - nach Putins Angabe - nur ca. 1000 Euro sein sollen?
Ich denke unwillkürlich an die eine Hand, die die andere wäscht ...
ein ranghoeher Politiker sich erlaubt hat, nach einem gelungenen Feierabend (in einer Gay-Bar) sich ans Steuer seines Dienstwagens zu setzen, und mit Vollgas durch ein Dorf zu fahren. Das macht ein gewisses Bild ueber die Verhaeltnisse, oder? Und zwar, das besagt, dass er sich total sicher war, dass, falls er von der Polizei gestoppt worden waere, absolut trocken davon abgekommen waere. Betreffend Putins Uhr- Sie glauben wirklich, auf einem Foto erkennen zu koennen, was das fuer eine Armbanduhr ist? Und das, was Putins Geld anbetrifft - glauben Sie mir, mit den Ressourcen, die er unter seiner Kontrolle hat, Geld in egal welcher Form spielt ueberhaupt keine Rolle mehr.
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