Zu viele Kompromisse - Farnik 28. mit dem Luftgewehr

  • Thomas Farnik fokussiert in den Royal Artillery Barracks.
    foto: apa/groder

    Thomas Farnik fokussiert in den Royal Artillery Barracks.

"Hazardspiel" mit ungeliebter Waffe für Routinier nicht aufgegangen

London - Thomas Farnik zuckte mit den Schultern, als er als einer der ersten Schützen seinen Stand verließ. Der 45-jährige Wiener kam am Montag in London zum Auftakt seiner sechsten Olympischen Spiele nicht über Rang 28 mit dem Luftgewehr hinaus. Der Routinier schoss 591 von 600 möglichen Ringen, zumindest 596 wären für das Finale der besten acht notwendig gewesen. Farniks stärkste Disziplin, das Kleinkaliber-Dreistellungsmatch, steht allerdings erst in einer Woche auf dem Programm.

Mit dem Luftgewehr kam Farnik in den Royal Artillery Barracks nicht optimal zurecht. Bereits in der ersten Serie schoss der älteste und auch an Olympischen Spielen erfahrenste ÖOC-Teilnehmer drei Neuner. "Das Hauptproblem war aber nicht der Start", betonte Farnik. "Ich war mental gut drauf, es war eher eine technische Geschichte." Das Luftgewehr ist ein Standardgewehr, der Wiener kann die Waffe daher nicht genau nach seinen Bedürfnissen einstellen.

"Ich muss bei meiner Position einige Kompromisse eingehen. Das war ein Hazardspiel, das heute nicht aufgegangen ist", erklärte Farnik, der kein Profischütze mehr ist, sondern im Zivilberuf als Mentaltrainer arbeitet. Mit 47 Innenringtreffern bei 60 Schuss aus zehn Metern wäre der Wiener zwar ganz vorne dabei gewesen. "Das zeigt, dass ich sauber schießen kann." Allerdings hatte er zu viele Ausreißer dabei, die er mit seiner verkrampften Position begründete.

"Das Luftgewehr ist nicht seine Königsdisziplin", sagte Sportkoordinatorin Margit Melmer. Daher sei das Resultat auch leichter zu verarbeiten, ergänzte Farnik. Eine Muskelverletzung in der rechten Wade, die er sich vergangene Woche beim Lauftraining im Olympischen Dorf zugezogen hatte, habe ihn laut eigenen Angaben beim Schießen nicht behindert. Sie soll auch die Vorbereitung auf die nächsten Wettkämpfe nicht beeinflussen.

Im Mittelpunkt steht für Farnik das KK-Dreistellungsmatch nächsten Montag, in dem er nicht nur sein Olympia-Ticket gelöst, sondern vor vier Jahren in Peking mit Platz fünf auch sein bisher bestes Olympia-Resultat eingefahren hat. Davor tritt der ÖOC-Routniner noch am Freitag wie Christian Planer, der Olympia-Dritte von Athen 2004, im KK liegend an. "Da erwarte ich mir aber noch weniger als heute", betonte Farnik. "Liegend tue ich mir schwer."

Auch mit dem Luftgewehr hatte Farnik seine Probleme, zumal er mit der Geometrie der Standardwaffe nicht hundertprozentig zurechtkommt.. "Ich muss den Kopf sehr weit nach unten halten", erklärte der 45-Jährige, der bei ungewohnt kühlen Temperaturen in der Halle mit Kopfbedeckung antrat. "Dadurch musste ich verkrampfen und habe immer wieder Sichtprobleme bekommen." Mit dem Kleinkalibergewehr seien die Probleme weniger groß. Das lässt Farnik für seine weiteren Bewerbe hoffen. (APA - 30.7. 2012)

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