Tiwag stockt Vorstand auf

30. Juli 2012, 13:29
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Innsbruck - Der landeseigene Tiroler Energieversorger Tiwag hat die Weichen für die Führungsebene neu gestellt: Statt wie bisher mit zwei werde der Vorstand mit Beginn des kommenden Jahres mit drei Personen bestückt sein, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Eberle am Montag bei einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des Gremiums in Innsbruck. Der neu geschaffene Posten des Vorstands für Bautechnik sei mit Johann Herdina, bis dato Prokurist bei der ÖBB-Infrastruktur AG, besetzt worden, erklärte Eberle.

Das bisherige kaufmännische Vorstandsmitglied der Tiwag-Netz AG, Erich Entstrasser, folge laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden als Vorstand für Energiewirtschaft und Kraftwerksführung Alfred Fraidl nach. Dieser trete mit Jahresende auf "eigenen Wunsch" in den Ruhestand. Der bis Ende 2013 laufende Vertrag des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Bruno Wallnöfer sei vorzeitig um weitere zwei Jahre, bis Ende 2015, verlängert worden, sagte Eberle. Sämtliche Personalentscheidungen seien vom Aufsichtsrat einstimmig abgesegnet worden.

Große Bauvorhaben

Eberle meinte, dass man den Vorstandsposten für den Bereich Bau aufgrund der "großen und technisch sehr anspruchsvollen Kraftwerksbauvorhaben" geschaffen habe. Die Investitionssumme werde in diesem Bereich in den kommenden Jahren bei mehr als zwei Milliarden Euro liegen.

Der bei der Pressekonferenz als Eigentümervertreter teilnehmende Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) begrüßte die getroffenen Entscheidungen. Durch die Verlängerung des Vertrages von Wallnöfer sei "Kontinuität" gegeben. Die beiden neuen Vorstandsmitglieder würden wiederum "frischen Wind" in das Unternehmen bringen. Platter kündigte an, die Vorstandsmitglieder "an den Ergebnissen zu messen". Er erwarte sich, dass der "Familienschatz vermehrt" und auch in den nächsten Jahren weiter der österreichweit niedrigste Strompreis "garantiert" werde. Zudem betonte der Landeshauptmann, dass das Land auch in Zukunft 100-Prozent-Eigentümer der Tiwag bleiben wolle.

Fragen an die neubestellten Vorstandsmitglieder waren beim Pressgespräch übrigens keine zugelassen. "Sie sollen sich erst eine gemeinsame Sprachregelung erarbeiten", erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Eberle.

Liste Fritz kritisiert

Die größte Oppositionspartei im Tiroler Landtag, Liste Fritz-Bürgerforum Tirol kann der Vorstandserweiterung wenig abgewinnen: "Während die Bürger steigende Stromkosten verdauen müssen, stockt das Landesunternehmen Tiwag seine Vorstandsriege auf", bemängelte Klubobmann, LAbg. Bernhard Ernst in einer Aussendung.

Schon bisher hätten die beiden Vorstände "mehr als 650.000 Euro gekostet", die jetzt entstehenden Mehrkosten durch ein drittes Vorstandsmitglied müssten wieder die Tiroler Stromkunden zahlen, meinte Ernst: "Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum die Vorstände der landeseigenen Tiwag weit mehr als der Landeshauptmann (227.000 Euro brutto) verdienen". Die Landesregierung aus ÖVP und SPÖ schaue als Eigentümervertreter "tatenlos" zu und habe sogar ihren "Segen für die enormen Managergehälter von über 300.000 Euro pro Jahr bei der Tiwag" gegeben. (APA, 30.7.2012)

 

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