Nach Schlager auch Chen gescheitert

30. Juli 2012, 15:11
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Chen Weixing gegen den Deutschen Ovtcharov chancenlos - Werner Schlager bot gegen Vizeweltmeister starke Leistung

London - Österreichs Tischtennis-Asse sind im Olympia-Einzel spätestens im Achtelfinale ausgeschieden. Nach den Drittrunden-Niederlagen von Liu Jia gegen die Südkoreanerin Kim Kyung-ah, von Li Qiangbing gegen die Japanerin Kasumi Ishikawa und von Werner Schlager gegen den Chinesen Wang Hao war für Chen Weixing in der Runde der letzten 16 gegen den Deutschen Dimitrij Ovtcharov mit 0:4 (-8,-14,-8,-5) Endstation. Der 40-Jährige belegt in der Endabrechnung Rang neun.

Chen hatte sich nach seinen 4:0-Siegen in Runde zwei gegen den Ukrainer Olexander Diduch und in Runde drei gegen den als Nummer 14 gesetzten Franzosen Adrien Mattenet viel ausgerechnet, sich gut in Form gefühlt. Deutschlands Nummer zwei entzauberte Österreichs derzeitige Nummer zwei aber kräftig. Knackpunkt war der zweite Satz, in dem Chen vier Satzbälle ungenutzt ließ. Nach 17. Plätzen 2004 in Athen und 2008 in Peking ist dies aber nun seine beste Olympia-Platzierung.

Chen "insgesamt zufrieden"

"Ich habe mir vorgenommen, taktisch klüger zu spielen und immer mit dran zu sein", sagte Chen in seiner Analyse. "Das hat aber nicht geklappt." Der SVS-NÖ-Spieler war meist in Rückstand und hatte es dadurch schwer, Ovtcharov spielt es jeweils souverän nach Hause. Chen: "Meine Chance war der zweite Satz, da hätte das Spiel vielleicht noch einen anderen Verlauf nehmen können. Insgesamt bin ich aber zufrieden. Ich habe mich gegen einen starken Gegner gut gehalten."

ÖTTV-Bundestrainer Ferenc Karsai erkannte bei seinem Schützling in der Service-Annahme das Problem. "Dima (Anm.: Ovtcharov) ist sofort in den Angriff gegangen, das war umgekehrt geplant." Chen hätte demnach aggressiv in die Bälle gehen sollen. Karsai: "Gegen den sehr konzentriert und spielstarken Gegner war das aber eine gute Leistung." Chen macht nun wie Schlager eine Pause von ein bis zwei Tagen, um sich von den Strapazen aus dem Einzel zu erholen.

Eine Sensation hätte es fast am Nebentisch gegeben. Der Weißrusse Wladimir Samsonow hatte gegen den topgesetzten Chinesen Zhang Jike 3:2 geführt, verlor gegen den Weltmeister aber noch 3:4. Für die Österreicher gilt nun die ganze Konzentration den Teambewerben. Die Damen mit Liu, Li und Amelie Solja treffen am Freitag im Achtelfinale auf Hongkong, die Herren mit Chen, Schlager und Robert Gardos am Freitag oder Samstag ebenfalls in der Runde der letzten 16 auf Ägypten.

Tadelloser Auftritt von Schlager

Schlager hielt gegen den zuletzt zweifachen Olympia-Zweiten und aktuellen Vize-Weltmeister sehr gut mit, musste sich aber letztlich der Übermacht des auf Position zwei gesetzten Wang Hao beugen. "Als ich ihn beim Einspielen gesehen haben, habe ich mir gedacht, wie soll ich da einen Punkt machen", erklärte der Weltmeister 2003. Dann setzte aber auch Schlager Akzente. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich das leisten kann. Ich kann erhobenen Hauptes aus der Halle gehen."

Das wurde vom Publikum gewürdigt, Schlager wurde nach dem Match mit starkem Applaus bedacht. Im Satz eins hatte er das Spiel von Wang Hao studiert, nur drei Punkte gemacht. Doch dann trat der Wiener Neustädter plötzlich anders auf, offensiver und variantenreicher. Nach dem Satzausgleich blieb er dran, auch danach war es eng. "Er hat sich dann aber eine Kontertaktik zurechtgelegt. Er ist eben die Nummer vier der Welt. Da hat man nicht viele dunkle Flecken auf der Landkarte."

Österreichs mit Abstand erfolgreichster Tischtennisspieler trauerte zwar den Chancen auf den Gewinn der Sätze drei und fünf nach, haderte aber nicht. "Ich habe das Maximale aus mir herausgeholt." ÖTTV-Trainer Ferenc Karsai zog ebenfalls ein positives Resümee. "Werner hat gut gespielt. Mit etwas mehr Training hätte er vielleicht noch mehr Chancen gehabt", erläuterte der Ungar. "Ich bin zufrieden mit seinem Spiel. Es war sehr knapp, es hat nicht viel gefehlt." (APA, 30.7.2012)

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    Der 40-jährige Chen Weixing geigte vor dem Achtelfinale auf, gegen Dimitrij Ovtcharov hatte er dann nichts mehr zu bestellen.

  • Ex-Weltmeister Werner Schlager gegen Vizeweltmeister Wang Hao auf verlorenem Posten.
    foto: epa/bernd thissen

    Ex-Weltmeister Werner Schlager gegen Vizeweltmeister Wang Hao auf verlorenem Posten.

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