VfGH: Ermittlung einer IP-Adresse ohne Bewilligung nicht verfassungswidrig

30. Juli 2012, 12:10

Missbrauchsangeklagter blitzte beim Verfassungsgerichtshof mit Datenschutzbeschwerde ab

Abgeblitzt ist ein wegen Anstiftung zum Kindesmissbrauch Angeklagter mit einer Datenschutzbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH). Die Ermittlung seiner IP-Adresse ohne gerichtliche Bewilligung war nicht verfassungswidrig - weil es sich um eine "offene Kommunikation" in einem Internet-Chatroom handelte, befanden die Höchstrichter. Außerdem gelangte der VfGH in der Juni-Session zur Auffassung, dass die 60-jährige Speicherfrist für Daten aus Strafverfahren doch nicht verfassungswidrig ist.

IP-Adresse, Name und Adresse

Der abgeblitzte Beschwerdeführer hatte im November 2009 mit einem Posting in einem auf Sexualkontakte spezialisierten Chatroom bei einem Chatpartner den Eindruck erweckt, Minderjährige zu sexuellen Handlungen anzubieten. Die von diesem eingeschalteten Polizisten gingen von unmittelbar drohender Gefahr aus und erhoben IP-Adresse, Namen und Adresse des Wieners. Die Ermittlungen mündeten in einer Anzeige gegen ihn und eine Reihe anderer wegen des Verdachts der versuchten Bestimmung zum schweren sexuellen Missbrauch Unmündiger und zur entgeltlichen Förderung fremder Unzucht.

Da die Polizei keine gerichtliche Bewilligung für die Abfrage beim Internetprovider eingeholt hatte, erachtete der Wiener aber das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz verletzt. Die angerufenen Verfassungsrichter waren anderer Meinung.

Sicherheitspolizeigesetz erlaubt Ausforschung

Sie stellten klar, dass das Fernmeldegeheimnis - das heute für alle Arten der Telekommunikation gilt - wie das Briefgeheimnis nur die Vertraulichkeit des Inhaltes schützt, nicht aber Daten wie z.B. die IP-Adresse. Das Sicherheitspolizeigesetz erlaube ausdrücklich die Ausforschung einer IP-Adresse zur Verhinderung einer Straftat - aber nur aufgrund eines bestimmten, bekannten Inhalts einer Nachricht. Wenn die Polizei diesen aus "offenen Kommunikation" oder, wie in diesem Fall, von einem Teilnehmer erfährt, kann sie Daten abfragen. Nicht erlaubt ist damit eine geheime Überwachung des Internetverkehrs oder der Zugang zu "geschlossener Kommunikation" etwa in E-Mails.

60-Jahre-Frist

Bei der 60-jährigen Speicherungsfrist für Daten aus Strafverfahren trat der nicht allzu häufige Fall ein, dass sich in einem Prüfungsbeschluss dargelegte Bedenken des VfGH im Gesetzesprüfungsverfahren als nicht zutreffend erwiesen. In dem Erkenntnis stellten die Verfassungsrichter aber ausführlich dar, wie diese Bestimmung der Strafprozessordnung verfassungskonform zu interpretieren ist: Die Frist von 60 Jahren für die Speicherung automationsunterstützt verwendeter personenbezogene Daten ist "als Maximalfrist zu verstehen". Und es besteht schon vorher die Verpflichtung zur Löschung von Daten, wenn deren Verarbeitung für die Strafrechtspflege nicht mehr erforderlich ist - und im Einzelfall die Interessen des Betroffenen überwiegen, befand der VfGH.

Im zugrundeliegenden Fall war eine frühere Löschung allerdings nicht geboten. Anlass für die Gesetzesprüfung war die Beschwerde eines Niederösterreichers, gegen den wegen des Verdachts der Kinderpornografie ermittelt worden war. Nach dem Freispruch hatte er beantragt, sämtliche im Zusammenhang mit den Ermittlungen verarbeiteten Daten zu löschen - was aber die Datenschutzkommission abgelehnt hatte. (APA, 30.7.2012)

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Langsam wird die Nutzung von einem Tunnel oder dem Tor netzwerk schon fast zur Pflicht, wenn man nicht unschuldig auf der Anklagebank enden will. Was einem die Polizei bzw der Verfassungsschutz in die Schuhe schieben kann, hat man ja bei den beiden Paragraph 278 verfahren gesehen.

das gefällt mir immer bei einem thema wie dieses. ruft sofort die kenner auf plan. aber lese ich mir das so durch, gibts einfach niemand der sich auskennt. lauter verschiedene *expertenmeinungen*. das ist noch eine wild west branche. gut für die rechtsanwälte.

gibt's (google weiss wo), sogar von der EU hochoffiziell. Ergebnis: ois fürn oasch.

ich bitte um kontext...

"Die von diesem eingeschalteten Polizisten gingen von unmittelbar drohender Gefahr aus"

Gibts da eigentlich eine Statistik, wie oft das passiert und wie oft sich das dann als wirklich zutreffend herausstellt?

wie wollen Sie denn so eine statistik erstellen? Im geschilderten fall ist hoechstwahrscheinlich nichts passiert, weil die polizei eingriff. Wahrscheinlich wird der typ und seine freunde verurteilt.

Wenn die Wohnungstür wegen "Gefahr im Verzug" aufgebrochen wird und sich dann herausstellt, daß überhaupt niemand drinnen war ist die Sache zum Beispiel ziemlich eindeutig.

Sicher gibt es faelle bei denen es eindeutig ist. Meistens wird das aber nicht der fall sein.

wäre sehr interessant...

die IP ist doch eh egal, sie ist nicht als Identifizierungsmittel zugelassen oder?

aber sie hilft, einen konkreten ort für eine hausdurchsuchung zu definieren...

Bei einer Straftat schon.

ernsthaft...? die hat doch eigentlich null aussagekarft bezüglich identifikation...

okey... für sowas ist sie zugebrauchen... danke für die info....

Wieso? Da wird beim ISP nachgefragt welcher User zu dem und dem Zeitpunkt mit dieser IP online war. Und schon haben's den User.

lol.... wenns so einfach wär würd es gruppen wie anonymous schon lange nicht mehr geben...
schon mal was von subnetzten, routing, tunneling, vpn und ähnliches gehört...?

lol

d.h. ich muss dich nur hacken und kann machen was ich will ohne irgend etwas zu befürchten da ES EINDEUTIG DU BIST der diese handlungen gesetzt hat...

träum weiter bussi bär!

der provider...

...gibt bestenfalls rechnungsadresse und anschlussadresse bzw. mobil-nutzungsort heraus. oder glaubst du UPC weiß welcher mensch tatsächlich vor dem endgerät sitzt? weißt du was identifikation heißt?

Aber auf irgend jemand läuft der Anschluss - und der ist der erste Ansprechpartner (=Verdächtige?) der Polizei.

Dennoch ist er damit nicht identifiziert. Es gibt kein Gesetz das besagt, dass ich genau wissen muss, wer was und wann auf meinem Rechner bzw. in meinem Netzwerk macht.

Wenn jemand mit deinem Internetanschluss Leid oder Schaden verursacht, ohne dass du was davon weißt, wäre es meiner Meinung nach schon angebracht, nach eventuell verletzten Sorgfaltspflichten zumindest zu fragen.

nachdem er schon identifiziert wurde und sein Name im Akt steht schert sich keiner mehr um eine Bestimmung die "gebogen" wurde...

Verfahrensfehler?

Fuehrt sowas nicht zur Einstellung des Verfahrens?

Die Jury wird so tun, als wüsste sie nicht, dass der Angeklagte der Mörder ist!

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