Berichte über Guerillakrieg um Aleppo

30. Juli 2012, 17:05
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Mehr als 200.000 sind aus Syriens Wirtschaftsmetropole geflüchtet - Türkei verstärkt Truppen an Grenze

Aleppo/Ankara/Paris - Der Kampf um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo dauerte am Montag an. Schauplatz der Feuergefechte war Berichten zufolge vor allem das südwestliche Viertel Salaheddin sein. Die Sicherheitskräfte hatten es nach eigenen Angaben am Sonntagabend unter ihre Kontrolle gebracht, doch von Rebellen hieß es, sie seien weiter in dem Stadtteil präsent, und der Kampf gehe weiter. Ein BBC-Reporter vor Ort berichtete, die Aufständischen führten einen Guerillakrieg gegen die Regierungstruppen in der Stadt.

Nach Schätzungen des Roten Kreuz und des Roten Halbmond sind in den vergangenen Tagen mehr als 200.000 Menschen aus der Stadt geflohen. Aber noch viele der knapp zwei Millionen Einwohner dürften sich in der Stadt aufhalten. "Niemand weiß, wie viele Menschen an Orten gefangen sind, an denen die Kämpfe weitergehen", erklärte die Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in New York. Die Einwohner litten unter Nahrungsmangel und Stromausfällen, berichtete BBC.

Die Rebellen sicherten unterdessen nach eigenen Angaben eine wichtige Nachschubroute von Aleppo zur nahe gelegenen türkischen Grenze. Nach stundenlangen Kämpfen nahmen sie am Montag den strategisch wichtigen Checkpoint Anadan nördlich von Aleppo ein. Damit dürfte es ihnen leichter fallen, sich aus der Türkei mit Lebensmitteln und Waffen zu versorgen.

Aus Furcht vor einer Eskalation der Lage in Aleppo schickte die Türkei am Montag Truppen und schweres Gerät an die syrische Grenze unweit der Millionenstadt. Ein Konvoi aus rund rund 20 Truppentransportern sowie Fahrzeugen, beladen mit Flugabwehrbatterien und Panzerfahrzeuge, seien in der Nähe der Stadt Kilis an der Grenze stationiert worden, berichteten staatliche Medien und Augenzeugen am Montag. Die Gegend auf syrischer Seite soll teils von kurdischen Kämpfern kontrolliert werden, die mit der Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) verbündet sind. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan drohte vergangene Woche, kurdische " Terroristen" auch auf dem Staatsgebiet Syriens zu verfolgen.

Nach türkischen Angaben desertierte der stellvertretende Sicherheitschef der Mittelmeer-Stadt Latakia, ein Brigadegeneral, gemeinsam mit elf anderen Offizieren in die Türkei. In den vergangenen 24 Stunden seien insgesamt 600 Syrer in die Türkei geflohen, die Gesamtzahl liege damit bei 43.500 Menschen.

Lage am Golan ruhig

Im Gegensatz zu anderen Grenzregionen blieb die Lage in den zuletzt umkämpften Golanhöhen nach Angabe des österreichischen Bundesheeres vergleichsweise ruhig. Das syrische Militär und die Rebellen hätten sich weitgehend aus dem umliegenden Gebiet zurückgezogen. Auch ein Flüchtlingsstrom sei nicht zu beobachten.

Aus Frankreich kam ein neuer diplomatischer Vorstoß. Paris will eine neue Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats noch vor Ende der Woche einberufen. Frankreich übernimmt am Mittwoch den monatlich wechselnden Vorsitz im Sicherheitsrat. (Reuters, AFP, dpa, red, DER STANDARD, 31.7.2012)

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