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Jakob Molzbichler ist Rechtsanwalt bei Fiebinger Polak Leon Rechtsanwälte.
Matura im Theresianum, Wehrdienst bei der Garde, Studium der Rechtswissenschaften. Das sind die Stationen von Jakob Molzbichler. Der Wiener gehört mit seinen 27 Jahren zu den jüngsten Rechtsanwälten Österreichs. Im Karriere-Telegramm erläutert er seine weiteren Pläne und welches Rüstzeug man als Jurist braucht.
derStandard.at: Können Sie kurz Ihren Werdegang beschreiben?
Molzbichler: Nach meinem recht zügigen Studium kam ganz klassisch Gerichtsjahr, Konzipientenzeit und 2010 die Anwaltsprüfung. Irgendwie fehlte aber noch etwas nach dem Motto "das kanns jetzt aber noch nicht gewesen sein". Dann habe mir einen sehr lange gehegten Traum erfüllt: ein Jahr in New York City. An der "Columbia University Law School" absolvierte ich dann noch einen LL.M. (Master of Laws) und als krönenden Abschluss des Ganzen bestand ich vergangenes Jahr das New York Bar Exam. Die Eintragung als New Yorker Rechtsanwalt wird hoffentlich noch in diesem Jahr erfolgen.
derStandard.at: Wollten Sie schon immer Rechtsanwalt werden oder hatten Sie auch andere Berufsziele?
Molzbichler: Abgesehen von infantilen Wünschen wie Feuerwehrmann und Lokführer war mir sehr bald klar, wohin die Reise geht. Von Zweifeln bin ich bisher zum Glück verschont geblieben.
derStandard.at: Mussten Sie viele Entbehrungen in Kauf nehmen, um mit 27 Jahren in diese Position zu kommen?
Molzbichler: Das ist eine Frage der Perspektive. Ich empfinde es nicht so. Klar ist, dass die Erreichung von ambitionierten Zielen immer viel Arbeit und Disziplin erfordert. Mir ist im Leben bisher jedenfalls nichts abgegangen.
derStandard.at: Was ist das Faszinierende an Ihrem Beruf?
Molzbichler: Abwechslung, Internationalität, Verantwortung, Herausforderung, Schnelllebigkeit, Persönlichkeiten, etc.
derStandard.at: Auf welchen Bereich wollen Sie sich spezialisieren?
Molzbichler: Meine Spezialisierung erfolgte in den Bereichen Gesellschaftsrecht und Umstrukturierungen. Dies mache ich vorrangig. Ich muss aber betonen, dass ich immer großes Augenmerk auf ein breites Tätigkeitsfeld gelegt habe und legen werde. Es zeigt auch die Praxis immer wieder, dass es Mandanten sehr schätzen, Gewissheit zu haben von einer Person relativ umfassend betreut werden zu können. Selbstverständlich hat man in der Kanzlei für sehr spezielle Fragen dann auch noch spezialisiertere Kollegen. Niemand weiß alles.
derStandard.at: Wie sieht Ihr Tagesablauf in der Kanzlei aus?
Molzbichler: Einen Tagesablauf per se gibt es nicht. Das einzige Sichere sind eigentlich ein Espresso und der Blick in Tageszeitungen in der Früh. Danach steht der Mandant im Vordergrund.
derStandard.at: Wie sind Sie zu Ihrem jetzigen Job gekommen?
Molzbichler: Ich wurde während meiner Zeit in New York von "Fiebinger Polak Leon Rechtsanwälte" angesprochen.
derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?
Molzbichler: Zwangsläufige Frage bei Juristen, oder? Mandatsbezogen unterschiedlich, im Wochen- beziehungsweise Jahresschnitt aber nicht mehr als branchenüblich. Klar ist, dass Rechtsanwälte keinen nine-to-five-Job haben.
derStandard.at: Wie viel ist "branchenüblich"?
Molzbichler: Im Schnitt sicher mehr als 40 Stunden. Das Arbeitsausmaß schwankt aber zu sehr, um hier genaue Stundenangaben machen zu können. Solange der Beruf Freude bereitet, ist das, denke ich, auch eher sekundär.
derStandard.at: Sind Sie in Ihrer Freizeit oder im Urlaub für berufliche Belange erreichbar?
Molzbichler: Nicht für jeden und für alles. Manchmal lässt es sich aber leider nicht vermeiden und kann vorkommen.
derStandard.at: Welchen Mandanten hätten Sie gerne? Karl-Heinz Grasser?
Molzbichler: Wunschmandate gehen thematisch über Standardanforderungen hinaus. Das hat vielfach, aber keineswegs nur mit einem medialen Interesse zu tun beziehungsweise ist das für mich jedenfalls nicht von Belang und schon gar nicht entscheidend.
derStandard.at: Würden Sie Mandanten ablehnen? Etwa aus Überzeugung oder ideologischen Barrieren?
Molzbichler: Ja, so wie es für alles die Grenzen von Anstand und Moral gibt.
derStandard.at: Wo beziehungsweise bei welchen Delikten ziehen Sie diese Grenze? Und kann man solche Grenzen einfach als Rechtsanwalt in einer Kanzlei ziehen?
Molzbichler: Das ist grundsätzlich deliktsunabhängig und entscheide ich von Fall zu Fall, ob eine gewisse Grenze überschritten wird oder nicht. Eine Grenze zu ziehen ist aber in den seltensten Fällen einfach. Manchmal muss es jedoch sein.
derStandard.at: Haben Sie Vorbilder in der Branche, an denen Sie sich orientieren?
Molzbichler: Es muss jeder seinen eigenen Weg gehen. Jeder agiert anders, hat unterschiedliche Zugänge zu Mandanten, Problemen, etc. Es gibt aber einige in der Branche, die offenbar vieles richtig gemacht haben.
derStandard.at: Wer zum Beispiel?
Molzbichler: Wirtschaftlich gesehen die üblichen bekannten Verdächtigen.
derStandard.at: Ist das Ausland für Sie ein Thema?
Molzbichler: Ein tägliches. Aufgrund der sehr internationalen Kanzleiausrichtung ist die Betreuung von Mandanten im Ausland ein wesentlicher Teil der täglichen Arbeit. Hier kommt mir natürlich auch meine Auslandserfahrung sehr zugute.
derStandard.at: Wie sind generell die Karriereperspektiven für Juristen in Österreich?
Molzbichler: Gute Juristen werden immer reüssieren; ganz egal ob dies in Rechtsanwaltssozietäten, Unternehmen oder sonstigen Einrichtungen ist. Klar ist auch, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss.
derStandard.at: Welches Rüstzeug, welche Eigenschaften braucht man, um als Anwalt erfolgreich zu sein?
Molzbichler: Es gibt kein generelles Erfolgsrezept. Das Interesse an der Materie sollte natürlich vorhanden sein. Mit Menschen sollte man tunlichst auch umgehen können. Ein gerade noch nicht pathologisches Maß an Starrsinn darf nicht fehlen.
derStandard.at: Sind Sie schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten?
Molzbichler: Ich bin Rechtsanwalt. (lacht)
derStandard.at: Heißt das "Nein"?
Molzbichler: Ja! Ich bin nicht in Konflikt mit dem Gesetz geraten, vielleicht einmal falsch geparkt
derStandard.at: Welche Anwaltsserie schauen Sie am liebsten im TV?
Molzbichler: Keine. (Oliver Mark, derStandard.at, 30.7.2012)
Wissen:
Aus dem Rechtsanwaltsprüfungsgesetz: Die Rechtsanwaltsprüfung kann nach Abschluss eines Studiums des österreichischen Rechts und einer praktischen Verwendung im Ausmaß von drei Jahren, hievon mindestens fünf Monate bei Gericht oder einer Staatsanwaltschaft und mindestens zwei Jahre bei einem Rechtsanwalt, abgelegt werden.
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- Arbeitszeit (mittlere/grosse Kanzlei): Anwesenheit zw 0900 u 1900 ueblich; idR sitzt man - je nach Arbeitsaufwand und Psychoprofil des Chefs - meistens laenger, was im Schnitt 50-60 Std/W ergibt.
- Tagesablauf (fuer RAA und Junganwaelte): Wie am Fliessband (in manchen mittelgrossen Kanzleien eher wie im Gulag) - mit dem Unterschied, dass man keine Steine schlaegt, sondern Wissen verkauft.
- Warum tut man sich das an: Erfahrung, Ausbidung, man kann sehr gut in die Wirtschaft abspringen, wenn man genug hat.
- Kompensation (mittlere/grosse Kanzl.) - Herr Mark, das haetten Sie ja fragen koennen: RAA (Anfaenger) ca 40k/a (Steigerungen von mind. 10k/a moeglich und ueblich); bei eingetragenen Anwaelten beginnt die Show bei 80-100k/a.
In grossen und mittleren Kanzleien (in Wien) beginnt vermutlich kaum jemand mit weniger als 2.800-3.000 brutto (mit LLM/Dr gibts evtl. etwas drauf). In kleineren Kanzleien und insb. in den Bundeslaendern sieht das (wie jmd. unten geschrieben hat) ganz anders aus. Die lokalen Kammern empfehlen meistens ein Bruttogehalt von unter 2.000 (in Tirol aktuell 1.800!)...
Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Bei Brandl & Talos zB beginnt der Spass bei ca. 42.000,- EUR/annum (brutto). >http://www.karriere.at/jobs/2932... haftsrecht
Bei Wolf Theiss, Freshfields etc. wird sicher nicht weniger gezahlt. Angesichts der chronisch ungesunden Arbeitszeiten wuerde ich mich auch nicht mit weniger zufrieden geben...
"Es gibt aber einige in der Branche, die offenbar vieles richtig gemacht haben." Damit kann er nur den einen aus Feldkirch gemeint haben, dem der Disziplinarrat der Rechtsanwaltskammer unlängst bescheinigt hat, dass er für das Anfordern von Vollmachten und Kostenvorschüssen einen Stundensatz von € 1.200,-- verlangen kann.
gibt es kein 9 to 5 in der Regel - sowie in keinem Betrieb mit Schichtmodellen, die auch Feiertage u. WE abdecken MÜSSEN. Auch in den Tourismusbetrieben kenn' ich das nicht. Und die neuen selbstständigen, die von Manpower irgendwohin verliehen werden möcht ich gar nicht reden. Ausserdem gibts auch noch andere prekäre Arbeitsverhältnisse, die die ruhezeiten nur bei einem Arbeitgeber pro tag berücksichtigen. Da aber in den working poor Schichten oftmals bereits 2 - 3 Jobs verrichtet werden müssen schauts auch hier anders aus.
"Das ist grundsätzlich deliktsunabhängig und entscheide ich von Fall zu Fall, ob eine gewisse Grenze überschritten wird oder nicht. Eine Grenze zu ziehen ist aber in den seltensten Fällen einfach. Manchmal muss es jedoch sein."
heißt übersetzt soviel wie: pecunia non olet!
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