Weniger Gründungen: Lust auf Selbstständigkeit sinkt in Österreich

30. Juli 2012, 10:15
  • Nägel mit Köpfen machen immer weniger in Österreich. Die Zahl der Unternehmensgründungen ist rückläufig.
    foto: rainer sturm/www.pixelio.de

    Nägel mit Köpfen machen immer weniger in Österreich. Die Zahl der Unternehmensgründungen ist rückläufig.

14.515 neue Firmen in der ersten Jahreshälfte 2012 - Tiefster Wert seit zehn Jahren

Wien - Die große Verunsicherung wegen der Schuldenkrise in Europa dämpft in Österreich offenbar die Lust, sich selbstständig zu machen: In der ersten Jahreshälfte ist die Zahl neu gegründeter Unternehmen um 2,3 Prozent auf 14.515 gesunken, wie der "Kurier" (Samstag) berichtete. Nach einem deutlichen Minus von sieben Prozent im Gesamtjahr 2011 habe die Gründerdynamik somit weiter nachgelassen und sogar den tiefsten Wert seit zehn Jahren erreicht. Auch für das Gesamtjahr werde ein weiteres Minus erwartet, heißt es.

"Die aktuellen Rahmenbedingungen fördern die Selbstständigkeit nicht gerade, die Leute haben lieber einen sicheren Job und scheuen jedes Risiko", erläuterte Elisabeth Zehetner, Geschäftsführerin des Gründerservice Österreich in der Wirtschaftskammer (WKÖ), der Zeitung. Immerhin 80 Prozent der Gründer kämen aus einem Angestelltenverhältnis, der Rest aus der Arbeitslosigkeit oder einer Ausbildung.

Die meisten Neugründungen gab es im ersten Halbjahr bei den gewerblichen Dienstleistern. Dazu zählen etwa Lebens- und Sozialberater, Mediatoren oder Personalvermittler. Dahinter folgt die Unternehmensberatung/IT sowie Werbung und Marktkommunikation.

Dienstleistungssektor

Im wachsenden Dienstleistungssektor geben zunehmend Frauen den Ton an. 41,3 Prozent aller Neugründungen (+1,3 Prozent) entfielen im ersten Halbjahr auf Frauen. Inklusive der selbstständigen Personenbetreuerinnen beträgt der Frauenanteil sogar 55 Prozent. "Das steigende Ausbildungsniveau der Frauen spiegelt sich auch in den Gründerzahlen wider", so Zehetner. Allerdings seien im technischen Bereich Frauen als Gründerinnen nach wie vor Mangelware.

Zehetner kritisiert generell ein zunehmend gründerfeindliches Klima im Land: "Die Bewusstseinsbildung für Selbstständigkeit hat stark nachgelassen, wer heute seinen Job aufgibt, um ein Unternehmen zu gründen, wird ja fast schon als Alien betrachtet". Wenn die Wirtschaft wachsen soll, brauche sie aber Gründer, denn "große Industriebetriebe werden sich in Österreich nicht mehr ansiedeln". (APA, 30.7.2012)

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Jung & Einzelunternehmer

gehören viel mehr gefördert und unterstützt.
Das sind schließlich die Unternehmer von morgen. Die bringen neue Ideen & neue Produkte und brauchen auch Mitarbeiter. Kleinbetriebe können wachsen, Großbetriebe werden meistens verkauft-ins Ausland verlagert oder gehen Pleite....

irgendwann erschöpfen sich die möglichkeiten

bei diversesten pyramiedenverkaufsveranstaltungen a la kerzerl- tupper- bastel- unterwäscheparties als superselbständige unternehmerin tätig zu sein. mit pierre lang schmuckparty ist es ja auch möglicherweise vorbei....es bleiben also die selbständigen mobilen friseurinnen, fußpflegerinnen etc...

empfehlenswert für Selbstständige

www.focus1.at und
www.dermikrokredit.at

Beides kostenlos und sehr hilfreich

macht es wie manche politiker

mit ein wenig steuerhinterziehung und schwarzgeld ist ein schönes leben doch möglich

Gründung wird in Ö als landwirtschaftliches Beiprodukt gelesen.

Gründüngen bringt Agrarsubventionen, Gründen nur Ärger mit fest verzahnten Pfründen. Jede Gründung stellt das Establishment in Frage - außer es handelt sich um das Prestigebaby einer/s ohnehin Etablierten oder um ein Vehikel für den unauffälligen Vermögenstransfer.

Wer will sich den Wahnsinn noch antun?

Neugründen? Als junger Mensch ohne Kapital? Als älterer Mensch, ehemals angestellt, jetzt "outgesourct" und damit eine one-man-show mit vollem Risiko, ohne Interessensvertretung und permanent am Existenzminimum herumkriechend?
Franchise ist meistens auch nur eine Scheinselbständigkeit. Finger weg!
Genau das scheint gewollt. Wer nicht aus reichem Hause stammt, oder ein Genie ist, das sich rechtzeitig seine Einfälle hat patentieren lassen, der sollte in Ö tunlichst die Finger von der Selbständigkeit lassen, wenn ihm seine Gesundheit lieb ist.
Man müsste auch als Normaldienstleister sehr viel Mastdarmakrobatik anwenden, um an Aufträge zu kommen - oder besitzt ein bereits lange bestehenden Kundenstock, was bei Neugründungen unwahrscheinlich ist

Selbst & Ständig arbeiten & und die Melkkuh der Nation (und der SVA)....

Es sind viele Tausende, die das jedes Jahr machen.
Bei mir ist es schon einige Jahrzehnte zurück. Und ich möchte noch immer nicht mit einem Arbeitnehmer tauschen.

Na klar, viele Selbstständige gehen ihrem Beruf, wie Sie wohl auch, aus Leidenschaft nach und zwar ---TROTZDEM--- nicht WEIL die Bedingungen so sind wie sie sind.

Selbstständig zu werden, weil die Sozialversicherung oder die Steuern günstiger wären, wäre ohnehin unsinnig.
Ich hoffe doch, dass die meisten deshalb nicht Arbeitnehmer sind, weil sie es schätzen, die Arbeit selber einteilen zu können.

Neugründung vor Jahrzehnten?

Ich auch. Damals.
Aber unter den heutigen Bedingungen wertlos.

Was ist denn heute anders? Ich habe mich schon länger nicht mehr damit beschäftigt, habe aber den Eindruck dass es jetzt sogar eine Erleichterung bei der Sozialversicherung gibt. Für den Anfang. Das war zu meiner Gründungszeit nicht.

Erleichterungen?

Welche meinen Sie Salz Burger? Die klammheimliche Erhöhung der Pensionsbeiträge um 5,7% diesen Sommer? Oder das lächerlich geringe Wochengeld von 27 EUR/Tag für Mütter im Mutterschutz bei gleichzeitiger SVA-Beitragspflicht, wodurch das Wochengeld natürlich aufgefressen wird? Oder dass es KEIN Krankengeld gibt, bei identisch hoher Krankenversicherungsbeiträgen wie bei ASVG Versicherten (Dienstgeber-+ Dienstnehmerbeitrag zusammen) Oder meinen Sie die Selbstbehalte von 20% bei jedem Arztbesuch, die, wenn man Gesundheitsziele einhält auf 10% reduziert werden? (wer gesund ist geht aber nicht zum Arzt, zumindest kein Selbstständiger. Ob der also 10% NICHT zahlen muss oder 20% NICHT zahlen muss.. das ist höchstens ein schönes Gedankenspiel)

da in Ö alles darauf abzielt, kleine vom markt zu drängen

macht es in so einem umfeld keinen sinn, sich zu engagieren.

wenn man sich die genannten berufe so ansieht, war die Selbstständigkeit wohl bei vielen eher ein zwang als freier Wunsch und wille.

Wirtschaftskammer Pflichtmitgliedschaft weg - SVA Pflichtbeiträge bei Einkommen unter der Armutsgrenze weg - Schickanen durch Regulierungen seitens der Wirtschaftskammer weg und schon würde die Zahl der Selbstständigen wieder steigen und man könnte sich wieder der "freieren Marktwirtschaft" annähern.

Ach ja: und würde die Korruption und Freunderlwirtschaft bei Vergabe staatlicher Aufträge wegfallen, hätten auch andere Firmen eine Chance solche Aufträge zu erhalten...

Wir brauchen ja unbedingt Selbständige mit "Einkommen unter der Armutsgrenze",

die sich nicht einmal die Mindest-SVA leisten können.
Denn die Sozialversicherung zahlt für diese Muster-Marktwirtschaftler dann eh "der Staat". Den wir allerdings sonst gehörig zu verteufeln haben.
Und mit ihrem geballten Know-How werden solche "Firmen" dann auch sicher die staatlichen Aufträge gewissenhaft erledigen können...

Wir brauchen ja unbedingt Selbständige mit "Einkommen unter der Armutsgrenze", die sich nicht einmal die Mindest-SVA leisten können.

Was glauben Sie ist günstiger:

Eine Friseurin die selbstständig arbeitet, aber nur 700 € pro Monat zum überleben erarbeitet und keinen SVA Beitrag zahlt.

Eine arbeitslose Friseurin die vom AMS in WIFI Kurse geschoben wird die dem Steuerzahler viel Geld kosten, Arbeitslosengeld bekommt und auch keine SVA Beiträge leisten muss.

Es gibt nämlich Menschen denen ist es peinlich von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zu leben. Die wollen arbeiten - auch wenn die am Schluss weniger in der Tasche haben als wenn sie dem Staat auf der Tasche liegen würden. Und solche Working Poor zu bestrafen ist assozial

da muß man einen schönen knall haben, wenn einem arbeitslosen geld - so what? - peinlich ist. wie dämlich muß man da sein? das geld ist eine versicherungsleistung und kein almosen. wenn man sieht was die politiker treiben, völlig ungestraft sich die taschen füllen, dann soll man sich auch noch komplett mit einer miesen kleinen selbstständigkeit in die bredoille reiten? ja klar, jeder steht drauf von 700 e im monat zu vegetieren. da gehe ich lieber aufs amt und bewerbe mich weiter bis ich einen halbwegs adäquaten job habe.

Eine Friseurin, die UNSELBSTÄNDIG arbeitet, und 700 Euro im Monat verdient,

muss davon aber sehr wohl Sozialversicherungsbeiträge abführen. Nämlich 112 Euro.
Aber das "bemerkt" sie nicht, weil die gleich vom Gehalt abgezogen werden.
Was hat das also mit dem AMS zu tun ???????

Nur hat eine "unselbstständige" Friseurin:

- festgelegten Tariflohn
- Arbeitslosenversicherung
- keinen Selbstbehalt beim Arzt
- Kündigungsschutz und eine Arbeiterkammer
- Krankengeld
- Bezahlten Urlaub
- 14 konstante Jahres Gehälter

All dass hat eine selbstständige Friseurin nicht.

Das eine sind Versicherungsleistungen, für die sie eben Sozialversicherungsbeiträge bezahlt.

Und für ihre fixen Monatsgehälter muss sie auch die festgelegten Stunden arbeiten. Das muss die selbständige Friseurin nicht. Die kann arbeiten, wann und ob sie will.
Wenn sie nur 400 Euro im Monat erarbeiten will, dann dürfte das nicht allzu oft sein. Aber wieso sollte sie dann keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen?

Ich hoffen auch stark auf einen Gründerboom bei Lebensberatern und Mediatoren.

Diese hochqualifzierten Heissluftbläser-Pimperl-Unternehmen sind ja die Zukunft. Sie werden hunderttausende Arbeitsplätze schaffen. Da bin ich mir sicher. Wir müssen uns dann halt ständig gegenseitig beraten. Aber das macht eh Spaß und ist sehr lukrativ.

Lebensberater-Berater ist ein Beruf mit Zukunft

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