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vergrößern 500x354Ratzingers Denkfigur empfiehlt dem Missbrauchstäter letztlich nicht die Therapie, sondern die religiöse Übung. Mit Gesundbeten wird man dieses Phänomen aber nicht besiegen.
Und jetzt hat er es wieder getan - wieder hat er am Missbrauchsthema herumlaviert. Knapp vor seiner Abreise nach Castel Gandolfo sandte Benedikt XVI. noch eine Videobotschaft nach Dublin, wo natürlich das Thema Missbrauch nicht ausgeklammert werden konnte. Verzweifelt fragt der Papst: "Wie sollen wir es uns erklären, dass Personen, die regelmäßig den Leib des Herrn empfingen und im Bußsakrament ihre Sünden anklagten, auf solche Weise gefehlt haben?" Seine Antwort: "Es bleibt ein Geheimnis."
Natürlich kann man bei jedem Verbrechen darüber sinnieren, warum es das Böse in der Welt überhaupt gibt. Diese (bis dato freilich nicht beantwortete) Frage darf aber nicht dazu verwendet werden, der eigentlichen Frage auszuweichen. Die lautet: Wird genug dagegen unternommen?
Irritierend für katholische Ohren ist auch die Begriffsverwendung: Geheimnis! In seinem englischsprachigen Brief verwendet Benedikt denselben Begriff (mystery) nicht nur für das Verbrechen des Missbrauchs, sondern auch für das "Geheimnis der Kirche als Gemeinschaft mit dem Herrn" und für die "innere Höhe des Geheimnisses" in der Liturgie. Das Mysterium des Missbrauchs bekommt so schrecklicherweise eine sakrale Note. Am besten antwortet man mit einem Ratzinger-Zitat aus der "Einführung in das Christentum" (1968): "Wenn die Theologie zu allerlei Ungereimtheiten kommt und sie mit dem Verweis auf das Mysterium nicht nur entschuldigen, sondern womöglich kanonisieren will, liegt ein Missbrauch der wahren Idee des 'Mysteriums' vor."
Aber der Papst kann es noch schlechter. Er möchte dem Geheimnis des Missbrauchs doch ein wenig auf den Grund gehen und kommt bezüglich der Täter zu folgendem Schluss: "Aber offensichtlich war ihr Christsein nicht mehr erfüllt von der freudigen Berührung mit Jesus Christus, sondern nur ein System von Gewohnheiten." Diese Denkfigur hat Benedikt schon mehrfach strapaziert. Ein bisschen Glaubensabfall - und schon wird man zum Missbrauchstäter!
Die Wiederholung solcher Thesen macht sie nicht richtiger. Diese Denkfigur ist aber nicht nur falsch, sondern auch gefährlich: Sie empfiehlt letztlich einem potenziellen Täter nicht die Therapie, sondern die religiöse Übung. Mit Gesundbeten wird man dieses Verbrechen aber nicht besiegen.
Schon die junge Kirche war sich der Diskrepanz zwischen Glaube und Tat bewusst, wie schon der junge Ratzinger 1958 herausarbeitete. Denn einerseits "musste man sich unter schweren Kämpfen immer mehr zu der Erkenntnis durchringen, dass auch der Bekehrte, der Christ, ein Sünder bleibt und dass selbst die schwersten Vergehen in der christlichen Gemeinschaft möglich sein werden". (Wie prophetisch!)
Andererseits war man der Meinung, Kirche sei "eine Gemeinschaft von Überzeugten, von Menschen, die eine bestimmte geistige Entscheidung auf sich genommen hatten und sich dadurch von all denen abhoben, die sich dieser Entscheidung verweigerten".
Vielleicht sind wir hier bei der Wurzel des Vertuschungssystems angekommen. Vielleicht steckt hier dieses "Überheblichkeits-Gen", das den Verbrecher zum besseren Verbrecher macht, wenn er nur ein gläubiger Christ ist. Damit gilt es glaubwürdig aufzuräumen.
So richtig ambitioniert wird das Thema allerdings nicht verfolgt. Kürzlich machte der Vatikan darauf aufmerksam, dass gut die Hälfte der Diözesen weltweit noch nicht die von Rom geforderten Richtlinien zur Verhinderung von Missbrauch erlassen hat. Daher wurden - ganz zum Schulschluss passend - Mahnbriefe verschickt. Vielleicht wäre hier die richtige Gelegenheit für die sonst oft so überzogene römische Strenge und sollten jene Bischofskonferenzen abberufen werden, die in dieser wichtigen Frage säumig sind.
PS: Churchwatch-Sommerpause: Es liegt zwar keine Einladung nach Castel Gandolfo vor, Churchwatch legt aber trotzdem eine Pause ein. Den nächsten Blog gibt es am 3. September.
PPS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig. (Wolfgang Bergmann, derStandard.at, 30.7.2012)
Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling "Die kleinere Sünde" (Czernin Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.
Den einst modernen Theologen Joseph Ratzinger hat an der entscheidenden Stelle der Mut verlassen
258.300 Euro sollten eigentlich für den Unterhalt eines Bischofs ausreichen
...dass die kath. Kirche noch immer nicht gelernt hat, dass sie fehlbar ist - obowhl sie das oft genug bewiesen hat.
Anscheinend denken sich die "Würdenträger", dass ein Christ (und da besonders die Priester) nur ein guter Mensch sein kann und nur ein guter Mensch ein Christ (und auch da insbesondere Priester) werden kann.
Aber die Priesterweihe oder Kommunion oder sonstige Sakramente machen aus einem schlechten Menschen keinen guten Menschen. Ein pädophiler Mensch wird durch eine Priesterweihe nicht zu einem guten Priester, sondern bleibt ein pädophiler Mensch.
dass zwischen dem empfang der kommunion und der lauterkeit u. integrität kein zusammenhang besteht.darum sehe ich auch nirgendwo ein geheimnis.
die kommunion ist ein ritual das ursprünglich wohl der gemeinschaftsbildung dienen sollte.alle die da mitmachen nehmen die leitfigur der bewegung in sich auf.da geht es um psychologie u. sonst nichts.
man braucht keine kommunion um das dasein,die existenz der welt als mysterium zu empfinden.
wenn der papst in diesem zusammenhang von einem mysterium spricht,impliziert er irgendwie dass diese ungustiösen vorfälle vielleicht doch einen sinn gehabt haben könnten,nur verstehen wir es nicht.
die kirche ist drauf u. dran alles zu verspielen,weil sie sich nicht weiterentwickelt.
und das nicht nur andauernd in dieser sehr leidvollen Sache mit wirklich völlig unnötigen Worthülsen und Wortkonstellationen herumgeschraubt wird.
Die Fakten sehen nämlich leider so aus:
http://michaeltfirst.blogspot.co.at/2012/07/a... proll.html
MfG
Michael Tfirst
Es ist kein Geheimnis..
...wer an die Transsubstantiation und ähnliche Dinge real glaubt hat ein Problem in einer Zeit, die nicht mehr dem Mystizimus sondern der real-physikalischen der Neuzeit Welt verpflichtet ist.
Das sind Symptome wenn das imaginierte Weltbild nicht mehr mir der Realität in Übereinstimmung gebracht werden kann. Das ist die Krise der christlichen Weltordnung, da "Fundamente" angegriffen und in Frage gestellt werden.
Für die paulinische Realität und weitere Weichenstellungen ergibt sich die Konsequenz der grundlegenden Überarbeitung, anderenfalls diese "Kirche" in einer Zeit der Aufklärung und des Rationalismus einer Endzeitentwicklung entgegen geht.
Es wäre viel zu sagen. Ich beschränke mich auf einen respektvollen Hinweis zum Verhältnis zwischen Glaube und Wissenschaft (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 159):
"'Auch wenn der Glaube über der Vernunft steht, so kann es dennoch niemals eine wahre Unstimmigkeit zwischen Glauben und Vernunft geben: denn derselbe Gott, der die Geheimnisse offenbart und den Glauben eingiesst, hat in den menschlichen Geist das Licht der Vernunft gelegt; Gott aber kann sich nicht selbst verleugnen, noch (kann) jemals Wahres Wahrem wiedersprechen' (1. Vatikanisches K.: DS 3017)."
http://www.vatican.va/archive/c... us%20fidei
Splendor Sanctae Romanae Ecclesiae luceat nobis omnibus veritatem quaerentibus!
Zum Anschluss des Tages noch ein wenig Latein, der Sto steht ohnedies in Reichweite...
Warum eigentlich nicht, ist schon gefühlte Ewigkeiten her, dass das gefragt war.
Schade, dass dort nicht auch Apokryphen (nach dem katholischen Kanon (Tanach u.a.)) zu finden sind. Die Bezeichnung Anaginoskomena der Orthodoxen ist Programm und Auftrag.
Dagegen spricht nichts, es wird/muss eine Ursache für die Existenz geben.
Man mag es "Gott" nennen oder auch Ursache aller (weiteren) Ursachen oder wie auch immer.
Das Problem des Christentums und anderer Buchreligionen ist schlicht die Verhaftungs der Zeitgebundenheit und es damals verfügbaren Horizontes.
Aus heutiger Sicht gab (und gibt) es ein weiteres und "dezentes "Verharren in einem eher mehr wissenschaftsunfreundlichen und diese nicht begünstigendem Zeitmodell.
In der Realität ist "die Kirche" mehr einem Verharren in überholten Lehren und mystizistischen Riten huldigenden Modell verhaftet was sich zunehmend mit Erkenntnissen der Naturwissenschaften spießt.
Das Hinter- und Infragestellen von "Traditionen" ist angesagt...
ok 2 fragen zum verständniss:
1. was meinen sie mit "sachangemessener und sittlich tragfähiger Weise" ??
2. wieso kann sich gott nicht selbst verleugnen. ein anderer user meinte ja, das sich atheisten selbst verleugnen würden. wieso kann (ein allmächtiger) gott so etwas nicht?
Es wäre, wie gesagt, viel zu sagen!
Ad 1) Wie könnte jemand, der nicht "in theologisch sachangemessener und sittlich tragfähiger Weise" die Wirklichkeit Gottes ernst nimmt, der Wirklichkeit Gottes - letztlich! - gerecht werden?
Ad 2) Nur als kleiner geistlicher Gedankenanstoss: Wie könnte sich denn Liebe, die sich selbst mit-teilt, "selbst verleugnen"?
wo ist das problem?
jesus ist für die sünden aller* gestorben, also auch für die mißbraucher. und für die opfer ist es eben bloß eine prüfung gottes.
am wahrscheinlichsten waren die väter und großväter der opfer so richtige schurken, schließlich heißt es in 2. Mose 20, 5:
"Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen"
und in 2. Mose 34, 7:
"und vor welchem niemand unschuldig ist; der die Missetat der Väter heimsucht auf Kinder und Kindeskinder bis ins dritte und vierte Glied."
noch fragen?
* (oder vieler, oder einiger, je nach geläufiger interpretation)
oder besser eifernder, oder vielleicht doch geiffernder Gott noch nicht verinnerlicht.
Oder wollte er das mit dieser Rede aufheben, so nach dem Motto Adenauers(?) 'ich darf doch wohl noch klüger werden'
ein Geheimnis im Sinne eines Mysteriums sei, ebenso hat er den Bedarf für psychologische Betreuung von Verbrechern ausgeschlossen.
Aber Bergmann will es so - denn was schriebe er sonst?
Es werden also ziemlich an den Haaren herbeigezogene Interpretationen verwendet, um dann mit "feiner Klinge" zerschlagen zu werden.
auf alternative Interpretationen wird nicht eingegangen.
Ein echter Bergmann-Kommentar.
Wünsche schönen Urlaub - vielleicht reicht er ja auch zur Besinnung, was intellektuelle Redlichkeit bedeutet und was man eigentlich will.
(und falls es ihn gegeben hat, hat er nix mit göttlichem zu tun):
er lässt zu, seit ca. 1700-1800 jahren, dass es kirchen, priester, päpste und zölibate gibt.
menschen, seht ihr nicht, dass eine offenbarungsreligion schwachsinn ist?
Lg, amen und inschallah!
... keinerlei Unrechtsbewusstsein, was wahrscheinlich darin begründet ist, dass man die "absolute Wahrheit" gepachtet zu haben annimmt und daraus auch die Unfehlbarkeit der Handlungen abgeleitet wird. Dass manche der Vertreter der Kirche nur deshalb diese Laufbahn eingeschlagen haben, weil sie so ihre abstrusen und in manchen Fällen auch abartigen Neigungen und Vorstellungen ausleben können ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, daran denkt offensichtlich keiner. Dass Religion zudem ohnehin als geistige Deformation bezeichnet werden kann , ist die Basis für die selbstverständliche Überheblichkeit dieser Clique. Daher: Schnellstens alle Privilegien abschaffen und alls Straftäter der normalen Gerichtsbarkeit überlassen.
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