Alpenverein: Auf den Gipfel - und noch höher hinaus

  • Der Gipfel des Großglockners: Am Samstag feierte Österreichs größter Alpinverein auf Österreichs höchstem Berg.
    foto: apa/gindlfoto

    Der Gipfel des Großglockners: Am Samstag feierte Österreichs größter Alpinverein auf Österreichs höchstem Berg.

Der Alpenverein feierte seinen 150. Geburtstag - und wächst noch immer. Wichtig war auch die Aufarbeitung der NS-Zeit

Großglockner - Für Christian Wadsack war es dann doch mehr als eine festliche Formalität. Schließlich ist der Präsident des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) zweimal am Großglockner gescheitert. Doch als Wadsack Samstagvormittag erstmals beim Gipfelkreuz des 3798 Meter hohen Berges stand, war es nicht nur das Kaiserwetter, das ihn jubeln ließ: 2012 feiert der ÖAV 150. Geburtstag - und am letzten Juliwochenende waren die 415.000 Mitglieder des größten alpinen Vereins Österreichs aufgefordert, das Land flächendeckend zu bewandern. Es galt, den 1250 Kilometer langen "Zentralalpenweg 02" komplett zu begehen.

Österreichs höchster Gipfel liegt auf diesem Weg. Und so war es nicht verwunderlich, dass hier am Wochenende Hochbetrieb herrschte. Neben " normalen" Seilschaften kam auch einer Retrogruppe aus Matrei, die den Gipfel in Outfits und Ausrüstung von vor 150 Jahren bezwang. Darüber hinaus hatte auch ein Schweizer Outdoor-Label den Großglockner im Visier, denn der Bergtextilhersteller feiert ebenfalls seinen 150. Geburtstag - mit einem weltweiten Gipfelsturm-Projekt.

Tirol kurz vor "maximaler Sättigung"

Dass der Berg noch dazu am 28. Juli 1800 zum ersten Mal bestiegen worden war, war für Wadsack "ein schöner Anlass" - von Österreichs höchstem Gipfel optimistisch in die Zukunft zu blicken. "Die Mitgliederzahlen steigen stetig - vor allem in Wien und Tirol haben wir Rekordzuwächse."

Während in Tirol (83.000 Mitglieder) "die maximale Sättigung wohl bald erreicht sein dürfte", ist es vor allem die Steigerung der Wiener Zahlen (93.000 Mitglieder, ein Plus von 7,2% im Vorjahr), die aufhorchen lässt: " Das ist der Kletterboom", analysiert Wadsack: "Wir sehen das auch in deutschen Großstädten: Die Leute stürmen die Kletterhallen." Darüber hinaus sei " Outdoor" zum Megatrend geworden.

Aufarbeitung der Vergangenheit

Um nach vorne schauen zu können, betont Wadsack, sei die Aufarbeitung der Vereinsvergangenheit "extrem wichtig" gewesen: Dass und wie der ÖAV seine Rolle als antisemitische Paradevereinigung während der NS-Zeit dokumentierte und aufarbeitete, "gibt uns die Kraft, uns jetzt auf die Zukunft zu konzentrieren".

Denn bloß als Bergwelt-Promotoren, Hütten-Betreiber und Wanderweg-Gestalter gesehen zu werden, wäre Wadsacks zu wenig: Immer öfter mischt sich der Verein kritisch in Widmungs- und Naturschutzbelange ein. Etwa wenn es um die Erschließung von Skiregionen oder Windparks geht. Da spürt dann auch der ÖAV Gegenwind: "Zu Hütteneröffnungen kommen Landeshauptleute und lokale Honoratioren gern - aber wenn wir sagen, was eben auch gesagt werden muss, wollen die gleichen Leute das oft überhaupt nicht hören." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 30.7.2012)

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