Mit Punkrock gegen Präsident Putin

Das russische Musikerinnen-Kollektiv Pussy Riot kämpft für die Meinungsfreiheit

"Muttergottes, du Jungfrau, vertreibe Putin! Vertreibe Putin, vertreibe Putin!" In Anlehnung an das Gegrüßet seist du, Maria, eines der wichtigsten Gebete in der katholischen wie auch der orthodoxen Kirche, forderten am 21. Februar dieses Jahres die Musikerinnen des russischen Punkrock-Kollektivs Pussy Riot in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale das Ende von Präsident Wladimir Putin - der war zum damaligen Zeitpunkt für eine dritte Amtszeit wiedergewählt, aber noch nicht formell im Amt.

Die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa, die 24-jährige Maria Aljochina (beide sind junge Mütter) sowie die 29-jährige Jekaterina Samuzewitsch wurden festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

In musikalischer Hinsicht berufen sich Pussy Riot auf die Riot-Grrrl-Bewegung, die in den 1990er-Jahren in der Hardcore-Punk-Szene der USA als Antwort auf die männliche Dominanz in der Musikszene entstanden war.

Doch der feministische Aspekt steht bei Pussy Riot längst nicht mehr im Zentrum: Die Band mit wechselnder Besetzung - etwa zehn Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren - hat längst den Raum der Subkultur verlassen und sich auch in den Bereichen Kunst, Religion und vor allem Politik einen Namen gemacht.

Und dieser Name scheint für den russischen Staatsapparat wohl zu groß geworden zu sein: Die Festnahme der Musikerinnen wurde mit "Rowdytum" und "Aufruf zum religiösen Hass" begründet, sogar von "Bedrohung für den Staat" war die Rede. Da half es auch nichts, dass sich Tausende in einem offenen Brief an Patriarch Kyrill I. gegen eine Bestrafung der Bandmitglieder aussprachen. Sie stießen bei ihm auf taube Ohren, schließlich hatten Pussy Riot auch ihn angegriffen: "Der Patriarch glaubt an Putin. Es wäre besser, er würde an Gott glauben, der Hund."

Seit Wochen protestieren die inhaftierten Frauen - sie könnten auch ohne Prozess bis Ende Jänner 2013 in U-Haft gehalten werden - abwechselnd mit Hungerstreik gegen den Justizapparat.

Zu den Unterstützern der Pussy Riot zählen mittlerweile internationale Künstler und Bands wie Sting und Franz Ferdinand - doch auch im Scheinwerferlicht westlicher Medien scheint Putin an Tolokonnikowa, Aljochina und Samuzewitsch ein Exempel statuieren zu wollen, kritisiert Amnesty International und erklärte die drei Frauen zu politischen Gefangenen. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 30.7.2012)

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