NS-Aufarbeitung: Nike Wagner kritisiert Verschleppungstaktik

29. Juli 2012, 20:02
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Öffnung der Archive von Wolfgang Wagner verzögert sich

Bayreuth  - In der Debatte um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Bayreuther Festspiele attackiert Nike Wagner deren Leiterin Katharina Wagner. Sie wirft ihrer Cousine Verschleppungstaktik bei der Öffnung der Archive des Vaters Wolfgang Wagner vor.

Die 67-Jährige ist die Tochter von Wolfgangs Bruder Wieland Wagner. Offenbar werde etwas verschleppt, Nike Wagner: "Seit 2008 verspricht sie (Katharina, Anm.) die Öffnung des Privatarchivs Wolfgang Wagners. Sie hat 'Historiker ihres Vertrauens' beauftragt, wie sie einigermaßen merkwürdig formuliert, den Journalisten Peter Siebenmorgen und den Historiker Wolfram Pyta, aber es ist nichts geschehen zwischen 2008 und 2012".

Bei der Eröffnung der Ausstellung "Verstummte Stimmen" in Bayreuth hatte  der Historiker Hannes Heer gesagt, dass er keinen Zugang zum Wolfgang-Wagner-Archiv bekommen habe. Verschlossen ist bisher das Material, das die Mutter von Wolfgang und Wieland, die mit Hitler befreundete Winifred Wagner, ihrer Enkelin Amélie Hohmann, geborene Lafferentz, überlassen hat.  Die Forderung des deutschen Kulturministers Bernd Neumann, alle Wagner-Archive zur Aufarbeitung der Vergangenheit zugänglich zu machen, begrüßt Nike Wagner.

"Amelie Hohmann muss das Archivmaterial in der Tat endlich zugänglich machen", forderte Nike Wagner. Es gehöre nicht ihr, sondern der Erbengemeinschaft.  "Durch den Aufruf von Kulturminister Neumann und die Initiativen von Hannes Heer kommt jetzt vielleicht Bewegung in die Sache", sagte sie. Auch Katharina Wagner hatte zur Forderung Neumanns erklärt, sie sei "ganz und gar seiner Meinung". Nicht alle der Stämme in der Familie seien aber dafür "zugänglich".

Seit Oktober 2011 habe der Bayreuther Anwalt Michael Brand im Auftrag der Erbengemeinschaft Wagner Amélie Hohmann mehrfach schriftlich aufgefordert, die Unterlagen zugänglich zu machen. Die Anfragen seien "ins Leere gegangen und blieben inhaltlich unbeantwortet", sagte Brand. Seine Mandantin Katharina Wagner gebe jedoch die Hoffnung auf eine "kooperative Zusammenarbeit" nicht auf. Sollten sich aber keine Fortschritte erzielen lassen, erwäge Katharina Wagner, rechtliche Schritte zu unternehmen.

Nike Wagner sprach sich dafür aus, den Kasten mit den Unterlagen gemeinsam zu öffnen. Nicht-Familienmitglieder sollten "bei dem Sesam- öffne-dich" dabei sein, sagte sie. Danach aber gebe es das Problem: "Wohin mit den Dokumenten?" Laut Nike Wagner gibt es dazu in der Familie "verschiedene Standpunkte". Sie erwartet indes keine völlig neuen Erkenntnisse: "Die Verstrickung der Familie Wagner in den Hitlerismus ist bekannt und gründlich erforscht, da wird der Schrank nichts 'Neues' zutage fördern. Aber Differenzierungen lohnen sich immer."  (APA, 29.7.2012)

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