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Spärlich bekleidet zur Prüfung in der Felsenreitschule: Bernard Richter (als Tamino) und Julia Kleiter (als Pamina), umgeben von den in Feuerschutzanzüge gesteckten Wissenschaftern.
Salzburg - Es ist den Wiener Philharmonikern zu danken. Intern hatten sie das Angebot, mit Nikolaus Harnoncourt in Salzburg Die Zauberflöte zu erarbeiten, abgelehnt. Und es hat sich ausgezahlt. Schon die Ouvertüre erreicht in der Felsenreitschule ein glanzvolles Maß an Transparenz, von der die kontrapunktischen Delikatessen und die kontrastvolle Instrumentation erhellt werden.
Hernach wird der Zauber der in sich stimmigen Ausdrucks- und Tempodramaturgie zwar nicht mehr übertroffen werden. Allein, das kühle Glitzern des historisch informierten Concentus Musicus blieb mit seiner Flexibilität wohl der einzige zureichende Grund, die Eröffnungspremiere der Salzburger Festspiele interessiert durchzuhalten. Eine Flexibilität, die Harnoncourts - aus der subjektiv-originellen Auslegung von Partitur und Bühnensituation erwachsenden - Absichten zumeist konzentriert umsetzt. Natürlich gab es Momente, da auch Harnoncourt die Noten nur indifferent durchzuwinken schien. Und auch die eine oder andere Pointe hätte mehr Blechbläser-Stabilität vertragen. Dennoch: Harnoncourts Fähigkeit, den szenischen Atem überraschend vom poetischen Fließen zu ruppiger Prägnanz zu führen, bleibt das tragende Fundament einer flachen Inszenierung.
Regisseur Jens-Daniel Herzog siedelt das Geschehen in einer containerartig wirkenden Konstruktion an, die sich zu einem Labyrinth aus unzähligen Türen weiten kann oder sich zum Zimmerchen verengt (Bühnenbild: Mathias Neidhardt). Das lässt bisweilen elegante Szenenwechsel zu, macht jedoch die Inszenierung letztlich atmosphärefrei. Eine Inszenierung, die Sarastros Welt als Lehr- und Forschungsanstalt definiert, in der Harry-Potter-artige Jünglinge mit einer Fernsteuerung die mit zahllosen Drähten frisierte Papagena (solide Elisabeth Schwarz) zappeln lassen.
Maschinenartiger Sarastro
Sarastro (profund Georg Zappenfeld) selbst ist auch ein bisschen maschinisiert: Um seinen Hals hängt blinkend der Sonnenkreis, von dem ein Schlauch zum Hinterkopf des Oberlehrers führt. In diese Welt der wissenschaftlichen Rationalität, die sich besonders integer gibt, platzt die Königin der Nacht (Mandy Fredrich ist intensiv, erwischt aber nicht alle Koloraturtöne) dann als gekränkte Diva und Symbol der Unbeholfenheit dieser Inszenierung. Da ist weder glanzvoller Auftritt noch menschliche Erdung. Nur szenische Verlegenheit.
Auch insgesamt: Es bleibt alles ein mit müden Pointen gespicktes Ideenmittelmaß und ein in Dialogen schleppend voranschreitendes, träges Theater. Herzog ist weder Herr des riesigen Raumes noch der Figuren. In der Absicht, Die Zauberflöte von Symbollast zu befreien und ihr Spielleichtigkeit zu verleihen, hat er sie in das Nirgendwo der szenischen Unbeholfenheit und der modernistischen Klischees geführt. Immerhin: Wenn sich am Ende die Königin der Nacht und Sarastro streitend am Boden wälzen, während Pamina (steigert sich zu einer Glanzleistung: Julia Kleiter) und Tamino (Bernard Richter verfügt über magischen Glanz, diskrete Poesie möge dazukommen) wie auch Papageno (Markus Werba gibt den hedonistischen Lebemann souverän und klingt tadellos) und Papagena belustigt mit Kinderwagen in Richtung biedermeierliches Glück an ihnen vorbeispazieren, kommt etwas szenisches Leben auf.
Zu spät, um dieser ersten Premiere der Ära Alexander Pereira festspielwürdigen Charme zu geben. Natürlich hatten auch Pereiras Vorgänger mit der Zauberflöte ihre liebe Not (am besten noch Achim Freyers zirkusartige Version in der Ära Mortier). Gemessen an den Mozart-Ideen, die ein Claus Guth bei den Da-Ponte-Opern in den letzten Jahren entwickelt hatte, ist das nun jedoch ein szenischer Rückschritt in die Regieprovinz. Allerdings konnte Guth auch im kleineren Mozarthaus seine Eleganz erarbeiten und nicht in diesem heiklen Riesen namens Felsenreitschule. Applaus für alle, für die Regie auch reichlich Buhs. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 30.7.2012)
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Nachdem mich die Radioübertragung schon missmutig gestimmt hatte ging ich am Samstag mit schaumgebremster Erwartung in die Felsenreitschule. Auch fast 2 Wochen nach der Premiere sind Orchester und SängerINNEN immer noch unsynchron (z.B. Chor der Priester). Die sängerische Leistung ist meines Erachtens bestenfalls mittelmäßig und die Regie fand ich inklusive der begangenen Regiefehler furchtbar. Harnoncourts "Freiheit" bei Notenwerten und Metrik erscheint mir eher willkürlich und kommt der Musik nicht immer entgegen. Diese Produktion hat in mir einen Nachgeschmack des "Besserwissens" (auch musikalisch!) hinterlassen und wird mir als die bisher schlechteste Produktion der von mir besuchten Festspielproduktionen in Erinnerung bleiben.
Wenn die Transparenz wirklich so groß ist, frage ich mich, warum sie sich nicht zu den Sängern durchgesprochen hat. Ein Wahnsinn, was da an mangelnde Übereinstimmung bei einem solchen Prestige-Werk auftreten kann.
Offensichtlich hat die Freiheit über die Transparenz gewonnen...
ich habe sie ja nicht live sehen können, sondern nur zweimal in einer Fernsehübertragung gesehen. Beim zweiten Mal war ich schon ein bisschen toleranter und habe zumindest die Kleiter stimmlich als gut befunden, obwohl sie halt aussehensmäßig nicht zu einer sehr jungen Tamina passt.
Die Regie hat mich fast noch mehr als beim ersten Mal aufgeregt. Das Blinklicht am Sarastro wirkt nicht nur blöd, es ist auch so unendlich stümperhaft ausgeführt.
Was die Kritik über die Musik schreibt, kann ich für mich nicht so akzeptieren. "Glanzvolle Transparenz" fällt mir schwer zu diagnostizieren, dazu kenne ich die Musik zu gut. Und da sind die Wiener oder auch Berliner Philharmoniker noch immer besser.
... zumindest nach der Fernsehübertragung zu urteilen, die man bereits auf der Internetseite von ARTE nachsehen kann.
Den Weisheitstempel der Eingeweihten als naturwissenschaftliches Forschungsinstitut darzustellen, hat mich besonders überzeugt, zumal mir solche Ideen selbst schon gekommen sind:
http://derstandard.at/plink/125... 1/14310668
Die Musik erklingt äußerst klar, der Text leuchtet ohnehin mit Genie und Geist ein - aber dennoch kann ich mir auch diese "Zauberflöte" nicht ohne Taschentücher ansehen...
Dr. Heinz Anderle, Freigeist
Ich habe aber noch kein Forschungsinstitut gesehen, wo die Forscher Kerzen auf dem Kopf tragen. Entweder wirklich eine reale Umsetzung oder Mystik, beides zugleich ist Humbug eines sich profilieren wollenden Regisseurs. Dessen Namen werde ich mir merken, aber mit negativer Konnotation.
wurde in der Felsenreitschule der Salzburger Festspiele vom Duo Harnoncourt / Herzog in Szene gesetzt. Man spürte herzlich wenig vom legendären "Mozart'isch und Schikaneder'ischen Geist".
Musste denn wirklich die Inszenierung der "Zauberflöte" dem Harry-Potter-nahen Zeitgeist
geopfert werden?
Wie erinnerlich, gab es neun Sommer lang von 1978 weg in der Felsenreitschule die legendäre, erfolgreiche "Zauberflöten"-Produkton von Levine / Ponnelle.
die musikalische Interpretation durch Nikolaus Harnoncourt und den Concentus Musicus Wien sehr, sehr gemocht. Allein schon die Sinnlichkeit und die Klangfarben der Ouvertüre - herrlich! Vor allem wurde die Vielschichtigkeit des Stücks - fantasievolles Märchen, sensible Liebesgeschichte, polterndes Altwiener Zaubertheater - wirklich endlich einmal auch musikalisch verstanden und umgesetzt.
Ich erinnere mich an eine Radioübertragung vor ein paar Jahren aus Salzburg mit Muti und den Philharmonikern - sorry, normalerweise vergleiche ich nicht, aber das jetzt war halt schon eine ganz andere, deutlich intelligentere und spannendere Sache. Das eine war Sachertorte, das jetzt war Tafelspitz mit Kren. Ich bin gespannt auf die TV-Übertragung!
Es war ja genau Schikaneders größtes Verdienst, die Kasperliaden endlich von der Bühne verbannt zu haben und sich feinere Späße zu befleißigen. Dass Ignoranten Schikaneder immer für eine Art Stranitzky halten und die Zauberflöte mit dem Hanswurst vermischen, kann einen rasend machen!
Gestern schwärmte er noch von "vokalen Glanzstücken", heute fällt ihm plötzlich ein, dass Mandy Fredrich "nicht alle Koloraturtöne erwischte". Um die Unmenge von musikalischem Nonsens in dieser Premiere zu bemerken, fehlen ihm offenbar Gehör und Werkkenntnis.
haben Sie, es war die ärgerlichste Zauberflöte in meinem ganzen und schon langem Leben. Harnoncourt ist Meister im Disqualifizieren anderer Musiker und er selbst hat recht zweifelhafte Einfälle, Hauptsache scheint zu sein, dass es noch niemand so gemacht hat wie er. Klar, weil seine Neuheiten nicht immer gut sind
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