Pinochet-Opfer beigesetzt

28. Juli 2012, 22:43
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Drei während der Militärdikatatur ermordete Linke wurden nach 36 Jahren begraben

Santiago de Chile - Drei während der chilenischen Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973 bis 1990) ermordete Linke sind 36 Jahre nach ihrem spurlosen Verschwinden begraben worden. Angehörige und Freunde gaben ihnen am Samstag auf dem Zentralfriedhof der Hauptstadt Santiago das letzte Geleit. Die Überreste der Mitglieder der Kommunistischen Partei - Lincoyan Berrios, Horacio Cepeda und Fernando Ortiz - waren ihren Familien am Freitag übergeben worden, ebenso diejenige des Mitglied der Bewegung der Revolutionären Linken (MIR), Angel Guerrero.

Wann Guerrero beerdigt wird, war zunächst unklar. Die Überreste der vier Männer waren 2001 in einem verlassenen Bergwerk an der Passstraße Cuesta Barriga zwischen Santiago und der 120 Kilometer westlich gelegenen Hafenstadt Valparaiso gefunden worden. Cepeda war 54 Jahre alt, als er 1976 verschwand. Der 48-jährige Berrios wurde im selben Jahr auf offener Straße festgenommen. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. Der dreifache Familienvater Ortiz war Universitätsprofessor und Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chiles.

Geheimgefängnisse

Der Student Guerrero wurde zuletzt in der Villa Grimaldi, einem Gefängnis- und Folterzentrum in der Hauptstadt Santiago, gesehen. Dann verschwand auch er. Die Villa Grimaldi war eines der wichtigsten Geheimgefängnisse unter der Militärjunta. Mehr als 4500 Menschen wurden dort gefoltert. Auch Michelle Bachelet, die von 2006 bis 2010 Präsidentin war, und ihre Mutter Angela Jeria wurden 1975 zwei Wochen in dem berüchtigten Foltergefängnis festgehalten, bevor ihnen die Flucht über Australien in die DDR gelang.

Laut dem Bericht eines Untersuchungsausschusses unter Vorsitz des sozialistischen Abgeordneten Raul Rettig wurden unter Pinochets Herrschaft in Chile knapp 3.200 Menschen ermordet. Zu den Opfern gehörten linke Arbeiter und Gewerkschafter ebenso wie kritische Intellektuelle und unbequeme Journalisten. Nachweislich wurden mindestens 28.000 Menschen gefoltert, vermutlich ist die Zahl der Folteropfer jedoch wesentlich höher. Zehntausende Menschen wurden ins Exil getrieben. (APA, 28.7.2012)

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