Rubin Okotie schockt die Veilchen

28. Juli 2012, 20:29
249 Postings

Ausgerechnet der ehemalige Austrianer erzielt den Siegestreffer von Sturm in der Generali-Arena. Margreitter sieht Gelb-Rot

Wien - Bei der Austria werden die Fans vom Platzsprecher mit den Worten " Freunde und Freundinnen des gepflegten Fußballs" begrüßt. Da wird ein Klischee strapaziert oder wiederbelebt, jenes vom gepflegten Kick, von den technischen Gustostückerln, den zündenden Ideen, der Schönheit, die praktisch keinen Preis hat. Dem neuen Trainer Peter Stöger ist das nicht unrecht, schließlich hat er zum Amtsantritt eine attraktive Spielweise, also Fußball fürs Auge, angekündigt. Er selbst hat ja einst dafür gesorgt, dass Klischees oder auch Traditionen nicht von irgendwo blöd daher gelaufen kommen, sie sind kein Feind der Wirklichkeit.

Am Samstagabend hat die Austria allerdings in der Generali Arena ein ungepflegtes Ergebnis, ein 0:1 gegen Sturm Graz, abgeliefert. Man konnte danach über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit im Fußball philosophieren, Peter Hyballa, der neue Trainer von Sturm Graz, war von der Leistung der Verlierer durchaus angetan. Obwohl sie ihm prinzipiell nichts angeht. Von einer spielstarken Austria hat der 36-jährige Deutsche gesprochen, vom Glück der eigenen Mannschaft in der einen und anderen Szene.

Energiebündel

Hyballa ist übrigens ein laufstarker, temperamentvoller Trainer mit ausgeprägter Gestik. Der Mann kann zumindest während der Ausübung seines Berufs keine Sekunde still sitzen oder stehen, die Coaching-Zone ist für ihn viel zu klein bemessen. "Ich bin, wie ich bin. Das ist keine Show." Kämpferisch sei sein Team "großartig" gewesen. "Spielerisch waren wir beim 0:2 gegen Salzburg weit besser." Die Austria war beim 1:0 gegen Aufsteiger Wolfsberg schwächer, Ungerechtigkeiten gleichen sich aus.

Stöger taten "meine Spieler, die traurig in der Kabine sitzen" leid. Ob auch Roland Linz dazu gehörte, verriet er nicht. Der Stürmer ist schon wieder nicht positiv aufgefallen, sein Zweikampfverhalten war jämmerlich, er wurde wie schon in der ersten Runde nach einer Stunde ausgetauscht. Was unter Karl Daxbacher und Ivica Vastic begonnen hat, setzt sich fort, insofern ist Kontinuität gewahrt. Stöger will Linz nicht "groß thematisieren", er habe ihn eben zweimal beginnen lassen. " Ich bin nicht dazu da, um über die Launen von Linz zu sprechen. Er ist Teil der Mannschaft und soll schauen, dass sie gut gelaunt ist."

Rubin Okotie zeigte vor, wie ein modernes Stürmerspiel zu funktionieren hat, er dient allerdings Sturm. Der 25-Jährige erzielt das Tor, er ließ dabei Manuel Ortlechner aussteigen. Heinz Lindner öffnete dann die kurze Ecke, das tut man als Tormann eigentlich nicht. Okotie verzichtete auf ausgiebigen Jubel, schließlich hat er bei der Austria das Spiel erlernt. " Ich genoss eine hervorragende Ausbildung, konnte Profi werden." Er lehnte dann eine Vertragsverlängerung ab, wechselt vor zwei Jahren zu Nürnberg. Die Fans pfiffen ihm zum Abschied aus. In Deutschland scheiterte Okotie auch aufgrund von Knieverletzungen. In Graz hat er nur für ein Jahr unterschrieben. "Natürlich will ich noch einen zweiten Anlauf nehmen, das Ausland bleibt ein Ziel. Aber momentan denke ich von Tag zu Tag." Ob sich Teamchef Marcel Koller schon gemeldet hat? "Nein. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Es kommt, wie es kommt."

Auf Stöger kommt das 302. Derby zu. Es findet am Sonntag im Hanappi statt. Im Falle einer Niederlage hätte Rapid sechs Punkte Vorsprung. Nach nur drei Runden. Stöger: "Bei der Austria ist der Druck größer, als viele glauben."

Peter Hyballa, laut Okotie "ein Fußballverrückter im positiven Sinn", saß für einen Moment ganz ruhig da. "Wir denken von Spiel zu Spiel. Ein langweiliger Satz. Aber er stimmt." Stöger weiß allerdings, "dass das bei der Austria zu wenig ist". Tradition hin, Tradition her, gepflegt oder ungepflegt. "Auch hier zählen im Endeffekt nur die Resultate." (Christian Hackl, DER STANDARD, 30.7.2012)

Fußball-tipp3-Bundesliga - 2. Runde:
FK Austria Wien - SK Sturm Graz 0:1 (0:1). Wien, Generali Arena, 10.125, SR Schüttengruber.

Tor: 0:1 (25.) Okotie

Austria: Lindner - Dilaver (77. Kienast), Margreitter, Ortlechner, Suttner - Vrsic, Holland, Mader (46. Simkovic) - Gorgon, Linz (62. Murg), Jun

Sturm: Gratzei - Kaufmann, Madl, Vujadinovic, Klem - M. Weber, Säumel (54. Koch), Kröpfl (88. Bukva), Bodul (80. Schloffer) - Okotie, Sukuta-Pasu

Gelb-Rote Karte: Margreitter (90., wiederholtes Foulspiel)
Gelbe Karten: Murg bzw. Vujadinovic, Schloffer

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Sargnagel der Violetten.

Share if you care.