Oldie Winokurow überraschend zu Gold

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  • Machen Sie was Typisches, Herr Sieger...
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    Machen Sie was Typisches, Herr Sieger...

Kasache setzt sich vor seinem Fluchtgefährten Uran aus Kolumbien durch. Bronze an den Norweger Kristoff. Österreicher und Cavendish im Feld

London - Der Kasache Alexander Winokurow hat sich am Samstag bei den Olympischen Spielen in London Gold im Straßenrennen der Herren geholt. Der 38-Jährige setzte sich zwölf Jahre nach seinem zweiten Platz in Sydney im Sprint nach 250 Kilometern vor seinem Fluchtgefährten Rigoberto Uran aus Kolumbien durch. Der Norweger Alexaner Kristoff sicherte sich im Sprint einer größeren Verfolgergruppe knapp zehn Sekunden dahinter Bronze.  Den Sprint des Hauptfeldes entschied der Deutsche Andre Greipel vor dem Belgier Tom Boonen für sich - allerdings nur um Platz 26. Winokurow hatte bereits 2000 in Sydney hinter dem Deutschen Jan Ullrich Silber gewonnen.

Die Österreicher Bernhard Eisel und Daniel Schorn kamen wie der britische Weltmeister und Topfavorit Mark Cavendish mit dem Feld mit rund 40 Sekunden Rückstand ins Ziel und landeten nicht unter den besten 30.

Das favorisierte Team aus Großbritannien schaffte es  nicht, das Feld zusammenzuhalten und für seinen Sprintstar Mark Cavendish die Bühne zu bereiten. Viele der bis zu einer Million Zuschauer an der Strecke waren in Erwartung eines heimischen Erfolgs gekommen. Der Druck für die Briten war groß, Prince Charles hatte seinen Landsleuten zusammen mit Frau Camilla noch an der Startlinie Glückwünsche mit auf den Weg gegeben. Cavendish sollte mit dem ersten Gold die Olympiaeuphorie entfachen. Selbst Tour-Sieger Bradley Wiggins wollte sich für den Sprinterkönig, den er als "schnellsten Mann der Welt" bezeichnete, ins Zeug legen.

Fehlende Übersicht?

Das Peloton zu kontrollieren und Ausreißer in Schach zu halten, erwies sich letztlich als zu große Herausforderung. Besonders auf dem 15,5 Kilometer langen Rundkurs über den Box Hill wurde das Tempo immer wieder erhöht und Unruhe ins Feld gebracht. Auch der nicht gestattete Funkverkehr mit den sportlichen Leitern, sonst Standard in allen Radrennen, stellte diese beiden Teams besonders auf die Probe. Das Tempodiktat wurde später gänzlich von den Briten übernommen, die in einer Art Mannschaftszeitfahren den Rhythmus des Feldes bestimmten.

Eine Reihe starker Nationen hatte bereits zu Beginn Fahrer in Ausreißergruppen platziert, die sich schon in der ersten Rennhälfte gebildet hatten. Sehr aktiv zeigten sich die Australier, aber auch der Belgier Philippe Gilbert oder der italienische Tour-Dritte Vincenzo Nibali bestimmten lange das Geschehen mit. Bereits 15 km vor dem Ziel war der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara in einer Kurve zu Sturz gekommen.

Gut 50 km vor dem Ziel versuchte es Gilbert dann allein, wurde aber von einer nachfolgenden Gruppe gestellt, aus der Winokurow mit Uran den entscheidenden Angriff riskierte, den niemand konterte. Winokurow war 2007 wegen Fremdblutdopings bei der Tour de France gesperrt worden, schon zuvor war der Kasache, Vuelta-Sieger von 2006 und Gewinner von vier Tour-Etappen, mehrmals unter Dopingverdacht gestanden ("Das Kapitel liegt hinter mir. Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, nach Doping zu fragen. Ich war für zwei Jahre gesperrt. Der Radsport hat viel gegen Doping unternommen. Wir sind auf dem richtigen Weg".).

Im Feld ist er nicht besonders beliebt. "Über viele andere hätte ich mich mehr gefreut", versicherte Eisel. "Ich glaube, das war jetzt ein würdiger Abschluss seiner Karriere." Kurz nach seinem Triumph kündigte der kasachische Radprofi dann auch tatsächlich seinen Ruhestand an. Er werde zwar noch beim olympischen Zeitfahren am Mittwoch antreten, aber nur noch, um seine "Beine zu lockern", sagte der 38-Jährige. Anschließend werde er seine Karriere beenden.

Österreicher im Feld, Eisel verletzt

Die Österreicher spielten in der Entscheidung keine Rolle. Eisel hatte sich Mitte des Rennens einige Zeit an der Spitze des Hauptfeldes bei seinem Sky-Teamkollegen Cavendish aufgehalten, am Ende reichte es allerdings nur zu Rang 35. "Die Form hat gepasst, im Sprint wäre etwas gegangen", meinte der 31-jährige Steirer, der sich bei einem Zwischenfall unterwegs an der Hand verletzt hatte. "Dann um so einen Platz zu sprinten, damit kann man nicht wirklich zufrieden sein."

Daniel Schorn stellte sich bei seinem Olympia-Debüt in den Dienst des ÖOC-Kapitäns. Der Salzburger kam nach 249,5 km wie Eisel mit dem größten Teil des Feldes als 80. ins Ziel. "Es war extrem schnell", meinte Schorn.

Eisel selbst hätte sich von seinen vermutlich letzten Spielen mehr erhofft. "Spaß hat das heute keinen gemacht", gestand der neunfache Tour-Teilnehmer. Schon nach zehn Kilometern hatte er sich im Rad eines Konkurrenten an der Hand aufgeschürft, weil ihn ein britischer Fan mit einer Fahne getroffen hatte. Bis zu eine Million Menschen an der Strecke machten das Rennen zu einem Erlebnis. "Ich bin schon in Alpe d'Huez Bergzeitfahren gefahren. Aber diese Stimmung war eine neue Dimension", sagte der Österreicher. "

Am Mittwoch steht das Einzelzeitfahren auf dem Programm, dort ist Wiggins der Favorit. Der erste britische Tour-Sieger erntete im Ziel auf der Mall vor dem Buckingham Palace den meisten Applaus - obwohl er die Linie erst als 102. überfuhr. (APA/sid/red, 28.07.2012)

Ergebnis Straßenrennen Herren (250 km): 1. Alexander Winokurow (KAZ) 5:45:57 Stunden - 2. Rigoberto Uran (COL) gl. Zeit - 3. Alexander Kristoff (NOR) + 8 Sek. - 4. Taylor Phinney (USA) - 5. Sergey Lagutin (UZB) - 6. Stuart O'Grady (AUS) - 7. Jurgen Roelandts (BEL) - 8. Gregory Rast (SUI) - 9. Jack Bauer (NZL) - 10. Lars Boom (NED) alle gl. Zeit. Weiter: 28. Mark Cavendish (GBR) 40 - 35. Bernhard Eisel (AUT) - 80. Daniel Schorn (AUT) alle gl. Zeit

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