Zehntausende bei heftigen Protesten gegen Papierfabrik in China

28. Juli 2012, 13:06
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Das Regierungsgebäude der Küstenstadt Qidong wurde gestürmt, um gegen giftige Abwässer zu protestieren

Peking - In China ist ein umstrittenes Industrieprojekt nach heftigen Protesten gegen seine Auswirkungen auf die Umwelt gestoppt worden. Die Behörden der Küstenstadt Qidong verkündeten am Samstag, dass die Einleitung von Abwässern aus einer Papierfabrik ins Meer nicht mehr erlaubt werde, nachdem zehntausende Menschen gegen die Maßnahme auf die Straße gegangen waren. Die Demonstranten stürmten in der bei Shanghai gelegenen Hafenstadt ein Regierungsgebäude und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Ein Teilnehmer an den Protesten schätzte die Zahl der Demonstranten auf etwa 50.000. Laut dem stürmten die Bürger das Büro der Lokalregierung und trugen Kisten voller Alkohol und Zigaretten aus dem Gebäude. Mit diesen Produkten werden in China üblicherweise Beamte bestochen. Ein Augenzeuge am Telefon berichtete, dass die Demonstranten die mutmaßlichen Bestechungsmittel vor dem gestürmten Gebäude ausgelegt hätten.

Betrieb des Papierwerks eingestellt

Auf dem sozialen Netzwerk Sina Weibo war von bis zu 100.000 Teilnehmern die Rede. "Überall sind Menschen. Auf den Mauern, den Gebäuden, auf Autodächern und in den Straßen", schrieb ein Blogger. Auf anderen Bilder war zu sehen, wie der Parteisekretär von Qidong in zerrissener Kleidung von Sicherheitskräften abgeführt wurde. Die Echtheit der Bilder konnte nicht bestätigt werden. Die Suchfunktion des Netzwerkes war nach wenigen Stunden gesperrt.

Die Demonstranten wehren sich nach eigenen Angaben gegen die Einleitung von täglich großen Mengen Tonnen verseuchten Wassers aus einem Papierwerk der japanischen Firma Oji Papier in den Fischerhafen Qidong. Das Unternehmen teilte der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press mit: "Das eingeleitete Wasser ist geklärt und entspricht den örtlichen Umweltschutznormen." Dennoch war der Betrieb des Papierwerkes von den Behörden eingestellt worden und soll, laut einer Mitteilung der Polizei vom Samstag, auch nicht wieder aufgenommen werden.

Immer wieder Proteste gegen Umweltverschmutzung

In den vergangenen Jahren gab es in China zunehmend Proteste gegen die Umweltverschmutzung. Diese ist die Folge des rasanten aber oft unregulierten Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahrzehnte. Anfang Juli gaben die Behörden in der Provinz Sichuan den Bau eines Stahlwerks auf, nachdem die Bürger über mehrere Tage hinweg gegen die befürchteten Umweltbelastungen demonstriert hatten. Im Sommer 2011 konnten Demonstranten zwei große Industrieprojekte in den Ortschaften Haining (Osten) und Dalian (Nordosten) verhindern. (APA, 28.7.2012)

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    Chaotische Zustände auf den Straßen von Qidong.

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    Die Demonstranten lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei.

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    Während der Proteste wurden zahlreiche Autos umgedreht.

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