Paischer scheidet in zweiter Runde aus

28. Juli 2012, 11:16
46 Postings

Silbermedaillengewinner von Peking verliert gegen Rischod Sobirow aus Usbekistan

London - "Momentan habe ich keine Gefühle, da ist nur eine Leere." Für Ludwig Paischer gab es am Samstag beim olympischen Judoturnier in London kein Entkommen aus dem Festhaltegriff des zweifachen Weltmeisters und Weltranglisten-Ersten Rischod Sobirow aus Usbekistan. Nach dem frühen Ausscheiden bei den Sommerspielen will der Silberne von Peking 2008 erst einmal Abstand gewinnen und zu einem späteren Zeitpunkt über die Zukunft entscheiden.

Paischer fertigte zum Auftakt der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm in der ExCeL-Arena Jacob Gnahoui aus Benin mit Ippon ab, danach hatte ihm die Auslosung den Goldfavoriten beschert. Der Salzburger hielt lange mit, befreite sich aus einem ersten Festhaltegriff in allerletzter Sekunde, in einem darauffolgenden blieb er aber zwanzig Sekunden liegen und beugte sich der Kraft des Gegners.

"Der Plan war, mitzukämpfen. Er ist irrsinnig kräftig. Ich habe dann vielleicht zu früh etwas versucht. Aus dem ersten Griff kam ich raus, beim zweiten war er zu stark. Das war wie eine Doppelmühle", beschrieb Paischer den Kampfverlauf. Und auch wenn die Enttäuschung enorm war, so wusste der Gewinner von zehn Medaillen bei Großveranstaltungen nur wenige wenige Minuten danach: "Zu fallen ist keine Schande. Aber liegenbleiben."

Das Los hat es mit Paischer bei Sommerspielen bisher nie gut gemeint, er nannte das "ein bisserl Pech", wollte darüber aber nicht "lamentieren". "Ich war so vorbereitet, dass ich in den Spiegel schauen kann. Ich war ja auch überzeugt, ihn schlagen zu können. Aber er war nach seinen letzten Erfolgen der Topfavorit. Ich muss mich nun sammeln, Energie schöpfen. Danach werde ich entscheiden, wie es weitergeht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Wenn ich weitermache, dann werde ich schauen, dass ich ihn in Zukunft schlage."

Paischer-Trainer Taro Netzer stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, er lobte aber den Auftritt des 30-Jährigen. "Dass er einmal aus diesem Festhaltegriff rauskam, zeugt von hoher Klasse", meinte Netzer. Sobirow hat den Bodenkampf lange gescheut, aber er ist ein kompletter Judoka und beim Festhaltegriff wie in vielen anderen Bereichen eine Klasse für sich.

Auch Teamkollegen Sabrina Filzmoser, die am Montag für Österreich im Einsatz ist (Klasse bis 57 kg), hatte in der Halle mitgezittert. "Sobirow ist nicht umsonst Weltmeister. Lupo hatte heute eine große Chance, seine Körpersprache zeigte seine Einstellung, aber der Usbeke ist einfach noch um eine Stufe kräftiger." Sie sei ein sehr emotionaler Mensch und habe Lupo erst einmal fest umarmen müssen. "Es wird dauern, aber er wird erkennen, dass er seine Medaille und damit den Lebenstraum schon erfüllt hat."

Am Sonntag muss sich Filzmoser auf ihre Vorbereitung konzentrieren. "Gewicht machen, schauen, ob ich ein bisserl Tee trinken und was essen kann. Das lenkt ab." Die Oberösterreicherin trifft zum Auftakt auf die Kanadierin Joliane Melancon, sie ließ sich die Auslosung erst nach dem Paischer-Antreten sagen. "Ich habe auf jeden Fall Chancen. Der Pool ist in Ordnung." (APA, 28.7.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Usbeke Rischod Sobirow hatte Lupo Paischer brutal im Schwitzkasten.

Share if you care.