Nachtkritik: Vokale Glanzstücke

27. Juli 2012, 23:38

Premiere der "Zauberflöte" in der Felsenreitschule - Überzeugende Sänger, Buhs für die Regie

Salzburg - Und wieder ist es an Dirigent Nikolaus Harnoncourt, eine Salzburger Intendantenära opernhaft zu eröffnen. War es seinerzeit bei Peter Ruzicka Don Giovanni mit den Wiener Philharmonikern, so steht nun Mozarts Zauberflöte auf dem Programm - als erwartungsbeladenes Eröffnungsstück, das Beweise liefern soll für die künstlerische Kompetenz von Intendant Alexander Pereira.

Zudem: Harnoncourt ist mit seinem Concentus Musicus Wien angereist, was eine interessante Besonderheit in Salzburg darstellt.

Und: Die historisch informierte Instrumentalgemeinschaft hat sich erwartungsgemäß als versierter Transporteur delikater Ideen erwiesen.

Die Regie von Jens-Daniel Herzog will den ewigen Blockbuster als Hort der Spielfreude über die Rampe bringen. Herausgekommen ist eine bestenfalls solide Erzählform mit harmlosen Witzen und viel Stehtheater.

Die Sänger hingegen überzeugen: Mandy Fredrich (als Königin der Nacht) ist Herrin fast aller heiklen Töne, Julia Kleiter (als Pamina) bringt die Elemente der Partie glanzvoll zur Geltung, Bernard Richter (als Tamino) ist an ihrer Seite ein klangvoller Liebessucher. Und Markus Werba (als Papageno) wirkt durchaus tadellos.

Herzlichen Jubel gab es für die tollen Sänger und den Dirigenten Nikolaus Harnoncourt. Für die Regie von Herzog kam hingegen doch auch deutliche Kritik in Form von Buhs. Ein Meisterwerk ist es nun wahrlich nicht geworden. Und hoffentlich ist es nicht ein Vorbote für einen neuen Salzburger Regiestil.

Es kommen allerdings noch einige wichtige Premieren, die die Qualität heben könnten. Gespannt wartet man nun auf Ariadne auf Naxos am Sonntag. (Lubiša Tošic/DER STANDARD, 28.7.2012)

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Radioübertragung hat mich nicht überzeugt...

Dass Einsätze von Orchester und SängerINNen nicht synchron sind, dass dynamische Vorschreibungen ignoriert werden und dass Notenwerte ad lib. gespielt werden, verstehe ich ganz und gar nicht als "delikate Ideen".
Bass erstaunt lauschte ich beispielsweise dem Triumph-Chor, der in schlankem piano vorgetragen wurde. - Meine Assoziation dazu war "fadenscheinig". - Selbst wenn das Erwachsenwerden als fragwürdiger Triumph gesehen wird, so feiern es doch Erwachsene und Kinder gleichermaßen, teilweise mit den unterschiedlichsten Riten. Nur NH offensichtlich nicht...
Am 11. werde ich mir die Zauberflöte dann live ansehen und bin gespannt, ob ich dann zu einem anderen Schluss komme als nach der Radio-Übertragung.

Triumphchor

Mozart dynamische Vorschrift zum Triumphchor ist piano.. Da kann der Harnoncourt auch nix dafür. (dass das wahrscheinlich daran liegt, dass der Chor hinter der Bühne platziert war, steht auf einem anderen Blatt. Aber gegen den Notentext spricht es nicht!)

Es ist schon fast 20 Jahre her, dass ich Zauberflöte gesungen habe. Bei unserer Produktion damals wurde der Chor nicht so leise gemacht.
Sie haben auch Recht damit, dass die Aufstellung des Chores ganz hinten auf der Bühne das piano noch einmal verstärkt.
Nachdem ich mir die Produktion angeschaut habe, komme ich zu dem Schluss, das es sich bestenfalls um eine sehr mittelmäßige Produktion handelt. Die Sängerinnen und Sänger überzeugen nur teilweise, manche Passagen sind auch 2 Wochen nach der Premiere noch immer nicht synchron (z.B. Chor der Priester vs. Orchester...) und 2 Regiefehler sind mir auch aufgefallen. NH's Interpretation der Notenwerte geht mir persönlich zu weit. Diese Produktion ist meiner Meinung nach den Eintritt nicht wert.

Ich freue mich über die aufschlussreichen, von einiger Frustration erzählenden Kommentare.

Anders sind gewisse Ergüsse weiter unten nicht erklärbar. Aber all diese tief sitzende Frustration, die weiter zu Missgunst und Neid führt, ist leider durchaus österreichisch. Hinzu kommt - naturgemäß, würde Bernhard formulieren - ein eklatanter Mangel an fachlicher Bildung. Allein schon der Gedanke, man könne die Partitur auf Punkt und Komma dirigentisch eindeutig, quasi ohne Interpretation, sondern in marionettenhafter Manier exekutieren, somit ohne Wissen über die historische Aufführungspraxis und etwa daraus abgeleitete Tempi, ganz zu schweigen von theatral-dramaturgischen Erkenntnissen, verweist auf ein "Wissen", das ungefähr die späten 1950er Jahre reflektiert. Durchaus amüsant also. Freud hätte seine Freud' daran. Ich auch!

wie trostlos muss ihr leben sein,

wenn sie menschen, die nicht ihrer meinung sind bzw anders empfinden wie sie, pauschal frustriertheit, neid und missgunst aber auch einen eklatanten mangel an fachlicher bildung unterstellen und dadurch freude dadurch empfinden? nicht dass ich ihnen ihre überragende überlegenheit nicht gönnen würde, aber für mich bedeutet musik vorallem das berühren meiner gefühlswelt und nicht sofort ein bravogeschrei nur weil eine interpretation neu erscheint; diese zauberflöte habe ich als vollkommen unpassend und versemmelt enpfunden, auch wenn meine meinung beleidigungen nach sich zieht.

Ich blätterte mal den Bildband "Der gebildete Gartenzwerg" von Paul Flora durch.

Daran erinnert wurde ich durch die postenden Fachleute in diesem Forum.

In einem Musikstudium wird man auf Perfektion und
Fehlerlosigkeit gedrillt. Man lernt, Manieren den verschiedenen Zeitepochen zuzuordnen und dementsprechend "richtig" zu spielen. Man wird vom Musikanten zum Musiker umgeformt. Die ganz großen Musiker bleiben aber Musikanten.

Meine Postingkollegen scheinen zum Mittelmaß gehören, welche alles genau gelernt haben, aber im Studium nicht verstanden haben, was das Wesentliche der Musik ist. Das steht, wie Mahler schon bemerkte, nicht in den Noten.

Es ist gut, dass die klassische Musik von ihrem musealen Sockel gestoßen wird und den Musikanten zurückgegeben wird. Nur so kann sie lebendig bleiben.

die Demut

das Wesentliche für einen seriösen Interpreten ist Demut vor den Werken der grossen Meister und Respekt vor dem, was sie uns in ihren Partituren hinterlassen haben. Und hier hapert es bei vielen, auch bei NH, der glaubt, Mozart hätte nicht schreiben können

musikanten

sie haben ja zum teil recht. nur gute Musikanten interpretieren Noten auf ihre Art, korrigieren sie aber nicht, vor allem, wenn ein Mozart sie geschrieben hat.
das Wesentliche, was ein professioneller Musiker wissen muss,ist, dass er wahrscheinlich einem Genie wie Mozart nur bis zum Knöchel reicht. auch wehre ich mich dagegen Mahler in einem Atemzuge mit Mozart zu
zitiieren. auch er reicht Mozart vielleicht nur bis zu den Knien

"Aus historischer Aufführungspraxis abgeleitete Tempi"

sind nichts anderes als eine Mogelpackung musikalisch unsinniger Willkür, für die das Publikum seit Jahrzehnten willig Geld auf den Tisch legt. Niemand hat je behauptet, es gäbe eine "dirigentisch richtige" Interpretation. Aber was FALSCH ist, lässt sich bei Harnoncourts Bizarrerien doch sehr leicht erkennen. Ein "Larghetto" Allabreve(!) (Beginn 1. Finale) darf man nicht so verschleppen und dystonierende Blechbläser kann ich nicht aus "der Aufführungspraxis ableiten". Es gibt 10 Dirigenten, die für weniger Geld in Salzburg eine bessere Interpretation abgeliefert hätten. Das ist das wirklich Ärgerliche.

historische instrumente zu spielen ist ein himmelfahrtskommando.

der transparente klang der alten musik wird um den preis von unsauberkeiten erkauft. falsche töne sind menschlich und menschlichkeit tut dem klassischen profizirkus gut. wesentlich ist, was ausgesagt wird und nicht die absolut fehlerfreie aussprache.

largo, andante usw sind eher charakter- und nicht tempobezeichnungen. allegro bedeutet nicht nur lustig und heiter, wie man es in der schule lernt, sondern auch ausgelassen im sinne von angetrunkenheit. mälzels tempoangaben sind ein netter anhaltspunkt, aber nur weil man etwas mit tempo 140 spielt, heißt es noch lange nicht, dass es dann wirklich als allegro rüberkommt beim publikum. ;-)

Als Musiker muss ich Ihnen sagen, dass Sie irren.

Es geht nämlich nicht nur um falsch (man kann auch auf alten Instrumenten richtig spielen, oder glauben Sie wirklich, dass man im 18. Jhdt. andauernd "Transparenz ERKAUFEN" musste?), es geht auch um hässlich. Originalinstrumente haben keinen Sinn, wenn das Ergebnis schwächelt. Nicht das Instrument macht die Musik, sondern der MUSIKER. Und als solcher ist Harnoncourt einfach ein Cellist, der eines Tages beschloss, ein "alles-anders-machender Dirigent" zu sein.

himmelfahrtskommando

sehr wohl sind falsche töne menschlich und kommen auch fast überall vor. nicht zu akzeptieren ist aber Noten und Vortragsanweisungen, die ein Genie wie Mozart vorgibt zu ändern; gegen Mozart sind wir alle kleine Mäuse, auch Harnoncourt und in Demut sollte man zur Kenntnis nehmen, dass Mozart sehr wohl schreiben konnte, und daher das, was er schrieb auch gebührend ernst nehmen. und ein 6/8 andantino ist sicher schneller als ein 6/8 andante

leider falsch

ein Andantino ist in der Klassik eben NICHT schneller als ein Andante. Andante bezeichnet "gehend" im Sinne von "weiterkommen", "vorwärts gehen". Mozart selbst zählte sie zu den schnelleren Tempi (natürlich langsamer als Allegro, aber nah am Allegretto), daraus folgt, dass ein Andantino 6/8 sehr wohl langsamer ist als ein Andante und ein Molto Andante (Figaro, Finale 2.Akt) schneller! Es sei Ihnen unbenommen, Harnoncourts Interpretation nicht zu mögen (ich hab die Zauberflöte nicht gehört..), aber Sie können sicher sein, dass er in diesen Fragen genau recherchiert, bevor er eine Entscheidung trifft..

andante andantino

vielleicht können sie die TVuebertragung sehen, und dann bitte um Ihre Meinung zu "bei Männern, welche Liebe fühlen" und Paginas "Ach, ich fühl" ob sie dann noch immer so denken. Vielleicht finden Sie auch heraus, warum der 2.teil der Paminenarie dann fast doppelt so langsam, und warum es beim Duett auf einmal rasend schnell wird. An und für sich hat mirt einiges an Harnoncourts Zbflte recht gut gefallen, es waren aber viele dinge drinnen, wo man laut auefschreien wollte, wie diese komischen Pausen, die
Hänger und einige T empowechsel. mit gruss

Ich werde versuchen, sie mir anzusehen. Ich möchte hier auch nicht H's Entscheidungen argumentieren. Fakt ist aber, dass erst ab den 1820er Jahren Andantino in fast allen Quellen als schnelleres Tempo als Andante ausgewiesen wird und nur Musiker der alten Schule wie zum Beispiel Hummel, das Andantino langsamer einstufen. Für mich ein eindeutiger Hinweis darauf, dass für Mozart Andantino langsamer war als Andante. Was man aber nicht vergessen darf, ist, dass Es-Dur (Bei Männern) und g-moll (Ach ich fühls) ganz unterschiedliche Affekte ausdrücken und daher schwer in Relation zu stellen sind. Dass aber die beiden Allegretto 6/8 ("Ich sollte fort" und "Seid uns zum zweiten Mal") im selben Tempo zu spielen sind, steht für mich ausser Frage.

fachliche Bildung

werter Herr Lenzi, da Sie ja sichtlich ueber ein hohes mass an fachlicher Bildung verfuegen, sollten auch Sie bei imslp.org Einblick in die Originalpartitur nehmen und werden dann sicher einige Überraschungen erleben

Erstens benötige ich nicht imslp, um Partitur oder Autograf studieren zu können.

Zweitens: Ohne entsprechende Ausbildung und Kenntnis der (auch: historischen) Aufführungspraxis ist die Partitur alleine so hilfreich wie das Rezept eines Meisterkochs, das sich ein Amateur nachzukochen bemüht.
Drittens: Hinzu kommt die Interpretation der Künstler (Dirigent, Orchester, Sänger), die wiederum jeweils zeitbedingt sowie auf die jeweilige Aufführungssituation bezogen ist. Dass es kein Richtig und kein Falsch gibt, dass keine alleingültige Aufführung existiert, muss ich nicht erwähnen. Ebensowenig, dass es daher auch in den letzten 60 Jahren Aufführungsgeschichte - Furtwängler, Klemperer, Fricsay, Kertesz, Böhm, Solti, Karajan (1974 ausgebuht in Salzburg), Sawallisch, Gardiner, Jacobs - sehr divergierende Interpretationen gab.

wie gut

Wie gut, dass Sie nicht Petrucci brauchen, um die Originalpartitur zu befragen. Sie haben sie wahrscheinlich im Kopf. Da Sie so viel von historischer Aufführungspraxis schreiben, wundert mich, dass Ihnen die Stimmung bei der besagten Zauberflöte kein Problem bereitet. Mir ist sie doch um einiges zu hoch vorgekommen und ich glaube nicht, dass sie dem historischen Stimmniveau entsprochen hat

Braveheart

Pfeift doch endlich auf Salzburg
richtige Kunst gibts hier

http://www.youtube.com/watch?v=3zm41YhyCHU

hier die version von rene jacobs

http://m.youtube.com/watch?v=keS32PjGBKY

Ebenso schwach.

Aber Jacobs hat ja seinen Job auch nie gelernt.

Jacobs weiß nicht einmal,

dass eine kurz notierte Appogiatur der folgenden Note angeglichen wird (vgl. seine schreckliche Aufnahme von KV 504). Was will man von solchen Hobby-Dirigenten?

Gemecker?

Es wird ja so gern beklagt, Herr Sinkovics sei mit Herrn Welser-Möst so eng verhabert, dass er's besser bleiben lassen sollte, über W-M-Interpretationen zu schreiben. WAS müsste dann erst zur Paarung Harnoncourt & Tosic festgestellt werden? Teilen die Tisch und... Gage?

Nein, soweit geht das nicht.

Tosic ist mit einer Freikarte zufrieden. Den Rest erledigen seine fachliche Inkompetenz und eine Art Massensuggestion in der Felsenreitschule.

Harnoncourts Blamage wird wie immer zur Blamage der Kritiker.

Vielleicht sollte Tošic doch den Ohrenarzt wechseln. Markus Werbas Stimme ist viel zu schwer für den Papageno, wobei ihn Harnoncourt noch zu absurd unmusikalischen Manieren vergatterte ("Deeeer Vogelfänger"). Mandy Fredrich hat zwar die Spitzentöne, knödelt aber die Triolen-Melismen, dass Josepha Hofer im Haydn-Park im Grab rotiert. Was nützen historische Instrumente, wenn die Bläser keinen sauberen Es-Dur-Akkord zustande bringen? Harnoncourt verschleppt die Tempi gnadenlos, sodass Karl Böhm heute geradezu als Hudler wirkt. Gnadenlose, sinnstörende Textstriche tun ihr übriges. Und das Publikum jubelt wie immer. Kein Wunder: wer will sich schon öffentlich eingestehen, soeben um hunderte Euro geneppt worden zu sein?

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