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Im Gespräch rauft sich Robert Rotifer oft die angegrauten Haare. Er korrigiert sich, justiert Formulierungen nach, versucht, so lange auf den Punkt zu kommen, bis er damit zufrieden ist. "So kann man das sagen" , sagt er dann.
Die Frisur ist deshalb zwar öfter zerknautscht, erinnert aber dennoch an seine Vergangenheit als Mod. Auch im Rest der Erscheinung des 42-Jährigen manifestiert sich der Chic dieser Jugendkultur noch in abgemildeter Form.
Dieses Wochenende ist der Karlsplatz der Lebensmittelpunkt des zweifachen Vaters. Dort kuratiert er das Wiener Popfest. Dreimal hat er es programmiert, das reicht. "Die einzige Institution des Popfests soll das Popfest selbst sein", sagt er. Die Expertise für diese Präsentation heimischer Popmusik abseits des Mainstreams erarbeitete er sich als Musikjournalist seit den frühen 1990ern. Vor 15 Jahren emigrierte er nach England und arbeitet seitdem als Popkorrespondent für den Radiosender FM4 und Blätter wie das Profil, den Falter oder die Berliner Zeitung.
Als Teenager verfiel er der Popmusik, nennt ein Konzert der Wiener Band Drahdiwaberl mit der irischen Punk-Band Untertones bei einer Festwocheneröffnung als Initiationserlebnis. Er gründete eine Band, dann noch eine, seit 1996 veröffentlichte er als Rotifer sechs Alben.
Für seine eigenen Tonträger gestaltet er auch die Cover. Er malt, meist Öl auf Holz. Ja, seine Kunst kann sogar im Museum of Modern Art in New York betrachtet werden: Denn im Video seines Songs The Frankfurt Kitchen ist seine Malerei zu sehen. Und das Video wurde 2010 anlässlich einer Ausstellung zur Frankfurter Küche der in Wien geborenen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky im MoMA gezeigt und von diesem für seine Sammlung erworben. Robert Rotifer "hängt" also quasi im MoMA. Dabei heißt er gar nicht, wie er heißt.
Der Name Rotifer war der Versuch, eine Identität zu schaffen, die frei von der Bürde seines bürgerlichen Namens sein sollte. Denn Rotifer wurde als Robert Lacina geboren, als Sohn des früheren SP-Finanzministers. Aufgewachsen in einem Gemeindebau im vierten Wiener Bezirk, merkte er früh, was das bedeutet. "Wenn man immer über seinen Vater definiert wird, verspürt man den Wunsch, ein eigenes Bild von sich herzustellen." Das scheint gelungen, die sozialdemokratische Gesinnung ist ihm geblieben. Selbst in seinen Reflexionen über Pop schimmert diese über das Einfordern sozialer Gerechtigkeit immer wieder durch. (Karl Fluch, DER STANDARD, 28./29.7.2012)
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