Spekulation über EZB-Intervention: Falsche Ängste, echte Risken

Kommentar | András Szigetvari, 27. Juli 2012, 18:50

Die Diskussion über Für und Wider dieser Ankäufe wird unter merkwürdigen Vorzeichen geführt

Wenn es noch einen Zweifel darüber gab, was die mächtigste Waffe im Kampf gegen die Eurokrise ist, wurde er diese Woche ausgeräumt. Allein die Erklärung von Euro-Zentralbankchef Mario Draghi, die EZB werde alles dafür tun, um den Euro zu erhalten, sorgte für Euphorie an den Märkten. Die Investoren spekulieren, Draghi werde seinen Worten Taten folgen lassen und Staatsanleihen von angeschlagenen Ländern kaufen.

Die Diskussion über Für und Wider dieser Ankäufe wird allerdings unter merkwürdigen Vorzeichen geführt. Die Deutsche Bundesbank warnt, die EZB überschreite damit ihr Mandat zur Sicherung der Preisstabilität. Ein schwaches Argument, denn die EZB hat seit Mai 2010 bereits Anleihen von Krisenländern im Wert von 211 Milliarden Euro gekauft. Wenn es ihr in den Kram passte, fand sie Wege, ihr Vorgehen juristisch zu argumentieren.

Nicht stichhaltig ist auch die Warnung davor, falsche Anreize zu setzen. Das Argument vieler deutscher Ökonomen: Wenn die EZB Spanien und Italien hilft, hätten diese Länder kein Interesse mehr, ihre Haushalte zu sanieren. Dieser Punkt geht an allen Realitäten vorbei und unterstellt den Südländern zudem indirekt Faulheit. Gerade in Italien und Spanien zeigt sich, dass Staatssanierung nicht primär am fehlenden Willen von Politikern, sondern an wirtschaftlichen Realitäten scheitert. Mit den Einschnitten wird die Wirtschaft abgewürgt, was die Schulden erst recht hochtreibt. So hat der "Druck" der Märkte Europa in den vergangenen drei Jahren nur tiefer in die Krise gestürzt.

Bedenklicher erscheint die Sache, wenn man sich ansieht, wie riskant das Ankaufprogramm ist. Für Investoren wäre der Eingriff der Zentralbank eine Erleichterung, weil sie Problempapiere loswerden und ihre Verluste begrenzen. Den Bürgern werden größere Risiken aufgebürdet, denn für die EZB haften die 17 Euroländer. Die Investmentbank Barclays schätzt, dass ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland - der immer wahrscheinlicher wird - die EZB 30 Milliarden Euro kosten würde. Ob die Zentralbank die Märkte längerfristig beruhigen kann, ist fraglich. Im schlimmsten Fall würde die EZB Milliarden ausgeben, um Spanien zu stützen und am Ende des Tages auf einem Berg voller Schrottpapiere sitzenzubleiben.

Doch alle Zahlen über potenzielle Verluste der Zentralbank sind Ratespiele. Womit man beim nächsten Problem wäre: Um ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten, agieren Notenbanken so gut wie ohne parlamentarische Aufsicht und mit wenig Transparenz. Das geht so weit, dass die EZB nicht einmal bekanntgibt, welche Anleihen sie bereits gekauft hat. Auch der Eurorettungsschirm, sollte er selbst Anleihenkäufe tätigen, möchte diskret arbeiten.

Doch um die Bürger davon zu überzeugen, dass es trotz aller Gefahren sinnvoll ist, weitere Risiken für den Euro-Erhalt einzugehen, ist gerade mehr Transparenz nötig. Selbst auf die Gefahr hin, dass sich bei der Kenntnis aller Umstände eine Mehrheit gegen weitere Hilfen ausspricht. (András Szigetvari, DER STANDARD, 28./29.7.2012)

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24 Postings
"unterstellt den Südländern Faulheit"

Niemand unterstellt den Südländern Faulheit, aber für Korruption, Reformverweigerung, mangelnde Disziplin, etc. bedarf es keiner Unterstellung. Hierbei handelt es sich um empierische Fakten. Und kaum ist der Druck weg, treten sofort Sozialpopulisten auf und kehren jede von Außen erzwungene Reform in ihr Gegenteil um. Man braucht wirklich nur auf die Fakten Bezug nehmen.

der Euro und die EU eine Mißgeburt

die Brüssler Bürokraten interessiert das gesamte Desaster wenig. So wird nunmehr Kroatien (Kriegsanleihen und Schulden aus dem Serbienkrieg miteingeschlossen) aufgenommen. Serbien steht vor der Tür und hat auch umfangreiche Finanzprobleme.. In Brüssel denken diese "Spezialisten" nur daran Ihren Einfluß- und Machtbereich auszudehnen. In der Zwischenzeit wird "lustig" von unten nach oben umverteilt. ESM ist ein Geldumverteilungsinstrument!Der "Krug geht zum Brunnen bis er bricht" und wer wird wohl die Suppe auslöffeln???

Ohne die Ursachen zu beheben kann die Krise nicht gemeistert werden.

http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinu... ttung.html

Im schlimmsten Fall würde die EZB Milliarden ausgeben, um Spanien zu stützen und am Ende des Tages auf einem Berg voller Schrottpapiere sitzenzubleiben.

'
Auch wenn sich einige anglophile Jungjournalisten noch so sehr darum bemühen - "at the end of the day" wird im Deutschen NICHT mit "am Ende des Tages" übersetzt!

Europa ist mitten in den Abbrucharbeiten des baufällig gewordenen Altbestandes ...

... und die raten die Miet-Einnahmen !

Grab it: The Euro Zone has failed!

http://online.wsj.com/article/S... 48866.html

Der Euro verstößt gegen das geldpolitische Grundprinzip „One State – One Money“ (Prof. Breuss). Weder die EU geschweige denn die Eurozone sind ein Staat.

Banken und Kreditsystem haben dem Staat und seiner Finanzierung zu dienen. Der Verzicht auf eigene Währung bedeutet Verzicht auf eigene Souveränität. Die Rückkehr zur eigenen Währung ist die Bedingung für die Wiederherstellung der Ordnung in Europa.

Das Experiment der Währungsunion ist gescheitert. Je früher das begriffen wird, desto besser!

Das Problem ist doch eher,

dass einerseits Länder mit drin sind, die nie hätten dabei sein dürfen u andererseits es zu wenig Realwirtschaft gibt.

Nit verstahn? DER EURO IST DER TÄTER!

http://www.welt.de/debatte/k... krott.html

Es geht nicht um die Aufnahme ungeeigneter Länder oder um die Realwirtschaft, sondern um die "falsche Idee" ("idée fausse") "Europäische Währungsunion".
Man kann nicht Staaten mit ihren verschiedenen „Kulturen“ über einen Kamm scheren. „Germanic rules“ passen nicht für andere Länder.

der euro ist nicht die falsche idee,

sondern die casinokapitalisten, mr. dax, ich muss ihn wieder zitieren sagte, die banken gehören auf das stammgeschäft reduziert, wer zocken will soll das nicht auf kredit tuen, sondern mit dem eingen geld.

Grund und Ursache verwechselt!

Sie verwechseln Grund und Ursache. Die Casinospekutationen wurden durch den Euro ermöglicht, sie sind Folge der Währungsunion.
Die Währungsunion hat zur Deregulation und zu massiven Veranlagungen im Ausland (USA, Island, Cypern, Cayman-Inseln, Rumänien, Ungarn, Ukraine etc. etc.) geführt. Außerdem zu Cross Border Leasing-Geschäften (ÖBB, Gemeinde, Wien, Donaukraftwerke, Tiwag) und die abenteuerlichen Spekulationen mit Wohnbaugeldern in NÖ (700 Millionen Euro Verlust!). Manche Gemeinden haben sogar ihre Ratshäuser verkauft.

weisheit,

löffel, usw. die veranlagungen im ausland, von denen sie schreiben, wären auch so gekommen, aber das problem ist ja nicht die reale veranlagung, sondern die luftgeschäfte, auch derivathandel genannt, das ist das problem, und das weiß auch herr dirk müller und der kennt sich wahrscheinlich besser aus.

ich denke, es reden zu viele Köche mit. einmal sagt der was, eine Stunde später ein anderer etwas komplett konträres. vielleicht wäre es nicht schlecht, einen Sprecher zu küren, der den Mund aufmacht und alle anderen halten sich etwas mehr zurück auch wenn das der Deutschen Mentalität widerspricht.

Große Risiken, richtige Ängste

Die Risiken sind ja schon fast nicht mehr kalkulierbar.
Und diese Risiken trägt der Steuerzahler, sprich der Steuerzahler in der Mitte und im Norden, während zur gleichen Zeit die Finanzgremien südeuropäisch dominiert sind.

Die Notenbanken müssen parlamentsunabhängig agieren, denn kaum ein Parlament mehr würde die Zustimmung erteilen.

Eine Bankenaufsicht muss innerhalb weniger Wochen etabliert sein um weiteren Missbrauch zu vereiteln!!

Die Notenbanken müssen parlamentsunabhängig

habe gestern mit Italienern geplaudert, die sehen das genau umgekehrt. Denen die Funktion der BuBk zu erklaeren ist ungefaehr so, als wollte ein amerikaner die US WaffenG verteidigen.

Banken und "Märkte" entmachten,

die reagieren ja schon auf irgendwelche Fuzi-Aussagen auf Twitter + Co

Solidaritaet von der einen Seite erfordert Fairness von der anderen Seite !

Hoeren Sie sich einmal ein paar Meinungen von Norditalienern ueber die eigenen Landsleute im Sueden des Stiefels an.

...möchte diskret arbeiten... Ja genau damit Keiner was über die Insidertrades erfährt!

Es sind nicht nur wirtschaftliche Realitäten das Problem

"Die Sparprogramme entlarven in Südeuropa eine gewaltige Dimension der Vetternwirtschaft. In tausenden Behörden herrscht eine Kultur des Pöstchen-Verschaffens. Dieser Selbstbedienungsladen muss endlich geschlossen werden. "
http://www.handelsblatt.com/meinung/k... 28774.html

somit beginnt Südeuropa an der Steirisch Kärnternerischen Grenze, stimme mit Ihnen völlig überein.

Vetternwirtschaft und pöstchen-verschaffen...

klingt nach Österreich!

Na dann andersrum:
In Südeuropa gibt es, dank eines großzügiger ausgelegten Familienbegriffes, mehr Vettern als bei uns...

na aber, da kennen sie nicht das familienmodell der övp

Die maroden Staaten werden ganz Europa in den Abgrund reißen.

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkir... 28001.html

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