Die Besten ihrer Zunft verzichten auf ein Ballyhoo

  • Rogan nimmt es ab Mittwoch über 200 m Lagen mit Phelps und Lochte auf.
    foto: apa/hochmuth

    Rogan nimmt es ab Mittwoch über 200 m Lagen mit Phelps und Lochte auf.

  • Duell der Schwimm-Superstars.
    grafik: apa

    Duell der Schwimm-Superstars.

Gleich zum Schwimm-Auftakt treffen die US-Superstars Phelps und Lochte am Samstag über 400 m Lagen aufeinander. Beim zweiten Duell ist Markus Rogan live dabei, sein Ziel ist Bronze

London - Der größte Saal im Medienzentrum war bummvoll, alle Blicke waren nach vorn auf den Sportler in der Mitte gerichtet. Michael Phelps genoss ihn sichtlich, den Rockstar-Empfang bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in London. Relaxt, wie es ein 14-facher Olympionike sein kann, ließ er das 30-minütige Kreuzverhör mit der Weltpresse über sich ergehen. Dafür hatte sich der 27-Jährige aus Baltimore, Maryland, sogar rasiert und die Haare adrett gekämmt. Am Mittwoch bei seiner Trainingseinheit im Aquatic Centre sah Phelps noch aus wie ein Tramper, der seit Wochen kein Badezimmer mehr gesehen hat.

Seine betonte Lässigkeit wollte er nicht als fehlende Motivation verstanden wissen. "Meine Ziele sind andere geworden", sagte er, auf seine acht Goldenen in Peking angesprochen. "Es wird sehr herausfordernd. Da ist es nicht schlecht, wenn man mal so herumsitzt. Ich werde mich aber mit nichts zurückhalten, sobald ich im Schwimmstadion bin."

Zwei Medaillen fehlen dem US-Amerikaner noch, um den Allzeitrekord der sowjetischen Turnerin Larissa Latynina (18) zumindest einzustellen. Phelps hat für sieben Starts genannt, darunter für vier Einzelrennen. Schon der Auftakt am Samstag über 400 m Lagen (20.30) gilt als erster Höhepunkt der Olympischen Spiele. Daran trägt nicht nur Phelps Schuld, sondern auch sein gleichaltriger Landsmann Ryan Lochte.

Die WM 2011 in Schanghai hatte Lochte mit fünf Goldenen und einer Bronzemedaille als überragender Athlet verlassen. Phelps, dem Denkmal, hatte er im direkten Duell zwei Niederlagen zugefügt - über 200 m und über 400 m Lagen. Gelingt Phelps am Samstag die Revanche, wäre er der erste Schwimmer, der bei drei Olympischen Spielen über dieselbe Strecke triumphiert. "Das wird ganz speziell", sagte Gregg Troy, der Coach des US-Teams. "Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, unseren Sport zu promoten, als mit einem Rennen wie diesem am ersten Wettkampftag."

"Tolle Rivalität"

Die beiden Schwimmer sehen dem Highlight gelassen entgegen. "Wir haben eine tolle Rivalität", sagte Lochte. "Nach dem Rennen werden wir weiter Freunde sein." Die vergangenen Wochen haben beide zudem gemeinsam in verschiedenen Trainingscamps geschuftet.

Als Lochte mit dem Rest des US-Schwimmteams am Donnerstag auf dem Podium der Pressekonferenz Platz nahm, hatte sich der Großteil der Reporter nach Phelps' Auftritt schon aus dem Staub gemacht. Dass sich das Interesse im Vorfeld des Rennens auf Phelps kapriziert, scheint ihm nichts auszumachen. Lochte, der in Florida aufgewachsen ist und im Motorsport-Mekka Daytona Beach schwimmen gelernt hat, pflegt sein Surferboy-Image. Da passt schlechte Laune nicht dazu.

"Lochte ist schwierig zu berechnen. Manchmal geht er fast unter, dann schwimmt er Weltrekord. Er ist der Bode Miller des Schwimmens", porträtierte Markus Rogan den dreifachen Olympioniken. Phelps hingegen " bringt kalte Leistung". Beim zweiten Duell der Stars über 200 m Lagen ist Rogan live dabei, das Ziel des 30-Jährigen ist Bronze. Bei der WM 2011 siegte Lochte vor Phelps, Rogan wurde Fünfter. In 1:54:00 Minuten sorgte Lochte für den ersten Weltrekord seit dem Verbot der Ganzkörperanzüge. (krud, DER STANDARD, 28./29.8.2012)

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