Serbiens neue Regierung: Weiche russische Flanke

Kommentar27. Juli 2012, 18:33
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Belgrad braucht frisches Geld - Moskau bietet es an

Es hilft einfach nichts. Der neue serbische Ministerpräsident Ivica Dacic kann schwören und beteuern, solange er will, dass es "keine Rückkehr in die kriegerischen Neunzigerjahre geben wird", dass die europäische Integration Serbiens die Priorität seiner Regierung sei: Westliche Medien versäumen es nicht, daran zu erinnern, dass Dacic Pressesprecher von Slobodan Milosevic war, dass der Seniorpartner in seiner Regierung die Serbische Fortschrittspartei (SNS) ist, die sich vor dreieinhalb Jahren über Nacht von einer ultranationalistischen in eine proeuropäische Partei verwandelt hatte.

Es gibt keinen Zweifel, dass sich diese serbische Regierung, viel mehr als die vorherige "erwiesen prowestliche", bemühen wird, ihre proeuropäische Orientierung zu beweisen, um als gleichberechtigter Partner des Westens anerkannt zu werden. Vor allem in der Kosovo-Frage. Und auch in der Bosnien-Politik.

Und es gibt keinen Zweifel, dass die EU-Länder, die den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt haben, und die USA dies ausnutzen werden. Doch wenn der Druck des Westens nicht richtig dosiert wird, könnte dies Serbien auch in die andere Richtung treiben.

Dacic braucht frisches Geld - Russland bietet es an; Serbien braucht Auslandsinvestitionen - die Russen sind da. Wenn Serbien nach der Erdölindustrie auch, wie das in Aussicht gestellt wird, die Elektrizitätswirtschaft an Russland verkauft, wird Moskau den gesamten Energiesektor des Landes beherrschen.

Dann wird es ziemlich egal sein, ob Serbien Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union beginnt oder ewiger Kandidat bleibt. Und in Kenntnis seines bisherigen politischen Werdegangs kann es keinen Zweifel daran geben, dass Dacic alles in Kauf nehmen wird, um an der Macht zu bleiben. (Andrej Ivanji, DER STANDARD, 28.7.2012)

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