The Green Man

Kolumne27. Juli 2012, 18:42
3 Postings

Nur zum Beispiel die Buslinie 63. Alle fünf bis acht Minuten soll ein 63er durch die Farringdon Road fahren. Nach 25 Minuten gibt man auf und macht sichper pedes auf. Doch wer in London auf Nummer sicher geht, indem er die doppelte Wegzeit einplant, ist meist zu früh dran. Und wer von 93-jährigen Ladies zu Kaffee und Interview eingeladen wurde, der will nicht eine halbe Stunde vor der Zeit an der Türe klingeln.

Natürlich gibt es auch in Putney im Londoner Südwesten Pubs, eines liegt einen Katzensprung entfernt und heißt The Green Man. Man soll sich von der Außenansicht eines Pubs nicht täuschen lassen. Der grüne Mann, der mehr als 300 Jahre auf dem Buckel hat, wirkt unscheinbar, seine Pracht offenbart sich erst im wunderbaren Gastgarten. Zu Mittag ist hier wochentags angenehm wenig los, weil in dieser Gegend eher gewohnt als gearbeitet wird.

Im Zentrum Londons sieht es anders aus, da biegen sich schon mittags die Tische, unter Biergläsern wohlgemerkt. Im Pub kein Bier zu ordern gilt als verpönt, zu welcher Tageszeit auch immer. Dass sich der Brite das leisten kann, bei Pint-Preisen von knapp vier Pfund, bleibt ein Rätsel. Der Besucher aus Euro-Land kann es sich leisten, er muss nur eisern drei Grundregeln befolgen. Erstens länger keinen Kontoauszug anschauen. Zweitens die nächste Kreditkartenabrechnung wegwerfen. Und drittens mit eins zu eins umrechnen. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 28./29. Juli 2012)

Share if you care.