Grippemasken, Geständnisse und Ganoventango

Kolumne27. Juli 2012, 18:13
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Von Julya Rabinowich

Die letzte Woche brachte eine Menge interessanter Ereignisse unterschiedlicher Couleurs, nicht zuletzt im Sinne des alten chinesischen Spruchs "Mögest du in interessanten Zeiten leben", der keineswegs wohlmeinend gedacht war.

Ich weiß gar nicht, womit ich zuerst anfangen soll: mit den wieder einmal dokumentierten albtraumhaften Zuständen in den Flüchtlingsheimen, die ich schon vor zwei Jahren festgehalten habe und an denen sich noch immer wenig geändert hat. Im Gegenteil, Kärnten hat mit der Saualm noch eins draufgesetzt. Oder mit den eigenartig-verwirrten Ausritten der Brigitte Kashofer gegen jene große Verderbnis jeder aufrechten, fleißigen und anständigen Ehe, die sie in Form des Amstettner Frauenhaus ausgemacht hatte, um - ganz Big Mama - die Männer dieser Welt vor rasenden Scheidungsfurien und deren perfiden Helferinnen in Sicherheit zu bringen. Die Grippemasken und deren rätselhaftes Kommen und Gehen. Oder eventuell doch der langersehnte Knalleffekt um die Geständnisse von Birnbacher und Martinz, deren Wellen noch lange durch das parteipolitische All, ergo Leere und Finsternis, rasen werden, um sich vielleicht irgendwann an einem Widerstand zu brechen.

Ich hoffe ebenso wie der erstaunlich ausdauernde Kritiker der Kärntner Zustände, der Schriftsteller Josef Winkler, sehr, dass dies der Widerstand des Wählers sein wird. Aber die Erfahrung lehrt, dass der Wähler zum More of the Same tendiert statt zum Learning by Doing, während eine erkleckliche Anzahl der Politiker lieber "part of the game" spielt, mittlerweile auch ohne nach der Leistung zu fragen. Wozu auch. Es geht ja eh alles durch.

Auffällig ist, dass all diese interessanten Ereignisse öfter um eine bestimmte Partei und auch um ein bestimmtes Bundesland kreisen: Die FPK ist die Fortführung der FPÖ mit heftigeren Mitteln. Seit dort die Sonne vom Himmel gefallen ist, ist es finster geworden, und es scheint nicht aufzuhellen, obwohl einige der handelnden Personen erstaunlich braun gebrannt sind. Die Vorgangsweise ist immer die gleiche. Die Opfer-Täter-Umkehr hat schon in der NS-Zeit funktioniert. Waren damals die Juden und die Roma halt irgendwie eh selber schuld an der Verfolgung, so sind es jetzt die Frauen, die das Frauenhaus hilfesuchend ansteuern. Nicht die Gewalt, die diese Frauen und ihre Kinder erlebten, führt laut Kashofer zur Zerstörung der Ehe, sondern nur deren Aufbegehren gegen diese Gewalt.

Beliebte Methode ist es auch, politische Gegner mit unbewiesenen Vorwürfen anzupatzen, vor allem, wenn man selbst gerade vor dem Kadi steht. Der durch Martinz und Birnbacher genauso wie andere Politiker belastete Scheuch ortet augenblicklich einen Korruptionsskandal: und zwar bei der SPÖ.  (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 21./22.7.2012)

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