US-Drogenkrieg: Von Mexiko nach Afrika

Washington bildet in Ghana Einheiten aus, die Strategie aus Lateinamerika soll in 15 afrikanischen Ländern kopiert werden

Der "War on Drugs" hat Westafrika erreicht: Die Antidrogenbehörde der USA bildet in Ghana Einheiten für den Kampf gegen die Kartelle aus, die Strategie aus Lateinamerika soll in 15 afrikanischen Ländern kopiert werden. Experten warnen vor einem Debakel.

 

Washington/Accra - Die meisten Kommentatoren halten es für teuer, gefährlich und sinnlos. Die US-Regierung habe in den vergangenen 40 Jahren offenbar gar nichts gelernt, schreibt etwa die Huffington Post. Trotz massiver Schulden habe das Land nichts Besseres zu tun, als einen weiteren "imperialistischen Ausflug" zu unternehmen, meint der Politikwissenschafter und ehemalige US-Regierungsberater Evan Eland. ,"Das wird nur mehr Gewalt und eine Belastung für die Steuerzahler bringen."

Der Grund für die Aufregung liegt an einem Ort, der sonst wenige Menschen in den USA beschäftigt: in Ghana. Die Antidrogenbehörde der USA (DEA) hat dort begonnen, eine Spezialeinheit für den Kampf gegen Drogenbanden aufzubauen, berichtet die New York Times. Der "War on Drugs" hat Afrika erreicht.

In 15 afrikanischen Ländern soll in den kommenden Jahren jene Strategie kopiert werden, mit der die USA derzeit in Lateinamerika gegen die Drogenbanden vorgehen. Neben Ghana sollen bald auch in Kenia und in Nigeria ähnliche Einheiten ausgebildet werden. Die DEA hat zudem ein Büro im Senegal eröffnet. 2011 gaben die USA bereits 50 Millionen Dollar für die Drogenbekämpfung in Westafrika aus. 2009 waren es noch nur 7,5 Millionen.

Die westafrikanische Küste hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Umschlagplätze für Kokain für den europäischen Markt entwickelt, 60 Prozent wird von hier verschifft, meist nach Spanien und Portugal. Geliefert wird es von den Drogenkartellen Lateinamerikas. Neben Ghana sind vor allen Guinea-Bissau und Cap Verde für die Kartelle interessant - Länder, in denen es kaum staatliche Strukturen gibt, dafür eine unbewachte Küste und viele unbewohnte Inseln, von denen aus man Drogen nach Europa schicken kann.

Dass die USA verstärkt gegen den Drogenhandel in Westafrika vorgehen, obwohl er ihren heimischen Markt nicht betrifft, hat mehrere Gründe: Das Geld aus den Drogengeschäften - schätzungsweise bleibt pro Jahr fast eine halbe Milliarde Dollar in Westafrika - landet oft bei der Al-Kaida in Nordafrika. Die Aufständischen in Mali etwa sollen auch durch Drogengeld finanziert sein.

Mehr Öl und neue Aufgaben

Durch den Rückzug aus Afghanistan und dem Irak bräuchten die US-Sicherheitskräfte neue Aufgaben, schreibt Politikwissenschaftler Eland. Zudem beziehen die USA immer mehr Öl aus West afrika, sie sind daher an engeren Beziehungen zu den Behörden vor Ort interessiert. "Ihnen beim Kampf gegen den Drogenschmuggel zu helfen ist da eine willkommene Entschuldigung."

Viele Experten gehen allerdings davon aus, dass die Banden einfach in das nächste Land ziehen werden, sobald sie in dem einen stärker bekämpft werden. Außerdem befürchten sie eine ähnliche Gewaltspirale wie in Mexiko. Zudem verbreitet sich die Suchtproblematik: Wenn ein Land zum Umschlagplatz wird, steigt dort auch der Drogenkonsum. Die Banden bezahlen ihre Arbeiter anfangs nämlich gern nicht mit Geld, sondern mit Rauschgift. (tob/DER STANDARD, 28.7.2012)

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