"Wir wollen jetzt lieber einen König"

Adelheid Wölfl aus Bukarest, 27. Juli 2012, 18:10
  • Der rumänische Staatschef Basescu wird für das Staatspaket verantwortlich gemacht.
    foto: reuters/cristel

    Der rumänische Staatschef Basescu wird für das Staatspaket verantwortlich gemacht.

Diesen Sonntag stimmen die Rumänen über die Absetzung von Traian Basescu ab - Viele haben den Machtkampf der Parteien satt

"Bei der Hitze sollte man in die Berge fahren", sagt der Taxifahrer. " Aber andererseits sollte man am Sonntag zum Referendum gehen. Dann ist Basescu endlich weg." Der kleine Mann grinst und macht eine schnelle Handbewegung, die andeutet, wie man jemanden abmurkst. Viele Rumänen machen den Präsidenten dafür verantwortlich, dass die Leu im Geldtascherl heute höchstens ausreichen, um die Miete zu bezahlen und Essen zu kaufen, dass man wegen der harten Sparmaßnahmen wieder an die Armut in der Ceausescu-Ära erinnert wird und dass manche trotzdem immer reicher werden und ungeniert ihre dicken Autos auf den Gehsteigen parken.

In Bukarest sind in diesen Tagen auf Plakaten vorwiegend arme und enttäuschte Menschen zu sehen, die erklären, weshalb sie für die Absetzung Basescus stimmen werden. "Rumänen, geht zum Referendum", versucht die Regierungspartei USL an allen Ecken aufzumuntern. Schließlich geht es am Sonntag vor allem darum, dass mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten teilnehmen. Sonst ist sie nicht gültig.

Nach dem Referendum gegen Basescu im Jahr 2007 hat die ihm nahestehende Regierung diese Schwelle eingeführt, um seine Absetzung schwieriger zu machen. Wird die "50 plus eins"- Grenze erreicht, wird Basescu wohl den Cotroceni-Palast verlassen müssen. Laut Umfragen ist die Mehrheit der Rumänen gegen ihn. Und viele Basescu-Anhänger dürften nach dem Boykottaufruf seiner Partei PDL gar nicht am Referendum teilnehmen. Bleibt die Beteiligung unter 50 Prozent, wird der Präsident wohl im Amt bleiben, hat aber ein Legitimationsproblem. "La revedere - Auf Wiedersehen Basescu", steht auf weißen Bannern. Und das kann man auf zweierlei Art lesen.

Daniel Daianu lugt hinter seinem Schreibtisch mit hunderten Zeitungen und Büchern hervor. Der Ökonom denkt, dass Basescu und sein Kontrahent Premier Victor Ponta einen Kompromiss finden können, falls der Präsident nicht abgesetzt wird. "Wir müssen schauen, wie in diesem Land Rechtsstaatlichkeit funktionieren kann. Beide Seiten müssen den Schaden begrenzen, sonst wird sich die Wirtschaft nicht erholen", sagt er. Nachdem die EU-Kommission Mitte Juli die Regierung scharf kritisiert hat, weil diese versucht hatte, durch Notdekrete ihre Macht zu zementieren und Basescu loszuwerden, gilt Rumänien als Sorgenkind der EU.

Probleme mit Kohabitation

Daianu ortet das Problem in "der mangelnden Fähigkeit, eine Kohabitation zu managen". Im semipräsidentiellen System Rumäniens schafft die Bildung einer Regierung, die nicht von derselben Partei geführt wird, der der Präsident angehört, regelmäßig Konflikte. Als der konservative Basescu Anfang Mai den Sozialdemokraten Ponta zum Premier ernannte, schien noch eine Basis für Zusammenarbeit gegeben. Doch dann fühlte sich Ponta offenbar bedroht, weil Plagiatsvorwürfe zu seiner Doktorarbeit auftauchten. Erst dann soll er beschlossen haben, Basescu loszuwerden.

Basescu selbst habe zudem den Fehler gemacht, die Sparmaßnahmen immer selbst anzukündigen, meint Daianu. "Nun machen ihn alle dafür verantwortlich und nicht etwa den früheren Regierungschef Boc", erklärt er den Zorn der Bevölkerung. Die Dominanz Basescus, der jahrelang die Politik bestimmte, könnte ihm nun zum Verhängnis werden.

Die Wahllokale haben am Sonntag bis elf Uhr abends geöffnet. Das könnte angesichts der Hitze ausschlaggebend sein. Denn viele Rumänen verlassen erst nach acht Uhr abends ihre Wohnungen. Manche flüchten untertags in den Schatten der Bäume.

Es hat 38 Grad, selbst die Vögel zwitschern nicht mehr. Ein Mann im blauen Anzug schiebt sein Rad durch den Cismigiu-Park. Es hat einen Patschen. "Ich mag den Präsidenten nicht, aber ich mag noch weniger, was der Premier gemacht hat", sagt der 35-jährige Mihai P., der seinen vollen Namen nicht nennen will, weil er in der Staatsverwaltung arbeitet. "Man stellt sich nicht über das Verfassungsgericht. Ich dachte, unsere Generation wäre weltgewandter. Ich schäme mich."

Genug vom Getöse

Herr P. schämt sich auch dafür, dass "im Parlament 20 Leute sitzen, die verurteilt sind", dafür, "dass alle einer Partei angehören müssen, die was werden wollen, und dass Leistung nicht zählt". Die Absetzung des Präsidenten ist ihm egal. "Ich hab genug von dem Getöse. Am besten wäre eine Monarchie, den König muss man nicht alle paar Jahre wählen."

Auch die beiden 22-jährigen Gendarmen Ionel P. und Sorin M., aus Hargitha wollen "nun lieber einen König" als einen Präsidenten. "Dem würde es vielleicht nicht nur ums Geld gehen", sagt Sorin. Das Referendum interessiert sie nicht. "Auch wenn Basescu weg ist, wird sich nichts ändern", sagt Ionel. Der Einzige, dem sie das Präsidentenamt zutrauen, ist Raed Arafat, der Gründer der Rettung Smurd, für den im Winter Tausende auf die Straße gingen, nachdem Basescu ihn abgesetzt hatte. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 28.7.2012)

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so einen weiberhelden wie den alten karl? das würde den gendarmen freilich gefallen.

logische entwicklung, wenn sich die parteienstruktur selbst ad absurdum führt, weil die parteien nur mehr dem eigenen machterhalt dienen und hauptsächlich damit beschäftigt scheinen sich gegenseitig zu bekämpfen anstatt gemeinsam im sinne der bürger zu arbeiten - das gilt für sämtliche parteien und alle länder gleichermasen, sobald die parteien nicht mehr konsens- sondern nur mehr nonsensorientiert sind und die eigene parteikasse die agenda bestimmt.

auch sollte man bedenken, daß die demokratie lt. ursprünglicher definition ein rein partriachalisches system mit wecheselndem vorsitz war - das war dann zumindest keine versteckte diktatur des kapitals, wie das was wir inzwischen unter demokratie verstehen

Wenn man sich die Vorgänge in Kärnten ansieht, sollte man vielleicht auch in Österreich die Einführung einer PARLAMENTARISCHEN Monarchie andenken. England ist ja schließlich auch keine "demokratiefreie Zone"...

Wenn man sich die Korruption heutzutage anschaut, ist das vielleicht gar keine schlechte Idee. Bitte gleich EU-Weit einführen.

eigentlich etliche übereinstimmungen mit

österreichischen verhältnissen.
rumänien hat nach der gestohlenen revolution von 1989 zu rasch bekanntschaft mit freier marktwirtschaft und demokratie gemacht.
die ausgepufften alten systemkenner haben die unerfahrenheit der bevölkerung sofort ausgenutzt und die lernprozesse in demokratie der massgeblichen schichten wurden gezielt be- bzw verhindert.
und so wünschen sich junge polizisten - der karpatenjudet harghita ist nicht wegen hervorragender intellektueller leistungen bekannt - frustriert von gehaltsminderungen eben wieder einen gekrönten conducator. und begeben sich ihres wahlrechtes.
es kann aber auch sein, dass sie im cismigiu einige "halba de bere" zu viel hatten.

Alleinherrschaft statt Demokratie?

Selbst in einer konstitutionellen Monarchie wäre die Regierung weiterhin vom Monarchen und nicht von einer Volksvertretung gelenkt. Alleinherrschaft wäre daher in jedem Fall ein gewaltiger Rückschritt für die Rumänen. Zumal ja auch vorhersehbar ist daß auch ein König nicht in der Lage wäre, der einzementierten rumänischen Korruption den Garaus zu machen. Im Gegenteil: er würde voraussichtlich der Versuchung nicht widerstehen können, sie zu seinem Vorteil zu nutzen.

der leu, die lei

Wenn der König da ist, stürzen wir den König.

Wenn wir frei sind und nicht mehr wissen, was wir tun sollen, wollen wir wieder einen Conducator haben.

Hauptsache wir fühlen uns gut.

Rumänien hat das Kärntenproblem, Korruption die zum Himmel stinkt!

Dazu kommt ein enormer Braindrain da fast alle Gebildeten das weite suchen. Von allen ehemals kommunistischen EU-Mitgliedern hat Rumänien die Transformation am schlechtesten hingekriegt, ich würde sagen sogar schlechter als Bulgarien.

jaaaaaaa, die menschen brauchen unbedingt jemanden der ihnen sagt wieviel st sie zahlen müssen, wann sie aufs klo gehen dürfen und mit wem sie schna8kseln sollen.

yippppiiiieeehhhhheeeeejejjjjjjjeeeeeeeeeeeee

ich bin so gerne sklave.

""nun lieber einen König" als einen Präsidenten. "Dem würde es vielleicht nicht nur ums Geld gehen", sagt Sorin."

Wahrscheinlich kommt ein König sogar billiger, weil er sowieso im Geld schwimmt, und nicht jeder Trottel den Staat nach Geld korrumpiert

Da wäre ja auch noch die Option mit Vlad Tees

der kann aber seine Amtsgeschäfte nur in der Nacht ausüben.

Immer noch besser als Raed Arafat (ist das auch ein Untoter? Kommt der auch des Nachts über den Jordan zurück? Oder bloss verwandt mit Yassir A.?)

Woher aber kommt das Geld, in dem der König schwimmt?

In alten Monarchien ist es schon da - wodurch auch immer,- so hat doch der aktuelle Monarch die Möglichkeit ohne Korruption ein königliches Leben zu führen.

Aber in neuen Monarchien?

bitte liebe rumänen, ihr seid in der eu u.a. aus folgendem wichtigen grund: bekenntnis zur demokratie,rechtsstaatlichkeit, minderheitenschutz u allem was sonst noch dazugehört. also kein könig

SP, GB, NL, DK, SE, B, LUX

sind auch in der EU u Monarchien.

Ohhh Ja .....

...... Spanien - welch Alternative!

das sind aber kasperlkönige *g*

monarchien sind das nicht

ja stimmt doch *g*

Oh ja

bloß nicht selber denken müssen und Verantwortung für ds eigene handeln übernehmen.
Ganz eindeutig. Ein König muss her. Man ist ja bescheiden. den Kaiser traut man sich dann doch nicht ganz zu.

Sie verwechseln alle paar Jahre ihr kreuzerl bei dem kandidaten zu machen der Ihnen das blaueste vom Himmel verspricht mit selbständig denken und Korruption und organisierten Stimmenkauf mit Verantwortung.

Ein Fehler.

http://www.amazon.de/Der-Wettb... 570&sr=8-1

"Wir wollen jetzt lieber einen König"

Sehr vernünftig!

Kommt auf den König an.
Mit mir - z.B. - wäre ein superdemokratisches und wohlhabendes Land garantiert, ehrlich. Wo kann ich mich melden? (Soll ich meine Kontonummer jetzt schon publik machen?)

Ich meld mich freiwillig.

Ich verspreche mich nur zu bereichern, wenn es um Unterhaltungselektronik geht. Ansonsten leb ich sehr spartanisch.

ahhh

inklusive ius primae noctis...dann kann nix mehr schief gehn

aso...wer wird könig? :]

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