Griechen gegen Limit bei Arztkosten

Markus Bernath aus Athen
27. Juli 2012, 17:55

Die Koalitionspartner in Griechenland müssen länger über Sparliste nachdenken, manche Kürzung sorgt für Proteste

Griechenlands Finanzminister Yiannis Stournaras musste ein weiteres Mal die Vorlage eines Sparkatalogs von 11,5 bis 11,7 Milliarden Euro verschieben, nachdem die Parteivorsitzenden von Pasok und Demokratischer Linke Bedenken angemeldet hatten. Die Koalitionspartner in Athen stimmten nunmehr zehn Mrd. Euro an Kürzungen zu, die Griechenland im nächsten Jahr einen ausgeglichenen Haushalt bei rechnerischer Ausklammerung des Schuldendienstes bringen sollen. Über den fehlenden Betrag von 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro soll am Montag entschieden werden.

Die Vertreter der Kreditgeber von IWF, EZB und EU quittierten die neuerliche Verzögerung nach außen hin nur mit dem Appell, Griechenland müsse sich an alle vereinbarten Reformen halten. Die Troika traf sich am Freitag mit Premier Antonis Samaras. Der hatte seine Ankündigung, die Kreditvereinbarungen sogleich neu zu verhandeln, in den vergangenen Tagen fallen gelassen.

Akzeptabel

"Es ist sehr einfach, 11,5 Milliarden zum Einsparen zu finden, aber schwierig, etwas zu finden, das auch für die Gesellschaft akzeptabel ist", erklärte der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras im Gespräch mit dem Standard. "Unsere Partner sollten helfen, den sozialen Zusammenhalt in unserem Land aufrechtzuerhalten", meinte Staikouras mit Blick auf die Troika und die anderen Regierungen in der EU.

Kolportiert und offiziell noch nicht bestätigt werden unter anderem folgende Sparmaßnahmen: Begrenzung von Pensionen auf 2200 bis 2400 Euro, Erhöhung des Pensionsalters auf 67 Jahre für Männer, eine Kürzung der angesparten Abfertigung nach Eintritt ins Pensionsalter um wenigstens 22 Prozent, weitere Kürzungen von Gehaltszuschüssen im öffentlichen Dienst, die Begrenzung von Behandlungskosten für jedes Mitglied der Krankenkasse auf 1500 Euro im Jahr.

Beschneidung der Vorsorge

Gegen diese geplante Beschneidung der Gesundheitsvorsorge protestierten bereits Ärzte und Patientenvereinigungen. Eine Blinddarmoperation koste schon 1400 Euro, hieß es; die angeblich geplante Beteiligung der Patienten mit 15 Prozent an den Krankenhauskosten nach Erreichen des 1500-Euro-Limits sei unzumutbar.

Die neuerliche Kürzung der Pensionen soll wiederum die Bezieher von zwei oder mehr Pensionen treffen, die auf monatlich vergleichsweise hohe Einkünfte kommen. Bei der jährlichen Steuererklärung ist es derzeit noch einfach, Zweit- oder Drittpensionen zu verschweigen, heißt es im Finanzministerium.

Gleichzeitig gibt es seit Tagen Gerüchte, Griechenland könnte mit einem weiteren Schuldenschnitt eine letzte Chance zum Verbleib in der Eurozone gesichert werden. Laut EU-Kreisen wird eine Abschreibung der Verbindlichkeiten bei öffentlichen Gläubigern, also der EZB und nationaler Notenbanken, von 30 Prozent erwogen. Dadurch solle die Schuldenlast des Landes um 70 bis 100 Milliarden Euro verringert werden. Private Gläubiger haben bereits auf 100 Milliarden verzichtet.

Bei Kontrollen auf den Urlauberinseln sind die Fahnder der griechischen Steuerpolizei derweil auf weitverbreitete Fälle von Steuerhinterziehung gestoßen: mangelhafte oder fehlende Buchhaltung, Unterschlagung von Einkünften, Kaufgeschäfte ohne Quittungen stellte sie in sechs von zehn Unternehmen fest. 87 Prozent der Firmen in der kretischen Stadt Chania haben demnach Steuern hinterzogen. Auf Kos war das bei allen 42 überprüften Unternehmen der Fall. (Markus Bernath aus Athen, DER STANDARD, 28./29.7.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 44
1 2
Ob Griechenland, Spanien, Portugal, Italien - ich höre immer nur, dass gespart werden muss ...

bei Sozialausgaben, Pensionen, Gesundheitskosten usw.
Kein Wort von Erhöhung des Spitzensteuersatzes (die vor Jahren drastisch gesenkt wurden) kein Wort von der Einbeziehung in die Sanierung des Staatshaushaltes der Reichen und Superreichen (die in den Krisen nur profitiert haben), keine Erhöhung oder Einführung der Steuern auf Vermögen! Es wird seit Jahren gejammert, dass die Schere zwischen Reich und Arm rasant auseinandereht, gemacht wird nichts dagegen!

unerhört, diese pleitegriechen: wollen zum wohle europas noch nicht mal auf ihre gesundheit verzichten.

ja, ja, die GRen sind schlauer als wir

Man schimpft so gerne auf "die Griechen" und vergisst das die, die die Krise verurscht haben meist nicht identisch sind mit jenen die die Krise ausbaden müssen.

Die EU Politiker wussten dass die Zahlen aus Griechenland geschönt waren, das stand in allen Medien. Man hat Griechenland trotzdem aufgenommen und ihnen trotzdem den Euro gegeben.

Geschäftemacher wollten dort ihre Kredite loswerden, und schnell Geld machen. Dort gab es genug Leute die dieses Spiel mitspielten. Diesen Leuten geht es noch immer gut.

Die Leidtragenden sind jetzt die, die nicht viel haben.

es ist oftmals leider so dass die leute nicht wissen welches spiel die politiker beim stimmenfang mit ihnen treiben, meistens wissen es auch die politiker selbst nicht welche tragweite ihre entscheidung hat, dennoch der euro war eine chance für griechenland nur wurde sie nicht genutzt, die mrd sind irgendwo verpufft anstatt dass damit eine solide wirtschaft aufgebaut wurde, die griechen wurden auch bestimmt nicht zum euro gezwungen, aber im nachhinein sind alle klüger

Nein niemand wurde gezwungen, auch wir nicht
weder zur EU noch zum Euro

Ich kann mich noch gut erinnern wie man uns versprochen hat es würde ein Tausender mehr im Geldbörsel bleiben. Jeder kann sich erinnern, dass uns versprochen wurde, dass alles gleich teuer bleiben würde, das wäre alles nur eine Umrechnungssache. Trotzdem wurden nur wenige viel reicher. Ich gehöre nicht dazu.

In Griechenland war es nicht viel anders. Das sollte man sich bewusst machen. Es sind nicht "die Griechen" sondern einige wenige - vielleicht ein paar Prozent der Griechen und Europäer - die das Schlamassel verursacht haben. Ausbaden müssen es aber "die Griechen" und wir alle.

Die maroden Staaten wollen weiterwursteln wie bisher und bezahlen sollen die Geberstaaten.

http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinu... ttung.html

Cash

Ich dachte bisher, dass man in Griechenland wie in anderen Dritte Welt - Ländern die Ärzte, Krankenschwestern, Verwaltung, Medizinhändler selbst bezahlen muss, damit man versorgt wird.

an GR sehen wir wie es in einigen Jahren auch bei uns ausschauen wird: Privatkrankenversicherung und Medikamente selber kaufen oder Pech haben.
Also wünsch ich viel Spaß bei der "Gesundheitsvorsorge" damit wir nicht zu oft das Krankenhaus oder einen Arzt brauchen.....

Irgendwie lustig das die Griechen immer noch glauben sie haben bei der Sache noch was mitzuentscheiden. Die sitzen seit Beginn des Dramas nur mehr auf dem Beifahrersitz merken es aber nicht. Die Entscheidung ist schon längst wo anders gefallen das Griechenland aus dem Euro ausscheidet und Bankrott geht.

Dead Man

walking.

Griechenland wird ausscheiden, weil die einzige Lösung keiner will.

Staatsschulden sind nicht das Problem der Währungsproblematik.

Lösung wäre Inflation 3% & Lohnerhöhung 4% in den Nordländern.

Heiner Flassbeck erklärt was eine Währungsunion ist (= gleiche Inflationspolitik)

?Die EU hat im Ø das 2% Inflatrionsziel erreicht.

Aber wenn man mit der Hand auf der Herdplatte greift & dem Fuss im Eiswasser steht, hat man ein Problem.??

Die Preise kommen von den Löhnen. Lohnstückkosten entscheiden zentral die Preise.??

Wir verlangen das Unmögliche.??

Es kann nicht funktionieren & es wird nicht funktionieren.?

http://www.youtube.com/watch?v=wp_c54vyrV4

Es stimmt schon, dass die Währungsunion nur unter annähernd gleichen Partnern funktionieren kann.
Aber was bitte soll es Griechenland kurzfristig bringen, wenn z.B. Deutschland Löhne und Inflation erhöht? Werden die dann plötzlich produktiver? Verschwinden auf wundersame Weise die Auslandsschulden? Werden Importe einfacher, wenn die ausländischen Waren aufgrund höherer Löhne teurer werden?

"Die Koalitionspartner in Griechenland müssen länger über Sparliste nachdenken, manche Kürzung sorgt für Proteste.."

wie oft und wie lange geht das bitte noch so weiter? das ist doch bereits absolut lächerlich.

haben wir mitten in der eu jetzt ein 3.-welt land?

das sollte uns eigentlich alle alarmieren. in den 80er 90er jahren war das noch undenkbar.
man muss sich fragen was seither passiert ist, damit es soweit kommen konnte.
vermutlich war der euro-beitritt gr's wirklich ein schwerer fehler.
aber ich stelle mir auch die frage, warum unsere politiker so versessen darauf waren dieses euro-und euprojekt so konsequent durchzuziehen. wo war da für sie der nutzen?

Seitdem wir großzügig Balkanstaaten aufgenommen haben, und das auch noch weiter tun, haben wir nicht nur ein dritte Welt-Land in der EU. Wenn Serbien dann auch noch dazustößt, haben wir sogar einen Barbareskenstaat in unserer Mitte.

Griechen fordern mittlerweile einen neuerlichen Nachlass von 30 % auf ihre Schulden. Spanien braucht bis zu Euro 300 Mrd. Ratingagentur Egan Morgan hält Pleite von Deutschland durch übernommene Haftungen mittlerweile für möglich.

Ist der Zeitpunkt des Auftauchens der Anschuldigungen deshalb so gewählt, weil Rot-Schwarz schon längst vorgezogene Nationalratswahlen für den Herbst 2012 vereinbart haben und dieser Skandal dem dritten Lager schadet und auf Bundesebene gewählt werden muss bevor die Österreicher den Schaden aus den übernommenen Haftungen richtig wahrgenommen haben, weil ansonten die Wahlchancen der Rettungsschirmbefürworter im Keller wären?

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkir... ngrab-euro

? - Rating

Zuvor noch nie von dieser Ratingfirma gehört. Will womöglich durch ein originelles Rating bekannt werden.

durchaus möglich

aber egal wie rotschwarz die dinge drehen und wenden, im günstigsten fall werden sie den nächsten österreichischen staatsbankrott administrieren müssen.

Endlich mal etwas konkreteres zu Griechenland, danke für den Artikel ...

selbstbehalt ist total richtig und vernünftig. (mit hilfe für arme.)

zb CH: bis MIND. zu den ersten 300CHF (mindestfranchise) (-1500CHF) zahlt JEDER pro jahr. darüber 10%.
in Ö: selbstbehalt für selbständige etcetc.

allein schon, dass jeder mal die rechnung sieht, bringt schon was. zb weniger abrechnungbetrug....

Das mit den Pensionen sollte in Österreich auch gemacht werden

Finde ich völlig inakzeptabel, dass Beamte ein vielfaches der Maximal-ASVG Pensionen beziehen (ohne je dafür eingezahlt zu haben) und damit Österreichs finanzielle Zukunft belasten.

Die Finanzierung des Pensionssystems aus Arbeitsleistung ist veraltet und überholt. Heutzutage muss das Pensionssystem aus Kapitalerträgen (z. B. dem Börsenhandel) finanziert werden, da dieser Wirtschaftszweig grössenmässig über der Arbeitsleistung steht. Also alle Spekulationsgewinne/-umsätze werden mit 7% Pensionssteuer belegt. Allgemein ein prozentueller Anteil des BIP muss einfach in die Pensionskasse eingezahlt werden und das nicht nur aus Arbeitsleistungslöhnen.

Wolfgang bist du das ?

Posting 1 bis 25 von 44
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.