Wetter schön, Seen blau

27. Juli 2012, 17:56
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Eine mediale Vogelperspektive auf das südliche Bundesland Kärnten

Wer diese Woche am Montag glaubte, noch immer mit Wischiwaschi zum Thema "Haiders Kärnten" durchzukommen, machte schon am Mittwoch eine komische Figur. Zum Glück gefällt sich Andreas Mölzer, Chefredakteur des freiheitlichen Produktes "Zur Zeit" und einst 'Chefideologe des Bärentalers', ohnehin seit langem in dieser Rolle, weshalb es auch keine spielte, dass "Die Presse" es für nötig hielt, unter dem Titel 'Armes Kärnten - Der Nachlass des Bärentalers als Gastkommentar' nachzudrucken, was Mölzer zuvor schon in seinem Blatt ausgebreitet hatte. Er hatte sich die Aufgabe gestellt, unter den gegebenen Umständen von Kärnten zu retten, was noch zu retten ist, und da ist neben der 'zauberhaften Schönheit seiner Landschaft' leider nicht viel geblieben.

'Kärnten, das sei das Land der Gauner und der Narren: Mehr oder minder korrupte Politiker im Verein mit skrupellosen Bankern auf der einen Seite, auf der anderen halblustige Spaßvögler, die zwischen Beachvolleyball, Fete Blanche und Villacher Kirchtag ihr Unwesen treiben. Diesen Eindruck erhält, wer all das für bare Münze nimmt, was in den Medien über Österreichs südlichstes Bundesland in diesen Tagen so berichtet wird.'

Hätte Mölzer nur geahnt, was 'in den Medien über Österreichs südlichstes Bundesland' erst ein paar Tage später stehen sollte! Er sah es noch so: 'Der gelassene Umgang des Landeshauptmanns mit den gegen ihn erhobenen eher marginalen Vorwürfen, der stoisch-harte seines Landeshauptmann-Stellvertreters und Parteifreunds mit der Zweitverurteilung und der hilflose, nahezu naive des ÖVP-Chefs mit dem ihm gemachten Prozess, aber auch die dumm-dreisten Auftritte des Bärentaler-hinterbliebenen Lebensmenschen verdecken nur die Wurzeln dieser Kärntner Politik-Malaise.'

Diese 'Wurzeln' sieht Mölzer in einer gewissen Treulosigkeit des 'großen Blenders. Er, der geglaubt hat und seine Adepten auch glauben gemacht hat, dass alles möglich und erlaubt sei ... er hat sie alle im Stich gelassen - die eigenen Freunde und auch die Birnbachers und Martinze, die nun ihrem Urteil entgegenzittern. Und natürlich auch die Lebensmenschen, die die Landestracht mit Niedertracht verwechselten und politisches Ethos mit Solariumbräune.'

Hätte er sie nur nicht 'im Stich gelassen', gäbe es nichts, was die Kärntner Idylle trüben könnte, und 'politisches Ethos' wäre nicht auf Bräune aus dem Solarium angewiesen. So aber: 'Es ist des Bärentalers Nachlass, der hier unselig aufgearbeitet wird' - und nicht etwa der unselige Nachlass des Bärentalers, der möglichst lange vertuscht werden sollte. Deshalb galt es auch, in einem Aufwasch die wahren Schuldigen aufzuzeigen: 'Andererseits ist es das politisch-korrekte Kleingeld-Wechseln der linken Reichshälfte, die die Chance sieht, die Ära Schüssel-Haider in der Republik insgesamt und die Ära Haider selbst in Kärnten speziell als Ganzes zu diskreditieren.' Hätte man mit dieser Klärung der Fakten auf die 'politisch-korrekten Kleingeld-Wechsler der linken Reichshälfte' warten müssen, gälte Haider noch heute als Ehrenmann.

'Alles in allem', zog Mölzer sein Resumee: 'armes Kärnten. Auch wenn das Wetter gemeinhin schön, die Seen blau, die Berge hoch und die Menschen liebenswert bleiben, dieses Land mit seiner zweitausendjährigen Geschichte, mit seiner kulturellen Vielfalt, mit der künstlerischen Begabung seiner Menschen und der zauberhaften Schönheit seiner Landschaft, es hat sich diesen Ruf nicht verdient.' An der von Mölzer so innig abgefeierten Folklore lag es allerdings nicht, dass es in diesen Ruf geriet.

Wie Mölzer an der Kärntner Landschaft, so hält die "Krone" an ihren einmal auserwählten Idolen fest, möge deren Handelswert auf null gesunken sein. Als Donnerstag sogar "Heute" mit den Geständnissen der 'im Stich gelassenen' Haider-Adepten aufmachte, war ihr ein 'Kriminal-Rätsel um Promi-Juwelier' wichtiger, ein 'Politbeben in Kärnten' auf Seite 1 nur klein erwähnenswert. Sonntag im bunten Teil spannte sie zwei ihrer Idole zusammen. Frank Stronach durfte enthüllen: 'Vor über zwei Jahren hatte ich ein Mittagessen mit Hans Dichand, dem damaligen Herausgeber der " Krone". Wir hatten viele interessante Gesprächsthemen.'

Interessanter war die Illustration zu dieser späten Anschmeißerei: Ein fast halbseitiges Foto, Jörg Haider mit Handy am Ohr, obere Gesichtshälfte abgeschnitten, für Eingeweihte jedoch erkennbar. Die Botschaft war traurig: Was hätten Frank und Jörg mit Hans als ihrem Propheten nicht alles bewegen können! (Günter Traxler, DER STANDARD, 28.7.2012)

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