T-Mobile-Chef Chvatál: Hoffe, dass Kunden für Qualität mehr zahlen

27. Juli 2012, 17:56
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Der scheidende Chef des Mobilfunkers zieht Bilanz über seine Tätigkeit

Zwei Themen wird T-Mobile-Austria-Chef Robert Chvatál sicher nicht vermissen, wenn er Ende September wie berichtet aus privaten Gründen das Unternehmen verlässt und in seine tschechische Heimat zurückkehrt: den heftigen Preiskampf im österreichischen Mobilfunkmarkt und die Regulierung durch nationale und EU-Behörden. In seinem voraussichtlich letzten Gespräch mit dem Standard spielt der 43-jährige Prager aber noch einmal die gesamte Klaviatur seiner Auseinandersetzung damit.

"Die Unternehmen bekommen Probleme mit der Finanzierung, wie man am Beispiel von Orange sieht."

Auf 60 Millionen Euro werden die heurige Umsatzverluste geschätzt, die der heimischen Mobilfunkbranche durch Regulierung (Roaming, Interconnection-Fees) und das seit Mai geltende 60-Euro-Limit bei mobiler Datennutzung entgehen, sagt Chvatál. Die Folgen daraus und aus dem "ruinösen" Wettbewerb der derzeit noch vier Anbieter: "Die Unternehmen bekommen Probleme mit der Finanzierung, wie man am Beispiel von Orange sieht." Die Eigentümer des drittgrößten Mobilfunkers verkaufen Orange an den kleinsten Anbieter "3". Der Deal wird gerade von den Wettbewerbsbehörden in Brüssel und Wien vertieft geprüft.

iPhone als Mausefalle

"Es mag zwar für die Regierung okay sein, wenn sie lieber in Tunnels als in die Telekommunikation investiert", sagt der scheidende T-Mobile-Chef. Vergessen werde dabei halt darauf, dass Mobilfunk und Breitbandinternet eine zunehmend wichtige Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes spielten. Wenn Österreichs "Verkehrs-, Innovations- und Technologieministerin" sich auf Inseraten abbilden lasse mit dem iPhone als Mausefalle und zelebriere, dass sie das abgeschafft habe, sei darüber genug ausgesagt, welche Rolle Innovation in ihrem Weltbild einnehme, sagt Chvatal mit einem Kopfschütteln. Und wo das Geld für Investitionen auszugehen drohe, könnten keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden.

"Europa war einst Musterbeispiel für Mobilfunk, jetzt dominieren die USA"

In Europa seien im Sog der Telekombranche auch Netzwerkausrüster und Handyhersteller unter Druck geraten. "Europa war einst Musterbeispiel für Mobilfunk, jetzt dominieren die USA", bedauert er.

Doch die Gegenwart des Mobilfunkmarkts ist für Chvatal bald Vergangenheit. Kein Grund, nicht in die Zukunft zu blicken. "Smartphones werden für immer mehr Möglichkeiten genutzt werden. Nächster Schritt ist Mobile Wallet, das Bezahlen mit dem Handy", sagt Chvatál und hofft, dass die Nutzer bereit sein werden, für die Qualität von Services mehr zu zahlen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 28.07. 2012)

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