Beschneidung: "Es ist wie Fingernägel schneiden"

Markus Rohrhofer, 27. Juli 2012, 18:23
  • Ein kleiner Schnitt für einen Mediziner, ein großer Schritt für gläubige Juden und Muslime.
    foto: apa/vassil donev/epa

    Ein kleiner Schnitt für einen Mediziner, ein großer Schritt für gläubige Juden und Muslime.

In der Debatte um Beschneidungen haben sich alle Religionsvertreter zusammengeschlossen

Es war ein historisches Ereignis, das an diesem späten Freitagvormittag im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) stattfand: Erstmals traten die Vertreter der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gemeinsam vor die Presse. Oskar Deutsch (Präsident der Kultusgemeinde), Fuat Sanaç (Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft), Peter Schipka (Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz) sowie den lutherischen Bischof Michael Bünker eint die Sorge um die Religionsfreiheit in Österreich. Anlass der ökumenischen Protestnote ist die aufgeflammte Debatte über ein Beschneidungsverbot.

"Unwürdige" Debatte

Und das Religionsbündnis sieht vor allem die Bundesregierung in der Pflicht. Die Regierung solle ein "klares Bekenntnis zur Religionsfreiheit" abgeben und die "juristische Legitimität der religiösen Beschneidung in Österreich sicherstellen". Die Debatte sei vom Ausland nach Österreich transportiert worden und des Landes "nicht würdig", verwies Muslim-Präsident Fuat Sanaç auf die Tradition und die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit.

Das Urteil des Kölner Gerichts, das Beschneidung als strafbare Körperverletzung qualifiziert hatte, fuße auf der deutschen Rechtslage, diese sei ungeklärt, erinnert Bünker. "In Österreich ist die rechtliche Lage klar." Beschneidungen "sind in Österreich völlig legal", versicherte auch Deutsch - "und glauben Sie, dass eine jüdische Mutter ihr Baby beschneiden lassen würde, wenn sie weiß, dass es Probleme geben kann?" Sanaç: "Es ist wie Fingernägel schneiden", setzt er nach.

Erneut wurde betont, dass die Beschneidung ein "religiöser Akt" sei, der seit Jahrtausenden praktiziert werde. Diejenigen, die ein Verbot forderten, würden "im Kern eine religionsfeindliche und menschenrechtswidrige" Haltung zeigen, kritisierte Schipka. Es sei " besorgniserregend", wenn allgemein die religiöse Erziehung von Kindern infrage gestellt werde. Fragen der Religionsgemeinschaften hätten immer noch partnerschaftlich gelöst werden können, so Bünker. Europa wäre aber " schlecht beraten", wenn diese künftig von Gerichten gelöst werden müssten.

"Kein Handlungsbedarf"

Die Stellungnahmen, die es bereits von Regierungsseite zur Causa prima gegeben hat - unter anderem betonte das Justizministerium die rechtliche Unbedenklichkeit in Österreich -, sind den Religionsvertretern bisher zu wenig. Deutsch: "Gefordert ist die Bundesregierung, und zwar die oberste Stelle." Dort hielt man sich am Freitag zurück. Was der religiösen Forderung folgte, waren ministerielle Einzelmeinungen. "Ich sehe keinen Handlungsbedarf. In Österreich ist die Beschneidung kein strafrechtlicher Tatbestand. Und es gilt das Grundrecht auf Religionsfreiheit zu berücksichtigen", stellte Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) klar.

Mit dem Beschneidungsverbot vor allem in Landesspitälern hat man an sich weniger ein Problem. Deutsch: "Wir sorgen dafür, dass jedes männliche Baby - auf Wunsch der Eltern - auf österreichischem Territorium beschnitten wird. Auch wenn die Spitäler sich weigern."

Für Aufregung sorgen in Zusammenhang mit der Beschneidungsdebatte vor allem auch die Aussagen von IKG-Ehrenpräsident Ariel Muzicant. Dieser stellte ein mögliches Verbot mit der Vernichtung der Juden gleich. Ein solches "wäre dem Versuch einer neuerlichen Shoah, einer Vernichtung des jüdischen Volkes, gleichzusetzen - nur diesmal mit geistigen Mitteln". Während es von vielen Seiten Kritik an dem Vergleich hagelt - Eytan Reif von der "Initiative Religion ist Privatsache" etwa sieht darin ein " rhetorisches Armutszeugnis" -, stärkt die amtierende IKG-Spitze Muzicant den Rücken. "Ohne Beschneidung wäre es Juden und Muslimen nicht möglich, in Österreich zu leben. Ein Verbot würde daher einer geistigen Vertreibung nahekommen", stellt Oskar Deutsch klar." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 28./29.7.2012)

Wissen

Im Islam ist die Beschneidung keine religiöse Pflicht, dennoch lässt ein Großteil der Muslime Buben bis zum Alter von 13 Jahren beschneiden, da es für die "rituelle Reinheit" notwendig sei. Laut Überlieferung kam der Prophet Mohammed ohne oder mit einer kurzen Vorhaut zur Welt. Durch das Ritual, das eine Anweisung Abrahams ist und im Koran nicht explizit erwähnt wird, möchten Gläubige "dem Vorbild der Propheten entsprechen". Darüber hinaus kommen hygienische Vorteile in Betracht.

Im Judentum wird die Zirkumzision als Eintritt in den Bund mit Gott angesehen, den dieser nach Überlieferung mit Abraham einging. Im Gegensatz zum Islam müssen Neugeborene - unter Berufung auf einen Passus in der Tora (Gen. 17) - am achten Tag nach der Geburt beschnitten werden, wenn es der Gesundheitszustand zulässt. (flop)

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Posting 1 bis 25 von 1697
Es ist nicht Ihre Interpretation der Religionsfreiheit massgebend

, sondern wie diese aus staatsrechtlicher Sicht zu sehen ist. Zweifelsohne gehört auch die Ausübung der Rituale zur Religionsfreiheit - Wenn man Ihrer Argumentation folgt, dann schlägt das "Recht auf Unversehrtheit " jedoch die Ausübung der Rituale ein. Mit welchem Grund? Beide stehen mehr oder weniger auf gleicher Stufe in der Verfassung (wobei die "Unversehrtheit" gar nicht direkt erwähnt ist, sich aber, wie erwähnt, schlüssig daraus ergibt).

Offensichtlich ist die jetzige Praxis in Ö rechtskonform, was Ihrer Argumentation widerspricht. Dennoch wäre es spannend, diese ganzen Fragen einen verfassungsrechtlichen Prozess zu unterziehen. Eine eindeutige Antwort, daß ist, was ich ja immer herausstreichen wollte, jzt noch nicht möglich.

ach die Vergleiche

leider nur halb zitiert! Richtig so: männliche Beschneidung ist wie Fingernägel schneiden - und die weibliche wie Locken wickeln.

"Es ist wie Fingernägel schneiden"

Welch populistischer Schwachsinn ...

... wäre mir neu, daß ich wöchentlich beim Fingernägelschneiden eine lokale Betäubung benötigen würde ...

Dürfen solche Aussagen überhaupt ohne rechtliche Folgen bleiben? Menschenverachtend ....

die fingernägel wachsen nach!

Ich würde mich opfern....

Ich habe einen Vorschlag für die "Nägelbeschneider": ich bin jetzt 61 Jahre alt und noch halbwegs "gut in Schuss". Ich würde freiwillig in ein (natürlich hygienisches) amerikanisches Labor gehen und meine Gefühlsintensität bei einem "unbeschnittenen" Geschlechtsverkehr messen lassen. Dann würde ich mich beschneiden lassen und wieder meine Gefühlsintensität in diesem Labor messen lassen...Falls ein Abfall meiner Gefühle nach Beschneidung gemessen wird hätte ich gerne ein Freifahrticket in den Himmel (sozusagen als Märtyrer) und ...vielleicht noch ein, für den Rest meines Lebens geltendes, Rezept für "Viagra".....Deal..??

Die haben doch keine Ahnung...!!!!

Den Herrn "Nägelbeschneidern" möchte ich "Google" ans Herz legen, denn dort können sie leicht erfahren, um was für einen einschneidenden Eingriff es sich bei der Beschneidung handelt. Vielleicht erahnen sie, was für ein einschneidender Defekt ihnen da angetan wurde (...arm eigentlich..oder?) Dann sollten sie mit einem Minimum an Humanismus und Empathie für die Menschen, die doch ihre Religion so umsorgt, in der Lage sein zu begreifen, um welche bestialischen und menschenverachtenden (vielleicht somit doch kriminellen) Eingriff es sich dabei handelt. Natürlich habe ich keine Hoffnung, denn eines weiß ich nach 61 Lebensjahren gewiss: Religion war immer nur Legitimation für die größten Sauereien gegen uns Menschen. Aufklärung für Ahnungslose!

Lieber Herr Sanac!

Wenn Sie Ihre Nägel schneiden und dann ein paar Tage warten, können Sie vielleicht einen höchst interessanten Effekt beobachten, den Mediziner fachsprachlich als das "Nachwachsen der Fingernägel" bezeichnen.

Trotzdem danke fürs Mitspielen.

Fingernägelschneiden?

So sieht das also aus:

http://video.google.com/videoplay... 0114237112

habs mir nicht bis zu ende anschauen wollen, voll grauslich.

Ein Baby als Gefangener des Doktors. Und das ganze OHNE BEtäubung

Danke für den link

der link erklärt deutlich: hierbei handelt es sich um eine schmerzliche Genitalverstümmelung! Einfach grauslichh.

genau, warum nicht stattdessen die fingernägel ?

Es ist ein Armutszeugnis für jede Gesellschaft wenn sie nichts besseres zu tun hat, als sich um die Beschneidung der Schniedel Sorgen zu machen!

Weils bedeutendere Probleme gibt, soll man dies hier schlicht ignorieren? Dieses Argument ist ein Armutszeugnis.

...sagt das Schaf und läuft brav weiter Gespenstern hinterher.

Es ist ein Armutszeugnis für einen Menschen

die Würde des Einzelnen zu verleugnen. Nicht der beschnittene "Schniedel" ist Thema.
DAS Thema ist, dass Kinder nicht wie eine Sache einer Handlung zugeführt werden.

Außerhalb der Religionsdebatte ist eine solche Maßnahme unter Strafe und für Popanz soll es zugelassen werden?

Seien wir uns klar, wenn sich die Vertreter der drei Reiligionen in einer gemeinsamen Konferenz zusammenfinden, dann geht es imo darum jedes Ermessen des Souveräns (Bürger)/ des Staates auszuschließen. Es geht allen Dreien darum dass der Staat nicht zu entscheiden hat,ob religiöse Überzeugungen und dafür verwendete Mittel zur Religionsäußerung legitim sind. Staatliche Neutralität, bzw Toleranz darf bei Eingriffen an Unmündigen aber nicht gefordert werden.Nein!

Natürlich ist es ein Armutszeugnis!!!

Es ist ein Zeichen ausufernder Zivilisationskrankheit, daß pseudoaufgeklärte Kinderzimmeraktivisten und Knuddeldemonstranten sich nun neben anderen Banalitäten auch noch uralte Bräuche anderer Kulturen und Glaubensgemeinschaften zum Alltagsmeckern und -profilieren herauspicken.

Dabei geht es auch nicht um irgendeine "Körperverletzung", sondern um pure Heuchelei, welche die eigene "Aufgeklärtheit" in den Vordergrund schieben soll.

Ganz zu schweigen vom Begleiteffekt der unerträglichen Präpotenz, mit der die Beschneidungsaktivisten hier meinen, daß ihre "Rettet das Häutl-Einstellung" ihnen grundsätzlich das Recht gibt darüber zu urteilen, was fremde Kulturen "richtig oder falsch" machen. Heuchelei pur!

Wenn eine Religion vorsehen sollte dass Erwachsene ihres Bekenntnisses ein Reissieb am Kopf tragen sollen - es wär mir wurscht

aber Beschneidungsaktivisten sind mir nicht wurscht und das nicht seit bekannt werden des Kölner Erkenntnisses.
Persönlich empfehle ich Ihnen sich mit Paulus´Brief an die Römer auseinanderzusetzen. Wenn Sie katholisch geprägt sind wird Kapitel 13 eine Fundgrube sein. Es geht um das Zusammenleben von Staat und Religion. Und im Kapitel 3 können Sie herauslesen dass die religiösen Bücher die Werte des religiösen Lebens enthalten aber nicht vor Fehlern schützen: "Denn durch Werke des Gesetzes wird niemand vor ihm gerecht werden; durch das Gesetz kommt es vielmehr zur Erkenntnis der Sünde." Also, bloß weil es in der Torah steht oder im Islam tradiert überliefert ist gibt es keinen Freibrief zur Anwendung. Symboliken können sich ändern.

So sehr sie sich auch reinsteigern, mit kultur(en) und glaubensgemeinschaft hat das nichts zu tun.

so ist es, das ist missbrauch der elterlichen erziehungsgewalt

beschneidung ja, wenn das opfer über 18 ist
und es selbst will.

Es wäre ein armutszeugnis für eine gesellschaft wenn sie sich nicht AUCH gegen vorsätzliche körperverletzung an schutzbefohlenen einsetzt.

im islam und judentum werden kinder beschnitten und am ende sind alle volljährigen opfer stolz darauf..

solche sachen lösen nur sinnlos wirbel aus und am ende fährt jeder jude/muslim über den sommerferien ins heimatland und lässt sein schniedel dort nach seinen wünschen bzw. den wünschen der eltern operieren.

Ähmmm...

Stierkämpfe sind bei uns verboten (hoff ich zumindest).

Manche fahren nach Spanien, um an Stierkämpfen teilzunehmen.

Deshalb müssen wir Stierkämpfe legalisieren.

Dasselbe gilt für: Hahnenkämpfe, Drogenkonsum, das Schlagen von Frauen in der Öffentlichkeit, das Schlagen von Kindern, weibliche Genitalverstümmelung, etc. etc. etc.

Ups, wie hat sich da bloß der Drogenkonsum reinverirrt? Posting under influence zur Mittagszeit? :)

Ich würde doch nicht... niemals... ich??? Wer? Was? Warum ist überhaupt nichts und nicht vielmehr irgendwas?

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Posting 1 bis 25 von 1697

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