Die am meisten verfolgte Minderheit der Welt

Interview | Kim Son Hoang
30. Juli 2012, 05:30
  • "So ein blanker Hass ist mir wirklich selten untergekommen": Asien-Experte Ulrich Delius.
    foto: hanno schedler, gfbv

    "So ein blanker Hass ist mir wirklich selten untergekommen": Asien-Experte Ulrich Delius.

Asien-Experte Ulrich Delius über den "blanken Hass" gegen die muslimischen Rohingya im buddhistisch dominierten Burma

Die muslimische Minderheit der Rohingya wird in Burma seit Jahrzehnten ausgegrenzt und angefeindet. Nach einem Zwischenfall vor einigen Wochen ist der Konflikt eskaliert, bei Ausschreitungen zwischen den Rohingya und den im Land dominierenden Buddhisten wurden seitdem dutzende Menschen getötet, zahlreiche verletzt und zehntausende obdachlos. Im Interview mit derStandard.at spricht Asien-Experte Ulrich Delius über die historischen Hintergründe des Konflikts, die zweifelhafte Rolle der internationalen Staatengemeinschaft und die nahezu hoffnungslose Situation der Rohingya.

derStandard.at: Die Rohingya wurden von der UNO als die am meisten verfolgte Minderheit der Welt eingestuft. Über die genaue Ursache wird aber gerätselt. Haben Sie eine Erklärung?

Delius: Wir haben es hier zunächst einmal mit einer klassischen Minderheiten-Mehrheiten-Problematik zu tun. Burma ist ein buddhistisch dominierter Vielvölkerstaat, und es tut sich seit vier Jahrzehnten schwer, die muslimischen Rohingya zu akzeptieren. Die Birmanen, die größte Ethnie in Burma, sagen, dass die Rohingya gar keine ethnische Gruppe sind. Für sie sind das einfach Migranten aus den Bengalen. Man versucht das also als ein Problem der Migration und der mangelnden Grenzkontrollen zu Bangladesch abzutun.

derStandard.at: Ist das etwas Einmaliges?

Delius: Das ist ein typischer Effekt, wie ihn die Roma in Europa erleben oder zum Teil früher auch die Juden: Wir sind die Mehrheit, wir sind die Bevölkerung dieses Landes, und wir erkennen euch nicht an. Das ist blanker Rassismus, und der ist auch noch populär und mehrheitsfähig. Und das ist auch das große Problem für Politiker, die etwas ändern wollen.

Aung Suu Kyi beispielsweise hat immer genau im Auge, wie sie von der Mehrheit der Bevölkerung wahrgenommen wird. Und sie hat es bisher nicht gewagt, sich in der Rohingya-Frage weiter vorzuwagen.

derStandard.at: Jeder Politiker, der sich auf die Seite der Rohingya stellt, muss also automatisch mit einem starken Popularitätsverlust rechnen?

Delius: Auf jeden Fall. Das nimmt mitunter skurrile Züge an, wenn man sich die oppositionelle Exilbewegung ansieht, bei der man mal davon ausgeht, dass sie sich für mehr Demokratie und Menschenrechte einsetzt. Aber auch da ist der Status der Rohingya extrem umstritten, es gibt dort ebenfalls eine starke Strömung, die sagt, dass das keine ethnische Gruppe ist. Demnach dürfen sie keine Rechte bekommen. Es geht nur darum, sie so bald wie möglich dahin zurückzuschicken, wo sie hergekommen sind. 

derStandard.at: Aung Suu Kyi hat vergangene Woche in ihrer ersten Parlamentsrede den Schutz ethnischer Minderheiten gefordert. 

Delius: Aber sie hat die Rohingya nicht beim Namen genannt. Und dann gibt es wieder das Problem, dass sie nicht als ethnische Minderheit wahrgenommen werden. 

derStandard.at: Sind die Rohingya überhaupt politisch vertreten?

Delius: Ja. Es gibt mehr als ein Dutzend von Parteien und Bewegungen im In- und Ausland. Sie setzen sich für die Rechte der Rohingya ein, sie können aber nicht unter dem Titel "Rohingya" agieren. Das würden die Behörden nicht anerkennen. 

derStandard.at: Das klingt so, als wäre das ein Schimpfwort. 

Delius: Wenn man das Wort "Rohingya" erwähnt, dann ist man schon entlarvt als jemand, der sich für die Menschenrechte der Rohingya einsetzt. Besonders erschreckend sind jetzt diese Auswüchse in den neuen sozialen Medien, die aufgrund der nun entstandenen Medienfreiheit in Burma möglich geworden sind. Personen, die sich für die Rohingya einsetzen, werden im Internet grob diffamiert als Hundesöhne oder Untermenschen. So ein blanker Hass ist mir wirklich selten untergekommen.

Im Bild: Burmesische Flüchtlinge demonstrieren in Thailand gegen die Rohingya (© EPA/Sangnak)

derStandard.at: Sie waren schon mehrere Male in Burma. Was für Zustände haben Sie in der Krisenregion Rakhine vorgefunden?

Delius: Die Rohingya haben dort keine Bürgerrechte. Das bedeutet, sie können nicht einfach heiraten, sie müssen zuerst eine Erlaubnis von den Behörden einholen. Das ist sehr, sehr schwierig, auch wenn man Schmiergelder zahlt. Haben die Ehepartner diese Hürde genommen, müssen sie sich verpflichten, maximal zwei Kinder zu bekommen. Wenn sie sich nicht daran halten, drohen Haftstrafen bis zu fünf, sechs Jahren. 

Sie können auch nicht frei ihre Dörfer verlassen, auch dafür benötigen sie eine Genehmigung. Sie erhalten keine Ausweispapiere, können sich daher im Land nicht frei bewegen, und eine Reise ins Ausland ist legal nicht möglich. Sie haben auch keine Chance auf eine Anstellung im öffentlichen Dienst, gleichzeitig leiden sie aber immer noch unter Zwangsarbeit, die in weiten Teilen Burmas eigentlich schon abgeschafft wurde. Sie haben also einen Status von staatenlosem Freiwild. 

derStandard.at: Eine gemischte Hochzeit zwischen Rohingya und Birmanen wird es dann vermutlich nicht geben. 

Delius: So ein Paar ist mir auf jeden Fall nicht untergekommen. Ein Grundproblem hier ist ja mangelnde Kommunikation. Die ethnischen Gruppen wissen voneinander einfach zu wenig, deshalb kommt es auch zur Ausgrenzung. Die Rohingya fallen zudem im Alltag durch ihre Kleidung, durch ihre Sprache, durch ihre Kultur im Allgemeinen auf, so dass sie da schnell ausgegrenzt werden. 

derStandard.at: Wie sieht es mit der Infrastruktur in Rakhine aus?

Delius: Die Situation ist in Burma prinzipiell sehr schwierig, in Rakhine ist das noch eine Spur schlimmer. Ein paar Zahlen, um das zu verdeutlichen: Im nördlichen Bezirk von Rakhine werden 280.000 Menschen von zwei Ärzten betreut, im südlichen Bezirk kommen auf 430.000 Menschen drei Ärzte. Die Sterblichkeitsrate ist dort zwei- bis dreimal höher, und die Analphabetenrate unter den Rohingya liegt bei etwa 80 Prozent. Viele Kinder haben Schwierigkeiten, überhaupt die Schule besuchen zu dürfen.


Im Bild: Muslime in Indonesien demonstrieren für die Rohingya (© AP/Syuflana)

derStandard.at: Welche NGOs sind vor Ort tätig?

Delius: In dieser Region zu helfen ist sehr schwierig, deshalb sind dort nicht viele NGOs vor Ort. Die Malteser-Nothilfe etwa ist dort sehr aktiv. 

derStandard.at: Wo liegt da genau das Problem?

Delius: Unter den Mitarbeitern sind auch Rohingya und Buddhisten, die untereinander verfeindet sind. Man muss bei der Planung jedes Projekts also sehr behutsam vorgehen, damit es unter den Helfern nicht zu Ärger kommt. Oder damit die Leute, denen geholfen werden soll, nicht die Unterstützung ablehnen, weil die Helfer einer anderen Ethnie angehören, denen man dann vorwirft, das Essen zu vergiften. 

derStandard.at: Die aktuellen Unruhen sind dann nur die logische Konsequenz dieses feindseligen Klimas. 

Delius: Natürlich. Drei Rohingya-Männer haben anscheinend eine buddhistische Frau getötet. Sie wurden zum Tode verurteilt, und die Unruhen gingen los. Sie wurden sogar so massiv, dass die Behörden eingegriffen haben. Natürlich aufseiten der Buddhisten. 

derStandard.at: Gab es bereits früher Unruhen ähnlichen Ausmaßes?

Delius: Es gab Ende der 1970er Jahre und Anfang der 1990er Jahre zwei große Fluchtwellen. Dem vorausgegangen sind umfangreiche Verfolgungsaktionen gegen die Rohingya, die vom Staat ausgegangen sind. 

derStandard.at: Hat da der Staat allein agiert?

Delius: Nein, da haben Teile der buddhistischen Bevölkerung immer mitgemacht. 

derStandard.at: Kam es denn nie zu einer Annäherung?

Delius: Es ist chronologisch betrachtet eher schlimmer geworden. In den 1940er Jahren hat die Ausgrenzung begonnen, in den 1960er und 1970er Jahren wurde sie perfektioniert, und im Jahr 1982 wurde durch das Staatsbürgerschaftsgesetz die legale Basis geschaffen, um den Rohingya die Staatsbürgerschaft zu verweigern.

Wenn Aung Suu Kyi sagt, es muss auch in Rakhine zur Herrschaft des Rechts kommen, dann ist das eine sehr zwiespältige Aussage. Denn vom Gesetz her ist das ja alles legal. 

derStandard.at: Wo sollen die Rohingya denn hin?

Delius: Das ist die Frage, die sich die Rohingya auch stellen. Denn keiner will sie. Im Nachbarstaat Bangladesch ist die Politik total gekippt. In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Rohingya noch großzügig aufgenommen, heute werden sie an der Grenze inhaftiert und dann zurückgeschickt, oder sie werden gleich zurückgeschickt. Auch Thailand schickt sie wieder auf das Meer zurück. Selbst in muslimischen Ländern wie Malaysia oder Indonesien haben sie große Schwierigkeiten, Flüchtlingsstatus zu erhalten.


Im Bild: Männer der Rohingya kurz vor ihrer Abschiebung durch Bangladesch (© AP/Das)

derStandard.at: Wie verhält sich die internationale Gemeinschaft in diesem Konflikt?

Delius: Die kritischen Stimmen werden mehr. Viele sagen, dass dieser Konflikt die Demokratisierung des Landes ernsthaft gefährden könne. Das UNO-Flüchtlingskommissariat UNHCR ist da sehr deutlich in seiner Kritik, und nun wächst auch in einigen muslimischen Staaten der Druck, sich kritisch zu äußern. Das führt zwar zu solchen Absurditäten, dass die Taliban in Pakistan ihre Männer mobilisieren. Die versuchen, dieses Thema für sich zu nutzen. Oder der Iran, der 2009 sein Herz für die Uiguren in China entdeckt hat und nun halt eben für die Rohingya. Das ist teilweise eine sehr seltsame Entwicklung, aber insgesamt zeigt es, dass dieses Thema auch in der muslimischen Welt immer wichtiger wird.

Auch die Islamische Konferenz ist aktiv, die ASEAN (Verband südostasiatischer Staaten, Anm.) hat auf Druck von Indonesien nun gefordert, dass Burma sich zu diesem Thema offiziell äußern soll.

derStandard.at: Wie sieht es mit den westlichen Staaten aus?

Delius: Da sind momentan alle darauf fixiert, möglichst schnell möglichst viel in Burma zu investieren, um das Land aus dem chinesischen Zangengriff zu lösen und selbst von den dortigen Reservoirs an Rohstoffen zu profiteren. Das verhindert, dass das Thema Rohingya höher gehängt wird. Deshalb gibt es auch keine einheitliche Position der EU. Die hat Anfang Juni die burmesische Führung sogar noch gelobt, wie zurückhaltend sie in diesem Konflikt agiert. Dabei hat sie eindeutig Partei ergriffen. 

derStandard.at: Für die Rohingya sieht es also weiterhin düster aus?

Delius: In Burma selbst sind sie nicht in der Lage, diesen populären Diskurs zu überwinden. Es braucht großen Druck aus dem Ausland, vor allem von der ASEAN. 

derStandard.at: Wie sieht es mit den USA aus?

Delius: Außenministerin Hillary Clinton äußert sich natürlich dazu. Aber im gleichen Atemzug sagt sie auch, dass US-Erdölkonzerne ins Land gelassen werden sollen. Das ist das Problem bei der internationalen Staatengemeinschaft: Solange es in diesem Konflikt nicht weiter eskaliert, wird es zu keinen Sanktionen kommen, weil die Wirtschaftsinteressen wichtiger sind. Die einzige Hoffnung ist die ASEAN, wenn die Nachbarstaaten Burmas den Druck erhöhen. Da hat sich in den letzten Wochen schon einiges getan. Es gab da viele kritische Stimmen, vor allem von hochrangigen Politikern in Indonesien. Das ist so ein kleiner Hoffnungsschimmer. (Kim Son Hoang, derStandard.at, 30.7.2012)

Ulrich Delius ist Asien-Referent der Menschenrechtsorganisation "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV), für die er seit 1986 tätig ist. Er war bereits mehrere Male in Burma, um sich vor Ort ein Bild der Menschenrechtslage zu machen.

Hintergrund

Seit mehr als 200 Jahren leben die Rohingya im Grenzgebiet des heutigen Burma. Die willkürliche Grenzziehung erfolgte durch die früheren britischen Kolonialherren. Heute besteht die burmesische Bevölkerung zu 89 Prozent aus Buddhisten. Vier Prozent der Bevölkerung sind Muslime, zu denen auch die schätzungsweise 750.000 Rohingya gehören. Seit der Unabhängigkeit Burmas im Jahr 1948 mussten etwa eineinhalb Millionen Rohingya das Land verlassen.

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der mensch hat mit seinem wissen so viel geschaffen...

und doch ist er nicht im stande einen anderen zu akzeptieren..geschweige denn ihn als mensch an zusehen

Da gibt es aber wesentlich mehr "Gleichnisse" zu den Christen.

Es ist halt aktueller und für die "Selbstbeweihräucherung" interessanter von dieser Gruppe zu berichten als von den Minderheiten in muslimischen Ländern wo es seit 20 Jahren einige Tote und verbrannte Krichen gab.

nicht mehr als in christlichen ländern. nur in den ländern, wie deutschland, sind die behörden etwas geschickter und vertuschen alles.

könnte ja einen aufstand geben, daher wird so einiges verheimlicht.

manchmal kommt dann doch raus dass der staat ein paar türken umbringen lassen hat, so könnte man meinen, und zack werden alle beweismittel inklusive täter vernichtet.

von daher brauchen sie nicht erst in muslimisch geprägte länder mit dem finger zeigen. die meisten, fast alle muslimisch geprägte staaten, sind dikaturen die nach dem ersten weltkrieg von england, frankreich und später auch usa und russland eingerichtet worden sind. dort werden komischer weise auch mehr moslems vervolgt als alles andere.

bestes beispiel, syrien!

.

Mühsam. Da hat sich einer ausgetobt. Ich würde mich schön bedanken, wenn in einem burmesischen Artikel statt von "den Österreichern" von "den Christen" die Rede ist. Ja ja Prozente hoch. Na wumm.

Bei und mit Religion

...hört der gesunde Menschenverstand auf zu funktionieren... :-\ (egal, um welche Religion es sich handelt)

Bevor man diesen Artikel ließst, sollte man sich lieber Rambo 4 ansehen. Spielt auch in Burma und es geht so richtig die Post ab.

Es ist auch intressant zu erkennen, dass stetig, egal aus welchen Grund, die Shaira erwähnt wird und die "Aggressivität des Islams" gepriesen wird. Gleichsetzung auf alle, die sich auf bestimmte Stereotypen aufbauen?!

Schon einmal gedacht, dass der Südostasiatische Islam sich komplett anders verhält...

Naja, wenn jemand von "Die Moslems" redet und nicht mal die individuelle Kultur in Betracht zieht, die der Scharia folgen kann oder nicht, streng muslimisch sein kann oder nicht, Gleichberechtigung für Nichtmoslems oder Nichtmänner vorsehen kann oder nicht...dann weißt du schon, dass das ein Rassist sagt und jedes Gespräch überflüssig ist. (Oder nicht? Sollte man den Wahnsinn unkommentiert lassen?)

wertesystem

um sich wirksam auf der werteebene gegen gewalt und diskriminierung zu schützen ist nicht der buddhismus notwendig, der in den asiatischen heimatländern keine demokratie hervorgebracht hat, sondern dass durch die aufklärung geschaffene wertesystem, dem sich die religionsgemeinschaften einfügen müssen. der buddhismus schützt auf der werteebene nicht davor (s. tibet, japan im faschismus, sri lanka und burma jetzt etc.), sondern nur vom staat gestützte werte, die aus dem langen europäischen emanzipationskampf kommen. dies ist auch der (tiefere) sinn des systems der staatlich anerkannten religionsgemeinschaften.

Sind die europäischen Wertepraktiken gleich wie das vorgegebene Wertesystem?

Highlights des EUMC-Berichts „Muslime in der Europäischen Union: Diskriminierung und
Islamophobie“
...Viele europäische Muslime sind - unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft und ihrer Einstellung zur Religion - Diskriminierung in den Bereichen Beschäftigung, Bildung und Wohnungswesen ausgesetzt...
... Rassismus, Diskriminierung und gesellschaftliche Marginalisierung stellen eine
ernsthafte Bedrohung für die Integration und den Zusammenhalt der Gesellschaft dar...
http://fra.europa.eu/fraWebsit... hts-DE.pdf
Vielleicht sollten wir mit der europäischen Empation noch ein wenig abwarten und sich mit dem Ethno- und Eurozentrismus beschäftigen?

meine perspektive und die zielrichtung meines arguments war eine andere:
nicht aus einem religiösen wertesystemen, durch die keinerlei demokratische traditionen hervorgebracht wurden, kann diskriminierung wirksam entgegengetreten werden, sondern nur aus dem durch europ. aufklärung gewonnenen. dies impliziert natürlich nicht schon einen zustand der freiheit von diskriminierung, - im gegenteil: da dies der fast "natürliche" gang einer sozialen dynamik ist, heißt dies sich immer darum bemühen. wie eben auch um die demokratie, die ja auch nicht fix und fertig vor einem steht.

Man sollte vielleicht auch einmal zur Kenntnis nehmen

dass gewalttätiger Rassismus keine spezifisch europäische Erscheinung ist.

Die Rohingya mögen eine ethnische Minderheit sein oder nicht, ihre Verfolgung hat dieselbe Methode wie überall anders wo auch: Eine autochthone Bevölkerung fürchtet sich davor, von einer armen Unterschicht ausgebootet zu werden und entwickelt ein System der Diskriminierung, der Gewalt und des Hassdiskurses mit dem diese Minderheit permanent bedroht werden kann.

Dass der Buddhismus den Islam als ganz besonders massive Bedrohung wahrnimmt ist auch nicht neu. In Myanmar brandschatzten von buddhistischen Mönchen angeführte Mobs muslimische Dörfer, als die Taliban in Bamiyar die Stauen in die Luft sprengten.
Buddhismus ist Gewalt und Unterdrückung.

Was ist Buddhismus?

Mhm, vor allem weil das worum es hier geht, also Rassimus, extrem viel mit "Buddhismus" zu tun hat.

Was man daraus schließen kann ist, dass die Mehrheitsgesellschaft immer auch die Religion als Abgrenzungsmerkmal missbraucht.

Oder ist das Christentum nach dem Holocaust auch "Gewalt und Unterdrückung"?
Oder der Kommunismus nach der Kulturrevolution?
Oder der Islam, weil sie etwa diese Statuen sprengten?

Mit der Anleitung, die Buddha einst anbot, um uns vom Leid des Lebens loszulösen, hat das alles nix zu tun, weder die goldenen Pagoden in Bangkok, noch die Gelbmützen in Tibet und das schon gar nicht. Dharma braucht keine Menschen, keine organsierte Religion.

Dass die Religion mit ihrer Praxis nix zu tun hätte

ist eine typisch westliche um nicht zu sagen eurozentristische Sichtweise, die aus der Tradition kommt, dass Religion und Politik immer als unterschiedliche Sphären betrachtet werden.
Diese Unterscheidung existiert außerhalb Europas praktisch nirgends. Wo religiöse Praxis mit der politischen zusammen fällt, so wie bei den burmesischen Buddhisten ist Religion (oder Kult oder Spiritualität) natürlich handlungsleitend. Das Ermorden, Foltern und Vergewaltigen anderer ist Ausdruck der religiösen Praxis im Dienste des Kults. Wer nicht dazu gehört ist Freiwild, kein Mensch und darf daher ohne Gewissensbisse angegriffen werden.

endlich

Endlich mal ein realist, der weiß, wozu religion wirklich gut ist

Ich nehme Religion sehr ernst, schließlich bin ich selbst ein gläubiger Mensch

Die Behauptung, dass niemand "organisierte Religion" braucht ist falsch. Religion ist der Name einer Praxis, die Individuen zu Gemeinschaften formt, anders gesagt: Es gibt keine andere außer "organisierter Religion". Niemand wird alleine glücklich oder findet Sinn darin, im Nichts zu verschwinden, insofern gibt es gute Gründe das Angebot des Gautama Bhudda abzulehnen.

Sie sprechen es aus

Feiglinge, die entgegen aller Tatsachen sich nicht damiit abfinden können, daß es irgendwann einmal bums macht und die eigene kostbare Existenz nicht mehr da ist, brauchen Religion. Zusätzlich brauchen die Religion, die einen guten Grund brauchen, andere Leute zu bekriegen anstatt zu arbeiten. Führend dabei waren und sind bis heute in dieser Disziplin die monotheistischen Religionen. Obwohl ich nicht daran zweifle, das es ein solches Religionsverständnis auch im Buddhismus gibt. Ja, und ich betrachte Nationalismus auch als Religion.

Es geht nicht darum "im Nichts zu verschwinden", sondern um ein Angebot die Anhaftung und damit das Leid zu überwinden.

Und wenn Sie darin kein gutes Angebot für Sie finden, ist das okay - nur bitte erzählens nicht auch gleich, dass das "für jeden ein Blödsinn ist". Genausowenig wie ich ihnen als Buddhist nicht aufzwingen werde, dass es keinen Gott gibt, wiewohl das meine tiefe Überzeugung ist!

Bei mir steht nigendwo, dass "das ein Blödsinn ist"

Erstens können sie mir nichts aufzwingen, darum ist dieser angebliche Toleranzbeweis nichts anderes als Aggression und zweitens ist das buddhistische Angebot die Anhaftung und damit das Leid zu überwinden sehr wohl ein Verschwinden im Nichts. Aber ich habe nirgendwo kritisiert, dass das jemand glaubt, ich sagte lediglich, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass damit jemand Glück, Liebe und Gemeinschaft erlebt außer derjenigen, die dieses Prinzip ständig durch ihre Praxis widerlegen.
Und wenn sie nicht an Gott glauben, ist das nichts was ich jemals kritisieren würde. Es geht nicht um Glauben oder Ideologie, es geht darum, was die Praxis ist. Und hier sieht es für den Buddhismus wirklich düster aus. Buddhismus ist Gewalt und Unterdrückung.

aha. schauen sie, niemand zwingt ihnen was auf, ich wünsch ihnen alles gute.

ich würde sie nur ersuchen, meine "praxis" - die auch eine buddhistische ist - im gegenzug nicht als gewalt und unterdrückung zu bezeichnen, ich wüsste nicht wen meditation unterdrückt.

Es ist dasselbe wie mit der katholischen Kirche

Ich mag es als Katholik als Zumutung empfinde, wenn immer wieder darauf herum geritten wird, dass es Kindesmissbrauch in katholischen Einrichtungen gab, denn ich hab ja schließlich keine Kinder missbraucht, aber die wenigsten Katholiken würden von vornherein annehmen, dass diese Missbrauchsfälle nichts mit der Praxis der katholischen Kirche zu tun haben, also damit wie Priester leben und welche Menschen in diesen Verhältnissen Chancen zum Missbrauch bekommen.

Anders gesagt: Obwohl ich mich keines Verbrechens schuldig gemacht habe, hat meine Religion sehr wohl etwas damit zu tun wie, warum und von wem sie "missbraucht" wird.

Die UNO...

Hat das von islamischen Ländern dominierte Human Rights Council der UN auch noch ein anderes Thema gefunden als Israel?

Wobei ich jetzt auch nicht sehe, worin sich die Lage der Rohingya substantiell von jener der Bahai im Iran oder der christlichen Karen in Birma, der Christen im Sudan etc. unterscheidet.
Übrigens sind so gut wie alle Grenzen künstlich (dazu müssen sie nicht mal nationalstaatliche sein).
Einige in Europa sind erst rund 100 Jahre alt oder noch jünger (wie gerade ein Mitteleuropäer wissen sollte).

Nur weil sie etwas nicht sehen, bedeutet das nichts für den Rest der Welt.

rot für die depperte eingangsfrage

Kann ich verstehen wenn du denkst, es wäre keine rhetorische Frage gewesen. ;)

Jedenfalls musste das Vorläufergremium der UNO vor einigen Jahren aufgelöst werden, gerade auch deshalb.

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