Studie: Die Popmusik wird immer unorigineller

29. Juli 2012, 12:08
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Spanische Forscher untersuchten eine halbe Million Songs von 1955 bis 2010 - Zahl der Akkorde und Melodien laufend gesunken

Paris - Und noch eine wissenschaftliche Studie zur zeitgenössischen Popmusik: Nachdem Berliner Forscher vor kurzem festgestellt hatten, dass der Anteil fröhlicher Songs in der Popmusik seit den 1960er Jahren gesunken sei, legen nun spanische Kollegen nach. Ihre Analyse ergab zwei Ergebnisse: In den Charts gehe es erstens immer lauter zu. Und zweitens - Nostalgiker glaubten es ja schon immer zu wissen - auch immer unorigineller.

Die Studie unter der Leitung von Joan Serrà vom Nationalen Spanischen Forschungsrat beruht auf der Computeranalyse von fast einer halben Million Liedern aus den Jahren 1955 bis 2010. Neben Pop- und Rockmusik wurden auch HipHop, Metal und elektronische Musik berücksichtigt. Die im Online-Wissenschaftsmagazin "Scientific Reports" veröffentlichte Studie war dabei allgemeinen Mustern der Musik gewidmet, einzelne Titel oder Interpretennamen wurden nicht genannt. 

Gallige Empfehlung

Und das Ergebnis: Die Vielfalt an Akkorden und Melodien sei im Untersuchungszeitraum beständig zurückgegangen. "Vieles deutet auf einen bedeutenden Anteil von Schablonenhaftigkeit bei der Entwicklung und Produktion zeitgenössischer westlicher populärer Musik hin", lautet ein Fazit. Dafür sei die Aufnahme-Lautstärke über die Jahre hinweg stetig angestiegen.

Serrà gab angesichts der ernüchternden Ergebnisse seiner Studie gleich noch eine Empfehlung ab, wie ein altes Lied "modern" gemacht werden könnte. Das simple Rezept: Die meistverbreiteten Akkorde nutzen, die Instrumente weiterentwickeln und alles einfach lauter aufnehmen.
 (APA/red, derStandard.at, 29. 7. 2012)

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