Jump-Start in der Funkbranche

27. Juli 2012, 17:01
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T-Mobile-Boss Robert Chvátal ist die Work-Life-Balance aus dem Lot geraten. Er geht zurück nach Prag. Seinen Posten übernimmt Ex-AUA-Vorstand Bierwirth

"Um die Meere zu erkunden, musst du die Küste verlassen", mailte Robert Chvátal in dieser Woche seinen Mitarbeitern, um seinen persönlichen Aufbruch von den Küsten des großen Mutterschiffs Deutsche Telekom anzukündigen. Passend zum Abschluss "Ahoj" - der tschechische Gruß. Nach insgesamt 15 Jahren im Konzern, davon zwei Amtsperioden in Österreich, räumt Chvátal mit September den Chefsessel in Österreich - nicht wie sonst üblich nach Abberufung, sondern weil seine Work-Life-Balance aus dem Lot geraten war. Die Familie siedelt zurück nach Prag, dort soll die ältere Tochter Karolina im Herbst mit der Schule beginnen, seine Frau Ivanka, eine bekannte tschechische TV-Moderatorin, kann wieder an ihre Karriere anschließen. Nicht alltäglich: Nun geht die Familie vor. Der 43-Jährige selbst gönnt sich ein Sabbatical.

Chvátal sah sich gern als Kapitän der rund 1400 T-Mobile-Mitarbeiter, ein Großteil davon im oft als "Schiff" beschriebenen Domenig-Bau am Wiener Rennweg.

Kein Schönwetterflug

Ob ein "Pilot" - als solcher wird derzeit sein Nachfolger, der 41-jährige Bankkaufmann und Betriebswirt Andreas Bierwirth bezeichnet - sich im Führungsstil wesentlich unterscheidet, wird sich noch zeigen. Bierwirth ist tatsächlich bei der Lufthansa ausgebildeter Berufspilot. Zwischen Abflug bei der AUA und Landung bei T-Mobile ging er bei der Bedarfsfluglinie Avcon Aviation seinem ursprünglichen Brotberuf nach. Im März hatte Bierwirth (drei Kinder), der in Schwechat lebt, den AUA-Vorstand im kolportierten Dissens über Sparkurs und Strategie verlassen. Gemütlich wird es an der Spitze des zweitgrößten Marktteilnehmers voraussichtlich nicht: Preisschlachten, Anbieterkonzentration, sinkende Margen und die Notwendigkeit ,für die Neuversteigerung der Funklizenzen 2013 Geld in die Hand zu nehmen, sind die Umweltbedingungen Bierwirths, der angeblich via Deutsche-Telekom-Boss und Landsmann René Obermann schnell ins Rennen um den Job kam. Doch zunächst nach innen, in die ganz neue Branche: Er setze voll auf die Unterstützung der T-Mobile-Leute - dass er " eigentlich keine" Zeit fürs langsame Einarbeiten habe, sei ihm bewusst, sagt er im Gespräch mit dem Standard. Im August durchläuft er ein " Onboarding"-Programm, dennoch werde er "die ein oder andere Frage mehr" stellen müssen. Als "Branchenneuling" werde er sich mit frühzeitigen öffentlichen Äußerungen zurückhalten, es gehe nun um das Gewinnen von Vertrauen intern und extern.

Lernkurven

Vertrauen zu schenken und auf Menschen zuzugehen sei sein Weg zu den Mitarbeitern, wobei "eine berechenbare Linie" für ihn zentral wichtig ist. Natürlich müsse man ein "Menschenfreund" sein, um führen zu können, individuell sei Respekt unumgänglich. Auf die Frage, ob seine Rolle Macht bringe, Macht benötige, sagt er: "Was ist schon Macht? Verantwortung beschreibt das eher." Er sehe sich wie einen Trainer, Manager in einem Profi-Fußballverein: Letztlich müssten die Spieler die Tore schießen respektive verhindern.

Seinen vorzeitigen Abschied aus dem AUA-Vorstand bezeichnet er als " persönliche Niederlage - keine schöne Erfahrung, aber eine wichtige". (Karin Bauer, DER STANDARD, 28./29.7.2012)

  • Robert Chvátal (rechts) gibt der Familie nun mal den Vorrang. Andreas Bierwirth übernimmt den Chefsessel der T-Mobile in Österreich: im von Preisschlachten geprägten Markt, der demnächst vermutlich die Übernahme von Orange durch Hutchison bringt plus eine anstehende Neuversteigerung der Funklizenzen, nicht gerade ein Schönwetterflug für den Berufspiloten.
    foto: t-mobile/gerald y. plattner

    Robert Chvátal (rechts) gibt der Familie nun mal den Vorrang. Andreas Bierwirth übernimmt den Chefsessel der T-Mobile in Österreich: im von Preisschlachten geprägten Markt, der demnächst vermutlich die Übernahme von Orange durch Hutchison bringt plus eine anstehende Neuversteigerung der Funklizenzen, nicht gerade ein Schönwetterflug für den Berufspiloten.

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