Tanz als Weltpraxis gegen die Monokultur

27. Juli 2012, 18:41
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Der grandiose "Österreich-Pavillon" im Hernalser Gschwandner

Wien - Auf ihren Höhepunkt steuert die dieses Jahr in das Impulstanz-Festival eingebettete Choreographic Platform Austria (CPA) im ehemaligen Etablissement Gschwandner in der Hernalser Geblergasse zu. Die Plattform zeichnet konzentriert, was man sich sonst mühsam zusammensuchen muss: ein - wenn auch nicht vollständiges - Bild der österreichischen Tanzszene. Bisher zu sehen waren Arbeiten von Raúl Maia und Thomas Steyaert, Florentina Holzinger, Anne Juren sowie Philipp Gehmacher.

Im Gschwandner ist ein Österreich-Pavillon eingerichtet. Dort kommt jetzt, aufgestellt von der Kuratierung durch Michael Stolhofer mit Christine Standfest, sozusagen die Perfektion zum Tanz.

Das heißt, an drei Tagen konzentrierte Präsentationen von Beispielen aus der Werkpraxis der österreichischen Choreografie. Diese bricht zwei ekelhafte Reinheitsgebote: das der geburthaften und das der ästhetischen Provenienz.

"Philosophie der Banane"

Österreichischer Tanz kommt also auch aus Chile, Estland, Japan, Frankreich, Kanada, Kongo, Polen, Portugal, Russland, Salzburg und Wien. Und er ist außer im eigenen Genre in der bildenden Kunst, im Film, im Theater und in der Musik verankert.

Wie alle anderen Gegenwartskünste versucht der Tanz eine Weltpraxis. Die findet, obwohl das vielen Monokulturalisten am rechten politischen Rand nicht passt, ebenso in Österreich statt. Da fährt im Gschwandner einmal Elisabeth Tambwe mit ihrer "Philosophie der Banane" dem postkolonialen Rassismus ans Gestell. Oder stampft der Grande der schmutzösterreichischen Bewegungsbild-Performance, Julius Deutschbauer, wie naturgegeben einen abseitigen Austrophobie-Vergnügungspark aus der nassen Erde.

Glanzlichter der austropolnischen Choreografie sind Magdalena Chowaniec und Agata Maszkiewicz. Die Erstere erodiert mit ihrem Partner Mathieu Grenier den Schmalz des wettbewerblichen Standardtanzes. Die Zweite ist mit ihrer antinationalistischen Arbeit From A. to P. eine Protagonistin der CPA. Mit Stephanie Cumming in ihrem gelungenen, sehr politischen Aurora Borealis-Solo. Überaus gelungen war am ersten Tag auch die Installationsperformance Watch! The Poster Show der Salzburgerin Lisa Hinterreithner.

Das Festival Impulstanz hat den österreichischen Tanz durch diese Einbettung in einen internationalen Parcours der zeitgenössischen Choreografie in den Hexenkessel eines direkten Wettbewerbs geschickt. Aber schon zur Halbzeit der CPA kann nach Abzug aller nötigen kritischen Aspekte gesagt werden, dass diese Bewährungsprobe locker bestanden wurde.  (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 28./29.7.2012)

Österreich-Pavillon noch einmal am 29. 7.

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