Das Haupt von Scheuch im Großvenediger

Kolumne27. Juli 2012, 17:28
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Mount Rushmore in den Alpen

Ende Juli ist es, hoch an der Zeit also, über die Berge zu schreiben. Der Sommer ist Bergsaison. Im Sommer stößt man in den Bergen nicht nur auf das übliche Alpinpersonal (Forcher-Sepp, Hinterseer-Hansi, Heidi, Helmi, Hirni, Öhi, Ötzi und Yeti), sondern auf Ossis und Niederländer, denen es gefällt, wenn sie einmal nicht auf ihre grauen Grachten gaffen müssen, sondern zur Abwechslung in unsere schönen Schluchten schauen können.

Höchster "Berg" der Niederlande (mit Ausnahme des Mount Scenery in den Antillen, aber der gilt nicht wirklich)? Der Vaalser Berg mit heißen 322 Metern! Tut leid, aber zu so etwas sagen wir nicht einmal Hügel, liebe Freunde aus Amster- und Rotterdam!

Der Franzose Flaubert hat sich einst in einem Brief an den Russen Turgenjew despektierlich über die Alpen geäußert: "Die Alpen stehen in einem Missverhältnis zu unserem Individuum. Zu groß, um uns nützlich zu sein. Nun haben sie zum dritten Mal eine unangenehme Wirkung auf mich. Ich hoffe, es ist das letzte Mal." Hier irrt Flaubert fatal. Denn natürlich sind uns die Berge nützlich.

Man kann sie besteigen, Tunnels durch sie bohren, ihnen seltsame Namen geben (Großer Geiger, Schwarzes Hörndl, Böses Weibl usf.), man kann (Ulrichsberg) Nazitreffen auf ihnen zelebrieren oder Hütten auf ihnen bauen und sich dann in den Hütten eine derartige Schnapsrakete andüdeln, dass man bei der Talfahrt mit dem Mountainbike locker vier bis sechs Murmeltiere über den Haufen brettert.

Ja, man kann Berge sogar mit Figuren verzieren wie die Amis, die kurzerhand ihre liebsten Staatsmänner in den Mount Rushmore gemeißelt haben! Das war nicht nur eine starke politische Ansage, sondern auch ein Coup im Dienste des lokalen Tourismus, den wir ihnen nachmachen sollten. Statt Washington, Jefferson, Lincoln und Teddy Roosevelt nehmen wir einfach unsre Besten.

Ist nur die Frage, wen. Es soll sich keiner zurückgesetzt fühlen. Elegant wäre das Kärntner Quartett Dobernig, Dörfler, Martinz und Scheuch, pittoresk von Studenten der Montan-Uni Leoben in den Großvenediger gestanzt. Auch die Schwarz-Blau-Gedächtnisvariante mit den in den Kahlenberg gesprengten Konterfeis von Haider, Schüssel, Strasser und Grasser hätte Charme. Eine große Epoche österreichischer Politik, in Stein verewigt. Und fast zu schön, um wahr zu sein.  (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 28./29.7.2012)

 

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