Was Facebook zum Geldmachen fehlt

Kommentar27. Juli 2012, 14:07
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Solange die Userdaten kein Werbeschmiermittel sind, wird der Aktienkurs weiter sinken

Die Aktie fällt und fällt. Schlechte Nachrichten für Facebook. Der Millionenverlust, den die Kalifornier am Donnerstag vermeldeten, beunruhigt die Anleger dabei weniger als die Frage, wie Facebook überhaupt Geld verdienen wird. Nicht, dass man bis dato keine Umsätze generiert hätte. Man hat es nur noch nicht mit den für Facebook wichtigsten Nutzern getan: Den Smartphone-Usern. Obwohl jeder zweite der einen Milliarde aktiven Nutzer über iPhone und Co. auf Facebook zugreift, schaltet das Unternehmen erst seit Juni Werbung über die kleinen Alleskönner.

Facebook tut sich schwer damit, Werbung auf das Smartphone zu bringen. Denn im kompakten Display fällt die Werbung viel mehr auf. Und genau das darf nicht passieren. Auf Facebook will man unter sich sein, die Fotos der letzten Party sehen oder skurrile Musikvideos teilen. Den User da mit Namen und Profilfoto als Werbeträger zu verwenden, wie in der PC-Version üblich, wird noch weniger gut ankommen. Wir kennen das, in den letzten Wochen beglücken uns "Gefällt-mir"-Bekundungen unserer Freunde, die mit ihrem Konterfei irgendeine Automarke oder eine Drogeriekette gut finden. Facebook droht sich hier einen Bock zu schießen. Denn am Desktop goutiert man die Werbung vielleicht noch, am Smartphone verdreht man die Augen. Nur fünf Prozent der User finden personalisierte Werbung gut.

Daten sind das neue Öl

Irgendwie muss aber Geld verdient werden. Die 4.000 Facebook-Mitarbeiter arbeiten nicht gratis. Und dass die Investoren Geld sehen wollen, darf ihnen auch nicht übel genommen werden. Schließlich haben sie am 18. Mai, dem Tag, an dem das Unternehmen an die Börse ging, Milliarden investiert. Für einige wenige dürfte es ein Fanartikel im Portfolio gewesen sein, die meisten sind aber einem anderen Credo gefolgt: Daten sind das neue Öl. (Max Schrems ©) Und Facebook hat die größten Reserven. Solange sie aber kein Werbeschmiermittel sind, wird auch der Preis - in ihrem Fall der Aktienkurs - weiter sinken.

Facebook wird also versteckte Wege gehen müssen. Am besten getarnt ist man in den Handys selbst. "So tief wie möglich integriert" will Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Googles Android und Apples iOS sein. Auf diesen Betriebssystemen laufen 90 Prozent aller Smartphones. Um dem Vorschub zu leisten, müssten die Kalifornier aber auch ein eigenes Smartphone kreieren. Es geht auch weniger darum, ein Facebook-Handy zu verkaufen. Es geht darum, die Software der Zukunft mitzugestalten. Vom Google-Handy redet heute auch keiner mehr. Android ist aber Marktführer. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 27.7.2012)

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