Das perfekte Sprungbrett

  • Terence Boyd sieht Wr. Neustadt.
    foto: apa/neubauer

    Terence Boyd sieht Wr. Neustadt.

Heimo Pfeifenberger kann als Trainer von Wiener Neustadt "nur gewinnen". Wobei eine Niederlage am Samstag gegen Rapid überhaupt nicht auszuschließen ist. Ganz sicher entgeht der 45-Jährige, der das Wort "Abstieg" nicht mag, einen Abend lang der Isolation

Wiener Neustadt - Fußball in Wiener Neustadt macht doch Sinn. Mangels Hauptsponsors wird auf den blitzblanken Dressen für soziale Einrichtungen oder Organisationen gratis geworben, am Samstag gegen Rapid sind wie bereits in der ersten Runde die Schmetterlingskinder dran. "Das kommt gut an, die Kinder erleiden Höllenqualen, sie benötigen Aufmerksamkeit", sagt Manager Alexander Gruber. Irgendwann sollte sich freilich ein finanzstarkes Unternehmen erbarmen, das dem Verein Perspektiven gibt. Gruber schätzt die Chance als nicht gerade riesengroß ein. "Die Suche ist momentan unser Sinn. Wir machen uns nichts vor. Wir sind der Abstiegskandidat Nummer eins. Aber das sind wir die nächsten 20 Jahre auch."

Der Manager und andere Vereinsangestellte haben beschlossen, der Depression zu widerstehen. "Andere Klubs haben auch kein schönes Stadion, keine Infrastruktur, keine Akademie, kein Geld." Wiener Neustadt hat strafverschärfend und zusätzlich keine Fans. Daran konnte Frank Stronach, der seine Zahlungen längst eingestellt hat, auch nichts ändern. Was aber eher Selbstverständlichkeit denn Überraschung war. So hängt sich Wiener Neustadt mangels Alternativen das Image um, ein Ausbildungsverein zu sein. "Ein Sprungbrett für die jungen Spieler", sagt Gruber. "Und auch ein Sprungbrett für die jungen Trainer."

Der zweite Teil des Konzepts ist bereits voll aufgegangen. Peter Schöttel sprang zu Rapid, Peter Stöger hüpfte zur Wiener Austria. Gruber. "Wir konnten binnen kurzer Zeit zwei Trainer verkaufen, das ist wohl einmalig in Europa. Vielleicht sogar auf der Welt."

Seit Ende Mai springt Heimo Pfeifenberger durch Wiener Neustadt. Er passt perfekt ins Beuteschema: ehemaliger Internationaler (40 Länderspiele, neun Tore), jung (45), motiviert, leidenschaftlich, erfolgshungrig. Pfeifenberger war nach seinem Abschied von Grödig auf dem Markt. "Natürlich habe ich sofort zugesagt. Einen Job in der Bundesliga bekommt man ja nicht so leicht."

Unter Beobachtung

Der Ex-Salzburger und Ex-Rapidler ist überzeugt, dass die Arbeit eines Trainers mit dem jeweiligen Verein nur am Rande zu tun habe. "Die Tugenden sind immer dieselben. Der unbedingte Siegeswille ist ortsunabhängig. Man will überall etwas weiterbringen." Natürlich sei Wiener Neustadt ein eigenes Pflaster. "Das mediale Interesse könnte größer sein. Ich stehe ab und zu ganz gerne unter Beobachtung." Am Samstag kommt Rapid auf Besuch. Da ist es kurz vorbei mit der Einsamkeit, der Isolation. Knapp 6000 Zuschauer werden erwartet, es könnte schon der Höhepunkt des Saison gewesen sein. Obwohl danach noch 34 Runden anstehen. Pfeifenberger: "Erstmals gegen Rapid auf der Bank zu sitzen ist etwas Besonderes, sicher ein Highlight meiner bisherigen Trainerkarriere. Aber ich bleibe ruhig und gelassen."

Der gebürtige Salzburger weiß, "dass man hier eigentlich nur gewinnen kann. Es sei denn, du verlierst 36-mal." Der Auftakt in Mattersburg ist danebengegangen (0:2). "Wir waren zu brav. Brav passt aber nicht zum Fußball, das ist keine Tugend." In Gesprächen mit seinen Spielern vermeidet er das Wort Abstieg. "Erwähnst du es, ist es präsent und setzt sich in den Köpfen fest."

Kollegen Schöttel bezeichnet Pfeifenberger als "äußerst angenehmen Zeitgenossen", man hat gemeinsam bei Rapid gekickt. Zudem tauge er als Vorbild. "Wiener Neustadt soll auch mein Sprungbrett sein. Ich will und muss diese Chance nützen."

Manager Gruber hat damit kein Problem. "Sollten wir den dritten Trainer verkaufen müssen, heißt das, dass Pfeifenberger gut gearbeitet hat, wir erfolgreich waren und oben geblieben sind." Die Suche nach einem Hauptsponsor genieße Priorität. "Obwohl das mit den Schmetterlingskindern eine wichtige Sache ist. Die Medien haben darüber berichtet." (Christian Hackl, DER STANDARD, 28./29.7.2012)

SC Wiener Neustadt - SK Rapid Wien (Stadion Wiener Neustadt, 18.30 Uhr, SR Ouschan). Saisonergebnisse 2011/12: 0:2 (h), 1:1 (a), 0:0 (h), 1:2 (a)

Wr. Neustadt: Siebenhandl - M. Berger, Kral, Maak, Lenko - Hofbauer, Hlinka, D. Wolf, Rakowitz - Tadic, Friesenbichler

Ersatz: Vollnhofer - Imamoglu, Mimm, Wallner, Pollhammer, Offenbacher, Fröschl
Es fehlt: Ramsebner (rekonvaleszent)

Rapid: Königshofer - Trimmel, Gerson, Sonnleitner, Katzer - Kulovits, Ildiz - Hofmann, Alar, Drazan - Boyd

Ersatz: Novota - Pichler, Schimpelsberger, Schrammel, Heikkinen, Grozurek, Schaub
Es fehlen: G. Burgstaller (aus disziplinären Gründen nicht im Kader), Prokopic (rekonvaleszent)

Share if you care