Zwischen VW und Fiat fliegen die Fetzen

27. Juli 2012, 11:01
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Ruinöse Preisgestaltung und ein Blutbad bei den Margen: Fiat-Chef Sergio Marchionne sieht bei VW rot und handelt sich damit Rücktrittsaufrufe ein

Berlin - Europas größter Autobauer Volkswagen strotzt auch in der schlimmsten Branchenkrise seit Jahren vor Kraft und deklassierte dieser Tage mit einem Gewinnsprung die schwächelnde Konkurrenz. Während andere große Hersteller wie PSA Peugeot Citroen oder Ford massive Verluste in Europa einfahren, weil sich vor allem die Kunden in den Krisenländern keine neuen Autos mehr kaufen, macht das weltumspannende Mehr-Marken-Imperium der Wolfsburger die Rückgänge in Asien wett. Das Baukastensystem - die Verwendung gleicher Teile für unterschiedliche Automodelle - soll künftig noch mehr Geld sparen helfen. "Wir sind gut vorbereitet auf die kommenden Herausforderungen", sagte Finanzchef Hans Dieter Pötsch am Donnerstag.

Euphorisch ist man aber auch in Wolfsburg nicht. Und das aus gutem Grund: Der Pkw-Absatz ist in Europa seit Monaten auf Talfahrt. Im ersten Halbjahr wurden hier so wenig Autos verkauft wie zuletzt 1994. Autobauer wie Peugeot (Nummer 2 in Europa hinter VW), Fiat und Opel ächzen immer mehr unter der Last der Heimatmärkte.

Blutbäder, wohin man schaut

Fiat-Chef Sergio Marchionne sieht indes die Crux anderswo. Der für markige Sprüche bekannte Italiener warf VW eine ruinöse und aggressive Rabattpolitik vor. "Es ist ein Blutbad bei der Preisgestaltung und es ist ein Blutbad bei den Margen", sagte er laut "International Herald Tribune". VW lässt sich den Schwarzen Peter erwartungsgemäß nicht zuschieben. Man rechne im krisengeplagten Europa "mit anhaltendem Preisdruck", hieß es am Donnerstag nobel zurückhaltend. VW kann sich mit seiner prall gefüllten Kasse hohe Rabatte eher leisten als die verlustreiche Konkurrenz, die Kunden lassen sich solche Angebote naturgemäß nicht zweimal machen. Dank niedriger Preise sahnte zuletzt auch der südkoreanische Autokonzern Hyundai ab.

Am Freitag ist es aber auch mit Volkswagens Contenance vorbei: Die Wolfsburger fordern Sergio Marchionne zum Rücktritt von seinem Posten als Präsident des europäischen Automobilherstellerverbandes ACEA auf. Die Äußerungen des Italieners seien zum wiederholten Male unqualifiziert, erklärte ein VW-Sprecher. Als Präsident sei Marchionne untragbar geworden. "Er oder wir", darauf hinaus könnte es allerdings auch noch laufen. Für WV wäre ein Austritt aus dem ACEA ebenfalls eine Option. (rb, derStandard.at, 27.7.2012)

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    Fiat-Chef Sergio Marchionne ist schon wieder ganz entspannt. Manchmal gehen mit ihm allerdings die Pferde durch...

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