Fast jeder fünfte Lehrling fällt bei Abschlussprüfung durch

27. Juli 2012, 09:52
  • Grafik: Maler, Glaser, Elektrotechniker schneiden bei den Lehrabschlussprüfungen am schlechtesten ab.
    foto: apa

    Grafik: Maler, Glaser, Elektrotechniker schneiden bei den Lehrabschlussprüfungen am schlechtesten ab.

Knapp zehn Prozent treten gar nicht an - Letztlich ein Fünftel ohne Abschluss - Kaum oder kein Lohnunterschied zwischen Hilfs- und Facharbeitern als Grund

Wien - Schlechte Nachricht für die Lehrlingsausbildung in den heimischen Betrieben: Von den 57.511 Lehrlingen, die 2011 zur Abschlussprüfung angetreten sind, schlossen zwar 6.527 mit Auszeichnung ab, aber noch viel mehr, nämlich 10.071 Lehrlinge, sind durchgefallen. Von den Malern und Anstreichern hat österreichweit jeder dritte Prüfling nicht bestanden.

Insgesamt gab es bei 23 einzelnen Lehrberufen Durchfallsraten von über 30 Prozent, wie aus der Lehrabschlussprüfungsstatistik für 2011 hervorgeht. Vor allem Gewerbe- und Handwerksbetriebe, wo jeder dritte Lehrling ausgebildet wird, sind anfällig. 2011 wies die Sparte "Gewerbe und Handwerk" die mit Abstand höchste Durchfallsrate auf. Auch die Tourismusbranche gehört zu den Sorgenkindern. Die Erfolgsquote von Lehrlingen bei Banken und Versicherungen sticht dagegen positiv hervor: Im Schnitt schaffen da 92,4 Prozent die Prüfung auf Anhieb. Bei der Lehre zu Bankkauffrau oder Bankkaufmann fällt nur jeder Dreißigste durch.

In den letzten 30 Jahren ist die Zahl der Durchfaller konstant gestiegen. Aktuell liegt die Erfolgsquote bei nur noch 82,5 Prozent. Auffallend ist, dass über zehntausend Lehrlinge durchfallen, aber jährlich nur etwas mehr als 4.097 zur Wiederholungsprüfung antreten. Damit werfen fast 6.000 Lehrlinge das Handtuch. Dazu kommen noch jene, die erst gar nicht zur Prüfung antreten. Das Problem: Diejenigen, die sich von vornherein nicht zur Lehrabschlussprüfung anmelden, scheinen in der Statistik der Wirtschaftskammer nicht auf.

"Lehrabschlussprüfung ist kein Muss"

Die beiden Sozialpartner, Arbeiterkammer (AK) und Wirtschaftskammer (WKÖ), wollen nun genaue Zahlen erheben, wie viele Lehrlinge mangels Erfolgschancen nicht zur Prüfung antreten. Schätzungen zufolge sind es jedes Jahr drei bis viertausend, andere Schätzungen gehen von bis zu zehn Prozent. Zusammen mit denen, die durchfallen, steht also rund ein Fünftel am Ende der Lehre ohne Abschluss da.

"Die Lehrabschlussprüfung ist kein Muss", betonte der zuständige WK-Referent, Alfred Freundlinger. Man habe auch ohne Prüfung seine Lehrzeit abgeschlossen. In den meisten Kollektivverträgen (KV) gibt es zwar einen Lohnunterschied, teilweise ist er aber nur gering. In einigen KV wird überhaupt nicht unterschieden, ob jemand die Prüfung abgelegt hat oder nicht.

Für AK-Lehrlingsexpertin Edith Kugi-Mazza ist der geringe Gehaltsunterschied zwischen Hilfs- und Facharbeitern einer der Gründe für die schwachen Ergebnisse. Es gehe darum, die Lehrlinge zu motivieren, zur Prüfung zu gehen, weil sie sonst für die weitere Berufslaufbahn auf verlorenem Posten stehen. Warum so viele durchfallen oder nicht antreten, sei schwierig herauszufinden. Oft liege es an den Lehrlingen selbst oder an den jeweiligen Betrieben. Man müsse sich jeden Lehrberuf einzeln ansehen, so Kugi-Mazza.

30.000 Fachkräfte fehlen

Sowohl AK also auch WKÖ wollen im Herbst genauere Analysen machen. Der AK geht es in erster Linie darum, das Thema im Zuge der Qualitätsdiskussion (Stichwort: Lehre mit Matura) auf der Tagesordnung zu halten und die erfolgreichen Lehrabschlüsse wieder zu steigern. Hohe Erfolgsquoten sind auch für die Wirtschaft essenziell. Als eine von mehreren Maßnahmen kann sich Freundlinger vorstellen, Lehrlinge verstärkt zu fördern, aber auch die Prüfer besser zu schulen. Derzeit sei es schwierig, überhaupt Prüfer zu finden.

Der österreichischen Wirtschaft fehlen aktuell rund 30.000 Fachkräfte. Die Lehre konkurriert immer stärker mit höherbildenden Schulen. Den Betrieben fällt es daher oft schwer, den notwendigen Fachkräftenachwuchs zu bekommen. Angesichts des Fachkräftemangels müsse die Ausbildung zum Erfolg führen, so Freundlinger. Heuer hätten bisher erfreulich viele Jugendliche eine Lehre begonnen, entscheidend sei aber traditionell erst der Herbst. (APA, 27.7.2012)

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zu meiner zeit war es eine frage der ehre die abschlußprüfung

zu bestehen...aber ehre im leib gibts nur noch selten heutzutage...

Man könnte es diametral umgekehrt sehen:

Eine Lehre macht GAR KEINEN SINN (Ausnahme: angestrebte Meisterprüfung), wenn ich als Hilfsarbeiter praktisch gleich viel verdiene - und das ohne die mageren Jahre mit Lehrlingsentschädigung. "Ehre" im Dienste der Unternehmer und zum eigenen Nachteil?

Women are not usual

Es ist zwar etwas ab vom Thema, aber ich muss das irgendwo anbringen (und ich zähle mich bei weitem nicht zum absolut feministischen Volk): Metalltechniker und KFZ-Mechaniker aber Koch/Köchin und Maler/in??? Es ärgert mich nur gerade deshalb, weil mein kleine 17-jährige SCHWESTER mit Abschluss einer 3-jährigen Fachschule KEINEN Job in einem KFZ-Betrieb bekommt. Die Absagen zu ihren 30 Bewerbungen bleiben (fast zur Gänze) aus. Aber unser Politik sagt doch immer: FRAUEN IN DIE TECHNIK! Ja, aber bitte WIE?????? u.A.w.g. um Tipps um so mehr

in liezen gibt es eine autowerkstätte mit 2 mädels...

mechanikerin und ich glaub die 2te ist expertin für lackierung beide ziemlich young

wer lesen kann ist klar im vorteil...

hier ist ja nicht von Metalltechniker und KFZ-Techniker die Rede, sondern dem Berufsbild Metalltechnik und KFT-Technik!

Und deswegen nehmen´s dort keine Mädels?

Wie meinten Sie so klug?
wer lesen kann ist klar im vorteil...
Na, dann lernen Sie´s doch auch.

Da fällt mir sofort der Spruch von einer aus der Gruppe ein

... der sogar im Fernsehen zu sehen war: "Wieso soll ich was lernen, wenn mir niemand was dafür zahlt"

Vielleicht sollte man sich eingestehen, dass es auch Leute mit minimaler Intelligenz gibt. Ungeeignet für alles und häufig gepaart mit Präpotenz.

Um Kommentare gleich vorwegzunehmen: Ja, ich habe eine Meisterprüfung und ja, ich habe Matura und ja, ich habe auch studiert (Aufzählung nach Bildungsniveau, nicht nach Zeit)

Verrohung, Konsumwahn, Werbung, Perspektivenlosigkeit, Korruption, Ellbogengesellschaft, Ausbeutung, Verzweiflung... Noch Fragen?

ja, klingt wie kevin allein zu hause...rofl

ja

wer hat dir den so nen blödsinn eingeredet...???

Das ist die Folge von unmotivierten Lehrern

geh schleich di

wenn schon : LehrerInnen, weil die typen nix lernen wollen, sind natürlich andere schuld? geht's noch?

Versagen die Lehrlinge bei praktischen Tätigkeiten oder in der Theorie? Das müsste genau analysiert werden.

Von mir bekannten Handwerkersmeistern höre ich in dne letzten Jahren vermehrte Klagen darüber, dass die Zahl der Jugendlichen zunimmt, die Probleme mit Lesen und Schreiben (trotz Hauptschulabschluss) und mit dem Unterricht in der Berufsschule haben und dass dieselben Lehrlinge auch Pünktlichkeit, Höflichkeit und Interesse an der Ausbildung vermissen lassen und sich nur fürs Ausgehen und sonstiges Vergnügen interessieren. Die Zahl der eifrigen und guten Lehrlinge ist nach den Erfahrungen deutlich gesunken.

wahrscheinlich auch die

die im betreib nur zusammenkehren dürfen und jede menge unbezahlte überstunden machen müssen (gatsronomie) frag einmal einen lehrling oder die arbeiterkammer was sich an manchen lehrplätzen abspielt...dass dir der handwerksmeister seine gschichteln druckt, is wohl klar...

Ein Facharbeiter braucht genausoviel Verstand wie ein durchschnittlicher Uniabgänger wenn er gut sein soll. Nur dass er dann um einiges weniger verdient.

Ich weiss das. ;)

Die Einkommensstatistik zeigt anderes - aber träumen's weiter.

Das ist branchenabhängig.

Es gibt natürlich sehr bescheiden bezahlte Akademikerposten, v.a. im Sozial- und Bildungsbereich. Aber die Durchschnittslebensverdienstsummen, auch die umgezinsten, liegen im Normalfall schon deutlich unter denen von akademisch Gebildeten - Ausnahmen gibt es und kenne ich, das ist abhängig von der Firmenkultur.

das trifft so nicht ganz zu...nach einiger zeit praxis im

beruf kann man sich fortbilden...und ist dann ebenbürtig mit einem htl-abgänger. der vorteil man hat mehr praxis und handwerkliches können das man dann bei div. firmen als supervisor einsetzen kann rund um die welt...bei der richten wahl der firmen klingelts in der kassa...

Die Leute aus meinem Bekantenkreis mit dem höchsten Verdienst (in umgekehrter Reihenfolge):

Ein Schweißer für Pipelines
Ein Hufschmied
Ein Zieharmonikastimmer

Liegt wohl an ihrem Bekanntenkreis.

Alle Leute mit > 10.000 EUR Monatsbrutto die ich kenne haben zumindest einen akademischen Abschluss.

Ja und zusätzlich werden solche Arbeiten heutzutage auch nicht mehr respektiert

muss ja jeder Matura haben und studiern...

Ich habe im bekanntenkreis einige Handwerker, die als Meister einen eigenen betrieb erfolgreich leiten bzw. nach dem meister noch eine Zusatzausbildung als Ausbildner für "schwierige" junge Leute gemacht haben und durchaus angesehen sind.
Sie verdienen übrigens teilweise mehr als Akademiker. Die Zeiten, als ist ein akademischer Titel eine Garantie für ein gutes Einkommen waren, sind längst vorbei, viele junge Uni-Absolventen werden miserabel bezahlt.

Ok sie haben recht, ich habe nämlich einen TU oder WU abgänger gemeint.

Aber wenns sich die selbstständig machen und erfolgreich wirtschaften, dannhaben sie sicher mehr im kopf als ein durschnittlicher uni absolvent.

Naja - sinn macht ja nur, die besten mit den besten, die mittleren mit den mittleren usw zu vergleichen.

Ja wie gibts denn das ?

Kaum ein Lohn-Unterschied zwischen Hilfs- und Fachkräften.

Dabei fehlen doch angeblich zehntausende Fachkräfte und werden angeblich händeringend gesucht.

Bei so einem Mangel müssten doch die Löhne für (händeringend gesuchte) Fachkräfte ins Bodenlose steigen (ähm fallen), nein, wie ....

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