USA fürchten Massaker

27. Juli 2012, 05:53
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"Glaubhafte Berichte über Panzerkolonnen" - Neue Demonstrationen für Freitag erwartet - Dreijähriger Bub bei Feuer auf Flüchtlingsgruppe erschossen

Aleppo/Washington/Amman - Die oppositionellen syrischen Kräfte haben sich am Freitag auf den möglicherweise entscheidenden Kampf um die Wirtschaftsmetropole Aleppo vorbereitet. Die syrische Armee beschoss am Donnerstagabend das von Rebellen gehaltene Viertel Salaheddin und andere Bezirke, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die USA warnten vor einem "Massaker" in der zweitgrößten Stadt des Landes.

Unter dem Motto "Aufstand der zwei Hauptstädte - der Befreiungskrieg geht weiter" haben die Aufständischen für Freitag zu neuen Demonstrationen aufgerufen. In Aleppo könnte ein möglicherweise entscheidender Kampf bevorstehen. Die der Regierung nahestehende Zeitung "Al-Watan" sprach am Donnerstag von der "Mutter aller Schlachten" in Aleppo. Die Armee werde weiter "Terroristen" aufspüren und "vernichten" und dann werde Syrien die Krise überwinden, schrieb die Zeitung.

Berichte über Panzerkolonnen

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, warnte, das "Regime" von Staatschef Bashar al-Assad scheine ein Massaker in der zweitgrößten Stadt des Landes zu planen. Es gebe "glaubhafte Berichte über Panzerkolonnen", die vor der Stadt zusammengezogen würden. Die Armee setze inzwischen zudem nicht mehr nur Kampfhubschrauber, sondern auch Flugzeuge im Kampf gegen die Rebellen ein. "Unsere Herzen sind bei den Menschen in Aleppo", sagte Nuland. "Das ist ein weiterer verzweifelter Versuch eines untergehenden Regimes, die Kontrolle zu behalten, und wir machen uns große Sorgen darüber, was sie in Aleppo anrichten könnten."

Zugleich bereiten sich die USA auf ein baldiges Ende der Herrschaft von Staatschef Bashar al-Assad in Syrien vor. "Assads Tage sind ganz sicher gezählt" sagte Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, am Donnerstag. Deshalb gelte es jetzt, "mit der Opposition zusammenzuarbeiten, um einen Übergang vorzubereiten."

Vormarsch der Rebellen

Angesichts des Vormarschs der Rebellen in Aleppo in den vergangenen Tagen plant die syrische Armee nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Freitag oder Samstag eine Gegenoffensive. Demnach erhielten die 2.000 Rebellen in der Stadt Unterstützung von 1.500 bis 2.000 weiteren Aufständischen. Die Opposition bestätigte die Angaben. "Die militärische Verstärkung ist in Aleppo eingetroffen, wir rechnen jeden Moment mit einer großangelegten Offensive", sagte ein Sprecher der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Demnach schickte die Armee rund hundert Panzer nach Aleppo.

Landesweit wurden am Donnerstag der Beobachtungsstelle in London zufolge bei Kämpfen in der Hauptstadt Damaskus, in Aleppo und in anderen Städten mindestens 121 Menschen getötet. Unter den Toten waren demnach mindestens 64 Zivilisten.

Dreijähriger Bub erschossen

Syrische Soldaten haben nach jordanischen Angaben am Freitag das Feuer auf eine Gruppe von Flüchtlingen eröffnet und dabei einen dreijährigen Buben erschossen. Der Knabe erlag sofort seiner Schussverletzung am Hals. Die syrischen Soldaten schossen nach Angaben des jordanischen Informationsministers Samih Maajtah auf Flüchtlinge aus Syrien, die in Turra die Grenze zu Jordanien überqueren wollten. Ein jordanischer Grenzschützer berichtete, zwei Personen sei die Flucht gelungen, etwa zehn weitere seien aufgrund der Schüsse zurück auf syrisches Gebiet gerannt. Jordanien hat bereits mehr als 140.000 Flüchtlinge seit Beginn des Syrien-Konflikts aufgenommen.

Die UNESCO forderte die Konfliktparteien in Syrien auf, wichtige Kulturstätten nicht zu beschädigen. Die UNO-Kulturorganisation nannte dabei besonders Aleppo. Die Altstadt der historisch bedeutenden Stadt im Nordwesten des Landes zählt zum UNESCO-Welterbe. (APA, 27.7.2012)

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