Facebook verliert 157 Millionen in drei Monaten

Die ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang lassen die Aktien auf einen Tiefpunkt rutschen, Anleger sind enttäuscht

Menlo Park - Beim ersten Quartalsbericht nach seinem Börsengang im Mai hat das soziale Online-Netzwerk Facebook rote Zahlen vermeldet. Das Unternehmen mit Sitz im US-Staat Kalifornien teilte am Donnerstag nach US-Börsenschluss für April bis Juni einen Verlust in Höhe von 157 Millionen Dollar (128 Millionen Euro) mit. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 240 Millionen Dollar verdient. Der Fehlbetrag war allerdings wegen Sonderausgaben im Zusammenhang mit dem Börsendebüt im Mai erwartet worden, und werden erforderliche Rücklagen für Aktienoptionen der Mitarbeiter herausgerechnet, verbuchte Facebook sogar einen Gewinn von zwölf Cent pro Anteilsschein.

Der Umsatz stieg den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp ein Drittel auf 1,18 Milliarden Dollar (962 Mio. Euro) - etwas mehr als die Erwartungen der Analysten. Die Einkünfte aus dem Anzeigengeschäft, das den überwiegenden Teil der Einnahmen des Unternehmens ausmacht, hätten sich um 28 Prozent auf 992 Millionen US-Dollar erhöht. Die Kasse ist mit 10,2 Milliarden Dollar prall gefüllt - alleine 6,8 Milliarden Dollar davon stammen aus dem Börsengang.

Auch die Zahl der aktiven Nutzer sei auf weltweit 955 Millionen gewachsen, teilte Facebook mit. Ende März lag die Zahl bei 901 Millionen. Zuvor hatte es Sorgen um einen Schwund gegeben. Manche Analysten stießen sich allerdings daran, dass die Zahl der täglichen und damit besonders wertvollen Nutzer im geringeren Maße auf 552 Millionen zulegte.

Zuckerberg dennoch zuversichtlich

Facebook-Chef Zuckerberg zeigte sich aber dennoch zuversichtlich. Die Ergebnisse von neuen Werbemöglichkeiten seien ermutigend. Facebook habe einen "klaren Weg" gefunden, um ein starkes Mobil-Geschäft aufzubauen. Viele Investoren befürchten allerdings, dass das Unternehmen auf Mobiltelefonen und Tablet-PCs keine hohen Werbeeinnahmen erzielen kann. Zuckerberg wies Berichte zurück, wonach Facebook an einem eigenen Smartphone arbeite. Die Entwicklung von Hardware sei für den Konzern wenig sinnvoll, sagte der 28-Jährige. Vielmehr investiere sein Haus, um seine Angebote besser auf Mobilgeräten wie Apples iPhone oder iPad zu positionieren.

Wie seine Vorgänger zu den wildesten Zeiten der Dotcom-Bonanza verbrät die Internetfirma in kurzer Zeit große Summen. In den Monaten April bis Juni habe Facebook seine Ausgaben auf 413 Mio. Dollar mehr als verdreifacht. "Das Mobilgeschäft ist eine riesige Chance für uns", sagte Zuckerberg. "In dieser frühen Phase unseres Wachstums haben Investitionen die höchste Priorität und nicht eine Zielmarge", erklärte Finanzchef Ebersman. Die Betriebskosten würden im zweiten Halbjahr noch kräftig zulegen.

Enttäuschung für Anleger

Der Börsengang von Facebook war eine der größten Neuemissionen aller Zeiten. Für Anleger wurde die Facebook-Aktie aber zur Enttäuschung. Die Aktie fiel am Donnerstag im nachbörslichen Handel in New York um zehn Prozent und notierte bei einem Kurs von unter 24 Dollar - deutlich weniger als der Ausgabepreis von 38 Dollar. Das ist ein neues Allzeittief.

Viele Investoren befürchten, dass das Unternehmen auf Mobiltelefonen und Tablet-PCs nicht so hohe Werbeeinnahmen erzielen kann (Details zu Facebooks Werbestrategie finden Sie hier). Sie sorgen sich zudem wegen der langfristigen Geschäftsaussichten. Das soziale Netzwerk und die am Börsengang beteiligten Banken müssen sich gegen Klagen von Investoren wehren, außerdem nimmt die US-Börsenaufsicht die Umstände der Neuemission unter die Lupe.

Vor allem die Entlohnung der Mitarbeiter durch Aktien und dafür fällige Steuern rissen zuletzt ein dickes Loch in die Bilanz. Zudem machte sich bemerkbar, dass Facebook stark in Produkte, Technik und Marketing investiert, um neue Nutzer und neue Werbekunden zu gewinnen. Auch der Börsengang selbst kostete. (APA, 27.7.2012)

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