Kein Vergleich mit Peking

Kommentar | Fritz Neumann aus London, 26. Juli 2012, 18:43

London ist für Olympia ein Glücksfall, bald weist sich, ob das auch vice versa gilt

Andere Länder, andere Wickel. Doch selbst angesichts der drohenden Verkehrsprobleme und des für die nächsten Tage angesagten Schlechtwetters in London - wer wünschte sich nach Peking zurückversetzt? Zwei Olympiastädte, kein Vergleich. Auch vor vier Jahren war bei der Eröffnung eine gewisse Regenwahrscheinlichkeit gegeben, doch die Chinesen schossen Raketen mit Silberiodid in die Wolken, auf dass es trocken blieb. Das dürften sich die Briten sparen, sie haben im Vorfeld auch weder zwangsenteignet noch Demonstranten eingesperrt.

Dass Zöllner, Busfahrer und Bahnbedienstete die Olympischen Spiele als Druckmittel nützten und ihre Arbeit niederlegen wollten, mag den Organisatoren wehgetan und die Steuerzahler einiges gekostet haben. Blöd wären die Gewerkschaften gewesen, hätten sie nicht vor der heutigen Eröffnung, sondern erst nach der Schlussfeier am 12. August mit Streik gedroht. Doch selbst wenn auf den Flughäfen oder im Londoner Straßenverkehr das Chaos ausgebrochen oder, sagen wir, noch getoppt worden wäre - man hätte das lieber in Kauf genommen als die vor vier Jahren von Peking verordnete Zensur nicht weniger Internet-Seiten.

Was bleibt von einem sportlichen Großereignis? Alles dreht sich um die Nachhaltigkeit. Von den Spielen 2008 hatten sich einerseits die Olympier mit IOC-Chef Jacques Rogge an der Spitze eine Öffnung Chinas versprochen - und sich damit in den Sack gelogen. Die Menschenrechtslage in China hat sich seit 2008 nicht verbessert, eher im Gegenteil, der gigantische Sicherheitsapparat ist weiter angewachsen. Und was aus Pekings Ankündigung wurde, die Olympiastätten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sah man erst kürzlich in TV-Reportagen. Das berühmte Vogelnest steht weitgehend leer, der Wasserwürfel wird als Erlebnisbad kaum frequentiert und verzeichnet hohe Verluste. Andere Olympiastätten wie das Ruder- und Kanuzentrum sind praktisch dem Verfall preisgegeben.

Da steht London besser da. Hier war der bleibende Wert der Sportstätten von Anfang an oberstes Gebot. Bei jenen Anlagen, die nicht wieder abgebaut werden, weiß man mit einer Ausnahme schon seit Jahren, welcher Verein sie ab Herbst bespielen wird. Die Ausnahme ist das große Olympiastadion. Der Fußballklub West Ham würde es gern als neue Heimstätte nützen, die Entscheidung darüber wurde aber verschoben.

Ob der Bezirk Stratford im Londoner Osten auch insgesamt wirklich profitieren wird? Dazu müsste die Westfield Stratford City, die im September die SCS als größtes Shoppingcenter Europas abgelöst und 10.000 Menschen Arbeit gebracht hat, auf breite Akzeptanz stoßen. Dass dies nicht geschieht, ist die eine große Angst jener, die Olympia nach London geholt haben. Die andere Angst gilt einem möglichen Terrorakt.

Sieben Jahre liegen die Anschläge zurück, denen 52 Menschen zum Opfer fielen. Am Tag davor, am 6. Juli 2005, war Olympia 2012 an London vergeben worden. Nun sollen mehr als 18.000 britische Soldaten die Spiele schützen, nur halb so viele hat das Königreich in Afghanistan stationiert. Über einen Polizeistaat maulen da schon einige in London. Aber die halten sich nicht vor Augen, dass Peking 80.000 Sicherheitskräfte im Einsatz hatte - nicht zuletzt deshalb, um die Bevölkerung am Maulen zu hindern. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 27.7.2012)

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20 Postings

Das werden absolut sympathische Spiele werden! Typisch britisch halt.

Geil noch bevor die Spiele begonnen haben weiss man hier schon, dass es ein Glücksfall ist für die Stadt/Welt, obwohl meine Bekannten in London mir seit Monaten die Ohren voll Jammern über die bloody games...

Weil ja die Sportstätten soooo nachhaltig angelegt worden sind -also eh was man immer! hört (allein die West ham story glaubt niemand!! in London-auf Dauer völlig unrealistisch für die Hammers)

Und die Chinesen keinen Regen wollten bei der Eröffnungsfeier -den Engländern, dass aber egal ist-wahnsinn-dass muss was werden.

Londons teuren Militäreinsatz mit Chinas "Sicherheitskräften" zu vergleichen ist auch ein Witz-die meisten in Peking waren Typen in grünen Jacken die einem gesagt haben wo das nächste WC ist,sonst nix.

Ob London ein "Glücksfall für Olympia" sein wird, wird sich erst herausstellen ...

Bis dato scheinen jedenfalls die negativen Aspekte dieses mittlerweile so sehr von seinem Grundgedanken entfernten Mega-Events eindeutig im Mittelpunkt der Betrachtung vieler Menschen zu stehen ...

Ob es nun "für Olympia" besser ist, die Spiele in einem Staat auszurichten, der aus einer langen diktatorischen und menschenverachtenden Vergangenheit nur ganz, ganz langsam seinen Weg in Richtung "Freiheit" zu finden scheint - wie China - oder in einem, wo in der letzten Dekade vieles in die Gegenrichtung verlaufen ist - wie GB - macht da wohl keinen allzu großen Unterschied.

Einmal mehr ist das IOC dazu aufgerufen, seine "Vergabepolitik" zu überdenken!

waren nicht in Athen auch olymische Spiele vor Kurzem?

seitdem laeuft dort ja auch alles so super!

Haha, von wegen Sicherheitsapparat: schon Jahre vor der erfolgreichen Bewerbung für Olympia gab's in London an jeder Straßenecke büschelweise Überwachungskameras.

Inzwischen ist die Überwachungsmentalität noch verstärkt worden. Man muss Angst haben irgendwo zu fotografieren, wo es möglicherweise verboten ist oder man einen Bobby vor der Linse haben könnte.

Der Unbedarfte spürt die Überwachung vielleicht nicht so sehr, wie damals in Peking, aber sie ist auch in London direkt vor Ort und zwar massivst.

ich lebe seit 5 Jahren in London

und ich habe niemals Probleme auf der Strasse zu fotografieren und kenne niemanden dem untersagt wurde, auf der Strasse zu fotografieren.

Und vor ein paar Tagen war ich Zeuge eines Verbrechens auf offener Strasse (Mann beraubt Frau und macht sich aus dem Staub). Bei der Zeugenaussage hat mir der Polizist gesagt, dass es in der Gegend keine Ueberwachungskameras gibt und sie ihn nur aufgrund eines gluecklichen Zufalls gefangen haben.

Soviel zur Ueberwachungsmentalitaet. Sie kennen London offensichtlich ueberhaupt nicht.

Ich bin regelmäßig in London und kann Ihnen versichern, dass dort sprichwörtlich sogar die Mistkisten überwacht werden, ob der Müll getrennt und in die richtigen Behälter geworfen wird.

(Wer falsch einwirft riskiert Strafen!)

Geben Sie sich keiner Illusion hin.

auch falsch

ich bin ein lausiger Mueltrenner vor allem weil meine Wohnung klein ist. Ich trenne also nur Papier vom Rest. Alles andere geht in die Tonne. Ich bin nie auf meinen Fehler aufmerksam gemacht worden und habe nie eine Strafe kassiert.

Ich habe aufgrund Studium und networking-reicher Arbeit sehr viele Freunde und Bekannte in London. Niemand hat mir je erzaehlt, dass sie ueberwacht worden waeren bzw eine Strafe kassiert haetten, noch habe ich je davon in der Zeitung gelesen. Wenn dem so ist wie Sie's sagen, sind das seltene Einzelfaelle.

Ich lebe in London, Sie sind hin und wieder hier. Ich habe recht, Sie liegen falsch. Ende der Diskussion.

Dann gehe ich davon aus, dass sich es sich bei "Ihrem" London um http://de.wikipedia.org/wiki/Lond... _(Ontario) handelt.

http://www.spiegel.de/panorama/... 04269.html !

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/u... 03700.html !

Und das ist nur ein Bericht von sehr vielen. Wenn Sie die Augen vor der Realität verschließen, werden Sie früher oder später mit einer der vielen Kameras kollidieren - nehmen'S immer Verbandsmaterial mit.

Olympia ein Glücksfall?

Für wen?

CocaCola?
Procter&Gamble?
General Electric?

Der hat keine Scheuklappen auf sondern Augenbinden.
Naja, man kann sich alles schön reden.

Naive Annahmen als Voraussetzung fuer diesen Kommentar

Nur Idioten nehmen an, dass Olympischen Spiele zur Verbesserung der Menschenrechtslage in austragenden Staaten fuehrt. Herr Neumann mag diesem Fehler unterlegen sein, das weltweite Publikum sicher nicht.

China ist keine Demokratie. Trotzdem laeuft vieles in China sehr gut - manches sogar besser als im Westen. Die Olympischen Spiele sind nur EIN Beispiel dafuer.

London hat nicht die Mittel die man in Peking zur Verfuegung hatte. Alleine Vergleich ist unfair. In London erwarten uns keine Spiele, Stadien, Shows der Superlative. Es werden "normale" Spiele werden.

Kein Grund deshalb auf Peking herum zu hacken.

was läuft den in china denn besser als im westen ?

einiges, und manches läuft schlechter.

Seit ich jedoch in China war, hab ich mir allerdings abgewöhnt über Länder zu "urteilen"/posten die ich nicht selber gesehen habe...bzw. glaub ich den meisten westlichen Medien weit weniger.

Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke Peking-Schanghai in 3

Jahren gebaut (1250 km) versus Koralmtunnel

@steve

hinfahren und anschauen

Argumentieren könnte man beispielsweise,

ob eine Zentralregierung in Zeiten von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wie wir sie momentan haben, handlungsfähiger ist, als die (teil-)demokratischen Strukturen, wie sie in Europa herrschen.

Ich schätze mal, wir sind - wie immer - im Nachhinein schlauer.

Oh Mann, ist das eine ernsthafte Frage?

Wenn ich die Infrastruktur Chinas mit jener der USA (meiner Wahlheimat) vergleiche, dann steht es ungefaehr 100:1 fuer China. Ich weiss nicht wieviele hundert Milliarden Dollar man hier investieren muss um das aufzuholen.
Und dann waere natuerlich noch das Wirtschaftswachstum und das soziale Netz der Chinesen. Letzteres ist eines der wenigen Relikte des Kommunismuses.
Westliche Unternehmer schwaermen von der raschen Entscheidungsfindung der Chinesen. Wo man in Europa jahrelang streiten muss, und wenig Rechtssicherheit hat, ist in China laengst alles fertig-gebaut.
Und natuerlich kann man auch den Aufwand der Olympischen Spiele nicht mit London vergleichen. Wers nicht glaubt vergleiche die morgige Eroeffnungszeremonie mit jener vor 4 Jahren.

... bleibt nur die Frage,

ob ein Land (und weiter gedacht: die ganze Welt) mit dieser Art von Wirtschaftswachstum noch umgehen kann. mir macht diese Art von "Entwicklung" eher Angst als dass ich mich dessen erfreuen könnte. Den Chinesen ist nämlich bsw. eine Serengeti in Afrika Sch..Egal, sollte sich herausstellen, dass es dort auch Bodenschätze geben sollte... Und DAS kann nicht im Sinne des Erfinders gewesen sein..

LOL

Den Europäern und Amerikaner ist seit Hunderten von Jahren ALLES egal, besonders wenns um Afrika geht und wenn die Chinesen dort Geld reinstopfen (na sicher auch mit eigen Interessen) wie sonst neimand die letzten Jahrzehnte, haben sie Angst?

Glauben sie mir schlimmer kann es in Afrika kaum werden nach 300 Jahren Franzosen und Engländern...

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