Sag's durch die Blume

26. Juli 2012, 18:27
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Jüngstes Indiz dieser Entwicklung ist ein Werbespot einer großen Bank

Das einstige Zerstreuungsmedium Fernsehen macht zusehends melancholisch. Nachrichtenformate berichten nur noch über Kriege und Krisen, und sogar in der Werbung, die wenigstens Versprechungen machen sollte, dünnt die Hoffnung aus.

Jüngstes Indiz dieser Entwicklung ist ein Werbespot einer großen Bank. Diese hat sich für unsereins ein sogenanntes Erfolgskonto ausgedacht. Jau, denkt man, Erfolg will doch jeder, also her mit dem Ding. Doch der Traum platzt sofort: mit der Aussicht auf einen Willkommensblumenstrauß bei Kontoeröffnung.

Ein paar am Halse abgetrennte Blümchen erscheinen einem angesichts der Geldberge, die Steuerzahler den Banken in den vergangenen Jahren nachgetragen haben, zwar sinnbildlich irgendwie passend, letztlich geben sie aber ein doch etwas bescheidenes Lockmittel ab. Wird demnächst der feuchte Händedruck beworben? Die gratis Klarsichthülle?

Ja, von der Hoffnungslosigkeit zum Zynismus ist es nie weit. Aber für einen Blumenstrauß bemüht man die nächste Wiese oder sucht - im bebauten Gebiet - einen Floristen auf. Dafür geht man nicht zur Bank, dafür eröffnet man kein Konto. Blumen auf der Bank, das ist wie Weltspartag. Jener Tag, an dem man sich von Almosen und Blendwerk willig darüber hinwegtäuschen lässt, dass die Inflation die Zinsen bereits zur Jause frisst.

Aber vielleicht, ja vielleicht ist dieser Werbespot Teil einer neuen Höflichkeitsoffensive, die man bloß noch nicht als solche erkannt hat. Vielleicht will uns die Bank einfach durch die Blume sagen, dass es nicht mehr zu holen gibt.

So betrachtet fühlt es sich gleich viel besser an. (Karl Fluch, DER STANDARD, 27.7.2012)

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