Telefonica will O2 Ende des Jahres an die Börse bringen

26. Juli 2012, 18:20
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O2 soll im vierten Quartal an die Börse

Der hochverschuldete spanische Telefonica-Konzern will seine Deutschland-Tochter O2 noch in diesem Jahr an die Börse bringen. "Wir haben entschieden, schnell zu handeln und dabei auch einen Börsengang von Telefonica Deutschland im vierten Quartal vorbereiten", kündigte Telefonica-Verwaltungsratschef Cesar Alierta am Donnerstag an. Der Börsengang von O2, mit dem der spanische Telekommunikationskonzern seinen Schuldenberg von 57 Mrd. Euro abtragen will, könnte das größte Initial Public Offering (IPO) in Deutschland seit langem werden. Laut Analysten ist O2 zwischen acht und zehn Mrd. Euro wert.

19 Millionen Kunden

Telefonica Deutschland zählt rund 19 Millionen Mobilfunkkunden und rangiert unter den Handy-Netzbetreibern auf dem vierten Platz hinter der KPN-Tochter E-Plus sowie den beiden Platzhirschen Deutsche Telekom und Vodafone. Daneben bietet der deutsche Ableger des spanischen Branchenriesen seit der Übernahme des DSL-Anbieters Hansenet Ende 2009 verstärkt Telefon- und Internetanschlüsse an.

Um seine Schulden abzubauen, will Telefonica auch andere Beteiligungen wie die an China Unicom abtragen. Zudem müssen die Aktionäre des spanischen Konzerns in die Röhre schauen. Angesichts der dauernden Schwierigkeiten am Heimatmarkt streicht Telefonica in diesem Jahr die Dividende. Auch im kommenden Jahr sollen die Anteilseigner mit 75 Cent je Aktie nur halb so viel bekommen wie ursprünglich gedacht. Anders als ursprünglich geplant wird das Unternehmen in diesem Jahr auch keine Aktien zurückkaufen.

Schlecht

An der Börse kam das zunächst schlecht an: Telefonica-Aktien, die seit Jahresbeginn schon um ein Drittel gefallen sind, brachen zeitweise um mehr als acht Prozent ein. Im Tagesverlauf erholten sich die Papiere jedoch wieder. Analysten konnten den Maßnahmen, zu denen auch eine Gehaltssenkung für das Top-Management zählt, auch Gutes abgewinnen. Telefonica wolle verhindern, von Ratingagenturen auf den gefürchteten Ramschstatus herabgestuft zu werden, der die Kreditaufnahme nochmals verteuern würde. "Sie haben gemacht, was Aktionäre, der Markt allgemein und Ratingagenturen verlangt haben", sagte Renta4-Analyst Ivan San Felix. "Ich sehe das als gute Sache."

Die europäische Schuldenkrise setzt Telefonica erheblich zu. Sie drückt die Preise am Heimatmarkt Spanien, wo jeder Vierte arbeitslos ist, und belastet Telefonica auch wegen ihrer Beteiligung am italienischen Konkurrenten Telecom Italia. Im ersten Halbjahr sank der Nettogewinn um mehr als ein Drittel auf 2,1 Mrd. Euro, was im Rahmen der Analystenerwartungen lag. Die internationale Ausrichtung hilft dem Konzern, die Schwäche in Europa etwas aufzufangen. Anders als etwa die Deutsche Telekom hat Telefonica früh auf Wachstumsmärkte in Lateinamerika gesetzt, heute ist die Region der wichtigste Gewinnbringer im Konzern. Allerdings verlangsamt sich auch dort das Wachstum. In Brasilien ging der Gewinn im zweiten Quartal beispielsweise um 5,6 Prozent zurück.

Telefonica ist nicht der einzige europäische Telekommunikationskonzern, der auf die Bremse tritt und wegen der Schuldenkrise seine Dividenden kürzt. Seit Dezember kappten bereits Telecom Italia, France Telecom und Telekom Austria die Ausschüttungen. Am Dienstag kündigte die niederländische E-Plus-Mutter KPN an, die Dividende für dieses Jahr auf 35 Cent je Aktie zu senken statt der zuvor in Aussicht gestellten 90 Cent. (APA, 26.07. 2012)

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