Wirtschaftswissenschaftler John Lott: "Mehr Waffen, weniger Verbrechen"

Interview | Tobias Müller
26. Juli 2012, 18:53
  • Ist gegen ein strengeres Waffengesetz: John Lott.
    foto: liston matthews

    Ist gegen ein strengeres Waffengesetz: John Lott.

Wer Waffen verbietet, der hilft nur Kriminellen, sagt John Lott, Autor des Buches "More Weapons, Less Crime". Schuld an den vielen Toten durch Schusswaffen in den USA sind Drogenbanden

STANDARD: US-Präsident Barack Obama will Waffenverkäufe stärker kontrollieren. Hätte das Aurora-Attentat mit schärferen Gesetzen verhindert werden können?

Lott: In den USA gab es seit 1950 mit einer einzigen Ausnahme solche Amokläufe nur an Orten, an denen es verboten war, Waffen zu tragen. Die Leute glauben, sie erhöhen die Sicherheit, wenn sie Waffen verbieten, aber das Einzige, was passiert, ist, dass die braven Bürger keine Waffen haben und die Kriminellen schon. Das Wissen, dass mögliche Opfer sich verteidigen können, kann Verbrecher abhalten, sie anzugreifen.

STANDARD: Aber die meisten Amokläufer begehen Selbstmord. Glauben Sie, die lassen sich von der Gefahr, erschossen zu werden, abschrecken?

Lott: Warum machen diese Leute ihre Amokläufe? Weil sie Aufmerksamkeit wollen - und die kriegen sie umso mehr, je mehr Leute sie töten. Und wie viele Leute sie töten können, hängt davon ab, wie viel Zeit vergeht zwischen dem Beginn des Angriffs und dem Zeitpunkt, an dem jemand mit einer Waffe sie stoppt.

STANDARD: Sollten zumindest bestimmte Arten von Waffen verboten werden?

Lott: Bei Amokläufen werden nie automatische Waffen verwendet, es sind immer halbautomatische. Es wird viel diskutiert über "Military Style Guns", aber das Schlüsselwort ist "Style": Sie sehen aus wie militärische Waffen, aber sie funktionieren genauso wie ein Jagdgewehr. Wenn sie halbautomatische Waffen verbieten, verbieten sie fast alle Waffen, die in den USA verkauft werden.

STANDARD: Ist es Ihrer Meinung nach mit einer Pistole genauso einfach, so viele Menschen zu töten wie mit dem Gewehr, das der Angreifer in Aurora verwendete?

Lott: Der Punkt ist: Schlimme Dinge passieren wegen Waffen, aber Waffen verhindern auch, dass schlimme Dinge passieren. Wenn sie halbautomatische Waffen verbieten, machen sie es den Leuten sehr schwer, sich zu verteidigen.

STANDARD: In den USA werden etwa 8000 Menschen pro Jahr mit Schusswaffen ermordet, in Großbritannien 32. Warum?

Lott: Die USA haben ein viel größeres Problem mit Drogenbanden als viele andere Länder. Wenn Sie sich anschauen, wo die Morde passieren, sehen Sie, dass das extrem kleine Bereiche in Städten sind. Die höchste Mordrate, die wir in den USA je hatten, war 1932, und das war das letzte Jahr der Prohibition. Und wenn Sie sich Länder mit sehr niedrigen Totenzahlen durch Schusswaffen ansehen, dann merken Sie: Die hatten diese niedrigen Raten schon, bevor sie strenge Regeln im Umgang mit Waffen hatten.

STANDARD: In Ihrem Buch vergleichen Sie statistische Daten zu Waffenbesitz und Gewaltverbrechen aus allen Staaten der USA und kommen zu dem Schluss, dass viele Waffen die Sicherheit erhöhen. Warum sagen so viele Menschen genau das Gegenteil?

Lott: Wenn Leute hören, dass etwas Schreckliches passiert ist und eine Waffe mit im Spiel war, dann sagen sie: Wenn ich die Waffe wegnehme, dann wäre das Verbrechen nicht passiert. Das Problem ist: Wenn Leute darüber reden, Waffen zu verbieten, dann vergessen sie, dass nur mehr die gesetzestreuen Bürger dann keine Waffen mehr haben und nicht die kriminellen.

STANDARD: Das Sicherste wäre also eine totale Freigabe von Waffen?

Lott: Ganz genau. Mehr Waffen, weniger Verbrechen.

STANDARD: Manche Leute behaupten, dass einige Ihrer Arbeiten von der National Riffle Association bezahlt wurden. Stimmt das?

Lott: Nein, das ist völliger Unsinn. Ich habe nie für die NRA gearbeitet, ich bin nicht einmal Mitglied.

STANDARD: Sie arbeiten mit Grover Norquist, der im NRA-Vorstand ist.

Lott: Wir haben gemeinsam ein Buch geschrieben, es ist ein Wirtschaftsbuch. Ich arbeite aber nicht für Grover. (Tobias Müller, DER STANDARD, 27.7.2012)

John Lott (54) ist Wirtschaftswissenschaftler und hat unter anderem an den Unis in Yale und Chicago und für den konservativen Thinktank American Enterprise Institute gearbeitet. Sein Buch "More Guns, Less Crime" erschien erstmals 1998.

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Die meisten Menschen, die ich kenne, sind nette vernünftige normale Leute. Wenn sie eine Waffe hätten und Zeuge oder Opfer eines Verbrechens würden, würden sie die Waffe natürlich verwenden, um das Verbrechen zu stoppen. Dadurch gibt es dann weniger Verbrechen, ist doch die einleuchtendste Sache der Welt. Die Leute, die Verbrechen begehen, sind gottseidank noch in der absoluten Minderzahl. Und sie habe eh schon Waffen, unerlaubterweise natürlich. Darum bedeutet: mehr Waffen -> weniger Verbrechen, völlig logisch! Mich erschrecken die Leute, die mit Waffenbesitz gleich Unfälle und Missbrauch verbinden - habt ihr so wenig Vertrauen in eure Mitbürger?

Achtung: IWÖ-Kampfposter sind hier unterwegs. Sie geben sich auch Tipps in ihrem Forum wie man's macht. Also besser selber denken!

Als in Wien nicht mehr über "Fahrgasterkrankungen" berichtet wurde, hörten diese mehr oder weniger schlagartig auf.

wer solchen unfug lautstark verbreitet

will bloß seine bücher vermarkten.

(beißt aber damit bei mir auf granit)

Einer von unzähligen Beweisen

das legale Feuerwaffen in den Händen gesetzestreuer Bürger die Lösung sind:

http://www.prisonplanet.com/gun-carry... store.html

Kriminelle haben ihre Waffen ohnehin!

geschmiert bis unter die haarspitzen.

Bezahlter Wissenschaftler

...na ja was soll's, einer mehr. Die Wissenschaft ist zu einem hohen Prozentsatz bereits gekauft, so wie die Politik, viele Medien und ein Teil der Kunst und Kultur.

Alles gesagt

"Als erste zivilisierte Nation haben wir ein Waffenregistrierungsgesetz. Unsere Straßen werden dadurch sicherer werden; unsere Polizei wird effizienter und die Welt wird unserem Beispiel in die Zukunft folgen!"
(Adolf Hitler am 15.09.1935)

"seit 1950 mit einer einzigen Ausnahme solche Amokläufe nur an Orten, an denen es verboten war, Waffen zu tragen."
"Ganz genau. Mehr Waffen, weniger Verbrechen."

Ja, und seit 1950 gab es nur Terroranschläge wo Terreranschläge verboten waren. Folglich muss man Terroranschläge gänzlich frei geben. Jeder Terrorist hat dann Angst davor dass sich die Opfer durch Gegenterroranschläge wehren und schreckt dann gleich vor einem Terroranschlag zurück.

nein ...

es gibt eben genug orte wo kaum amokläufe passieren und das ist dort wo mit gegenwehr zu rechnen ist. amokläufer suchen immer nach einer möglichst grossen zahl nicht wehrhafter opfer. das trifft auf ein kino genau wie auf ein ferienlager zu.

und da

hilft es natuerlich wenn ein jeder waffen tragen kann, oder?

natürlich

was soll auch sonst helfen? ... in manchem fällen ist gegenwehr eben das mittel der wahl. oder hast du alternative vorschläge?

Und wenn die Gegenwehr den Falschen trifft?

Ich vermute die meisten Waffengegner, mit panischer Angst vor allen Waffen, sind die Einbrecher.,.

Nur Angsthasen und Dummerchen brauchen Waffen...

weil sie sich sonst hilflos fühlen. Sie werden mit der komplizierten Welt nicht zurecht.

Manchmal...

..würden Kinobesucher eine Waffe brauchen...oder Teilnehmer eines Jugendlagers auf einer entlegenen norwegischen Insel...wie gesagt...manchmal halt!

wie

kommen sie eigentlich dazu leute so pauschal zu verurteilen? sowas ist einfach das letzte!

Das machen diese schon selbst - sie stellen ja ständig ihre Ängste zur Schau: Angst vor dem Staat, Angst vor Verrückten, Angst vor Verbrechern, etc. Franz hat ja auch nur einen Satz gebraucht um bis zum vielzitierten Einbrecher zu kommen...

Vor Waffen habe ich nur wenig Angst. Auch wenn eine Waffe natürlich immer

ein Gefahrenherd für Unfälle etc. ist. Bedenklicher sind einfach die Leute die in einer Gesellschaft in der 95 % ohne Waffen auskommen und denen dabei nichts abgeht glauben sie brauchen unbedingt eine.

Die sind einfach merkwürdige Menschen.

Man sollte nciht übersehen, dass die USA und Kanada

teilweise völlig andere geographische Gegebenheiten haben als der Großraum Wien bis Wiener Neustadt.

Einerseits gibt es in Nordamerika Gegenden wo man noch recht nahe in Kontakt mit großen und recht gefährlichen Tieren ist. Auch gibt es Gegenden wo der nächste Polizist sicher 100km entfernt ist. Auch ist die Jagdtradition eine noch intensivere. Das Land ist ja auch ausserhalb der Küsten sehr dünn besiedelt.

Da sind teilweise offenere Waffenbesitzregeln sicher gerechtfertigt. Wer in Wien unbedingt eine Waffe zur Selbstverteidigung will ist im Prinzip eigentlich die größere Gefahr als die vor der er Angst hat.
Der Chronikteil berichtet ja uns dann immer wieder von den Resultaten.

Also so kann man das nicht stehen lassen....

Warum soll bitte der Trafikant, Notarzt, Geldbote, Geschäftsmann usw. der einem psychologischem Gutachten zustimmt, ein Training absolviert und hohe Unkosten auf sich nimmt, gefährlicher sein als ein Krimineller der sich seine Waffe illegal im Bahnhofsviertel organisiert und damit illegal durch die Gegend läuft ?!?

Manchmal muss man sich wirklich fragen ob die Leute die sowas schreiben überhaupt realisieren was sie da behaupten.

Jahrelang war die Vergabe von Waffenpässen zum legalen Führen von Faustfeuerwaffen in Österreich verhältnismässig liberal und das zu recht. Seit einigen Jahren nun wird mehr oder weniger jedem ein WP mit fadenscheinigen Gründen versagt. Dazu wird noch verbreitet das der WP-Besitz nichts bringt ...

Es lebt ja mittlerweile eine ganze Industrie von den Opfern...warum also sollten diese Leute dafür sein, dass es weniger Opfer gibt?

Ich schätze die Mischung machts. Ein Sozialsystem wie in einem Entwicklungsland und viele prekäre Arbeitssituationen. Das bedeutet schon einmal viel Frust. Und dann kommt halt noch der leichte Zugang zu Waffen dazu.
Bei uns gibts dann halt einmal eine (im Vergleich harmlose) Wirtshausschlägerei um den Frust abzubauen, dort wird eine Runde herumgeschossen.

Krieg ich auch einen Artikel für lachhafte Ansichten?

Ich hätte da anzubieten:

In jedes Dorf 2 Straßenstrich!

Heroin für Schulkinder!

Faustrecht legalisieren!

Radfahren wäre viel sicherer, wenn alle Radfahrer statt eines Fahrrades ein Auto verwenden würden!

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