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STANDARD: Sie sind viel außerhalb Europas unterwegs. Werden Sie oft auf die unendliche Geschichte Eurokrise angesprochen?
Gerhard Roiss: Das betrifft uns nicht direkt, da Öl und Gas in Dollar gehandelt werden. Aber hier in Europa ist es natürlich ein Thema. Und es stellt sich wieder heraus, dass Europa Krisen braucht, um die Union zu formen. Es wird noch mehrere davon geben. Ohne Krise ist leider niemand bereit, Rechte aufzugeben und das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen.
STANDARD: Die Krise ist aber längst in der Realwirtschaft angekommen. Das sollte doch einen europäischen Konzern beschäftigen.
Roiss: Wir betrachten die Weltwirtschaft als Ganzes. Für den Energiebereich ist auch die Bevölkerungs- und Einkommensentwicklung relevant. In den Emerging Markets, aber auch in Afrika, wächst eine Mittelschicht heran. Mehr Wohlstand braucht mehr Energie. Europa spielt da mit zehn Prozent der Weltbevölkerung eine sehr kleine Rolle.
STANDARD: Fossile Brennstoffe sind nicht unendlich, wie wird diese steigende Nachfrage gedeckt?
Roiss: Vor allem wächst die Nachfrage nach Gas. Amerika ist dank Schiefergas bereits nahezu autark, die Preise liegen bei einem Viertel jener in Europa. Dort wird ein Gaskraftwerk nach dem anderen in Betrieb genommen, während die früher in Amerika benötigte Kohle nach Europa umgeleitet wird. Dadurch sinken auch die Emissionen in den USA, während sie in der Union steigen. Das will niemand wahrhaben, ist aber ein Faktum.
STANDARD: Was heißt das für die europäische Industrie?
Roiss: Die hohen Energiepreise führen zu Verlagerungen in die USA. Das sind Investitionen, das sind Arbeitsplätze, die bei uns dauerhaft verlorengehen. Der lohnintensive Bereich geht nach Osten, der energieintensive nach Westen.
STANDARD: Warum wird nicht gegengesteuert?
Roiss: Ich glaube, dass die Entscheidungsträger überfordert sind. Nehmen Sie die Erneuerbaren: Windparks sind noch verkäuflich, das ist ja Ökostrom. Was man der Bevölkerung nicht dazusagt, dass man dazu auch die entsprechenden Hochspannungsleitungen braucht. Wir diskutieren nur Stückwerk.
STANDARD: Ist das jetzt ein Plädoyer gegen die Energiewende?
Roiss: Nein, aber es geht um die Machbarkeit. Die Frage ist, zu welchem Zeitpunkt machen wir das und welche Technologien werden gebraucht. Das kurzfristige Subventionieren ist der teuerste Weg.
STANDARD: Zur OMV: Es gibt immer wieder Spekulationen, dass ihr Großaktionär IPIC aus Abu Dhabi seinen Einfluss vergrößern will.
Roiss: Es gibt keinerlei Gespräche, irgendetwas zu verändern. Das sind alles nur Gerüchte.
STANDARD: Gibt es Animositäten?
Roiss: Nein. Sonst hätte uns die nationale Ölgesellschaft von Abu Dhabi nicht gerade das Recht eingeräumt, erstmals in dem Land nach Gas suchen zu dürfen. Das war die erste internationale Lizenz nach vielen Jahren. Darum haben wir uns sehr lange bemüht.
STANDARD: Bei Ihrem Hauptaktionär ÖIAG tut sich auch einiges? Sind Sie für eine Aufwertung oder Abschaffung der Staatsholding?
Roiss: Ich bin der Meinung, dass ein Filter zwischen Politik und Wirtschaft sinnvoll ist. Ansonsten äußere ich mich nicht dazu.
STANDARD: Mit dem Ausbau des Stromgeschäfts kommen Sie dem Verbund zunehmend in die Quere. Macht es Sinn, dass zwei Staatsbetriebe miteinander konkurrieren?
Roiss: Wir sind kein Stromkonzern und werden nie einer werden. Nur dort, wo wir eigenes Gas haben, ist die Verstromung eine Option in der Wertschöpfungskette. Wir konzentrieren uns auf den Ausbau des Gasbereichs, da gibt es keinen Platz für andere Spielereien.
STANDARD: Zum Gasbereich zählt auch die geplante Pipeline Nabucco. Nerven Sie die ständigen Todesanzeigen für das Projekt?
Roiss: Nabucco wird noch 100-mal sterben, wichtiger ist, dass es ein Mal lebt. Ich selbst habe die Nabucco West von der bulgarisch-türkischen Grenze nach Österreich vorgeschlagen. Wenn jemand bereit ist, den türkischen Teil zu finanzieren und zu bauen, ist mir das recht. Das machen jetzt die Aseris und die Türken.
STANDARD: Der größte Teil des Gases soll vom Shah-Deniz-Feld in Aserbaidschan kommen, das u. a. von BP, Statoil und Total betrieben wird. Welchen Einfluss werden die Firmen auf Nabucco erhalten?
Roiss: Ich gehe davon aus, dass die Lieferanten beteiligt werden. Das Shah-Deniz-Konsortium hat sein Interesse bekundet, es ist auch eingeladen. Wir haben jetzt ein Jahr Zeit, um das zu finalisieren. Da wird es viele Gespräche geben. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 27.7.2012)
Gerhard Roiss (60) ist seit April 2011 OMV-Chef. Der Marathonläufer und Diplomkaufmann arbeitete davor in mehreren Bereichen des Konzerns, vorrangig im Kunststoffbereich.
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Jeder, der sich mit dem Thema Energiewende wirklich ernsthaft beschäftigt sollte das Buch:
Der energethische Imperativ von Herrmann Scheer gelesen haben.
www.weinviertelstattgasviertel.at
Wer die Zusammenhänge in der Energiebranche verstehen will sollte folgenden Beitrag gelesen haben:
Der energethische Imperativ. Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist; München 2010
Die großen Energiekonzerne haben kein Interesse daran bestehende Abhängigkeitsstrukturen abzuändern, obwohl dies dringend notwendig wäre. Viele Menschen diskutieren immer noch über Kosten der Erneuerbaren Energien anstatt über Kosten der Klimaveränderung zu reden und endlich zu HANDELN!
www.weinviertelstattgasviertel.at
Wie alle Neider hier lästern - hohes Gehalt, langweilig, keine Ahnung, blablabla etc.
Fakt ist, die OMV schrieb im ersten Quartal bessere Zahlen als erwartet und fährt mit Roiss nun eine riskantere Schiene, siehe Nabucco.
Also kann ich keinerlei Kritik an Roiss nachvollziehen.
das alles kostet enorm viel Geld. Klar wird die Energie bei uns in Europa extrem teuer. Das ist eben die europäische Planwirtschaft mit dem grünen Mascherl, mit dem sich die ahnungslosen Politiker gerne schmücken. Ich kritisiere das seit vielen Jahren.
Die Amis sind da eben pragmatisch. Die schauen vor allem auf die Kosten, um die Wirtschaft besonders in diesen Zeiten nicht unnötig zu belasten!
In Europa möchte man keine gut bezahlten Industriearbeitsplätze halten. Da schneiden wir uns in Zukunft gegenseitig nachhaltig die Haare ??
Laut der Lazard Studie aus den USA wird seit ca 2 Jahren Strom aus Gas und Atom teurer bewertet als aus Sonne und Wind! Also das Strom aus Gas in Californien irgendwann konkurenzfähig sein wird glaubt nicht einmal mehr die Wall Street, denn Pipelines müssen noch gebaut etc...
Laut der Lazard Studie aus den USA wird seit ca 2 Jahren Strom aus Gas und Atom teurer bewertet als aus Sonne und Wind! Also das Strom aus Gas in Californien irgendwann konkurenzfähig sein wird glaubt nicht einmal mehr die Wall Street, denn Pipelines müssen noch gebaut etc...
Die Subventionen, die als Anschubfinanzierung gedacht waren, schieben jetzt schon über 25 Jahre an und was passiert?
Die Durchschnittskosten pro kWh *steigen*
No na steigen die Strompreise. Aber das ist nur teilweise auf die Erneuerbaren zurückzuführen. Im Gegenteil PV-Anlagen haben Strom zur Mittagsspitze schon günstiger gemacht. Und wenn man sich die Preisentwicklung von fossilen Energieträgern und jener der Produktion von erneuerbarer Energie anschaut, dann sieht man, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis die Erneuerbaren günstiger sind. Langfristig gesehen wäre es hochgradig fahrlässig nicht zu investieren.
sie müssen das System der Erzeugung schon gesamthaft betrachten....Erneuerbare Produktion steht außerhalb der üblichen Preisbildung (kein Wettbewerb- und führt zu ausgeprägten Marktverwerfungen - in dem Ausmaß in dem Peak billiger geworden ist, kann die Refinanzierung der konventionellen Kraftwerke (die im Wettbewerb stehen) nicht sichergestellt werden -ist also linke Tasche -rechte Tasche , weil zahlen muß es immer der oder die Selbe...
oba geh segn´s do ned so schwarz.
Bitte was hat diese Frage mit Neidhammel zu tun??
Und dass der Weg eben so war, ist so, dass er jetzt ein Global Player zu sein scheint, der die Globalisierung des europäischen Energiekonzerns in das Weltwirtschaftsgefüge leitet, betreibt und die strategischen Ziele erarbeitet, ist eigentlich nur ein logischer Schluss.
Von der Gewinn- und Verlustrechnung und den Währungsproblemen versteht er nicht viel, der Herr Roiss. Wenn er seine Konzern-Zielvorgaben in Euro hat und der Euro sinkt, muss er mehr Umsatz und Gewinn im Ausland in Dollar machen. Das dürfte ihm noch gar nicht klar sein. Ich hoffe,die haben einen CFO.
Sie beten einfach nach, was fehlgeleitete Umweltorganisationen sagen, die sich nicht genauer mit der Sache befassen. Heutzutage ist "clean fracking" bereits gut durchführbar. wobei keine Chemikalien zum Aufbrechen des Gesteins verwendet werden. Auch die anderen Themen mit Ausnahme des hohen Wasserverbrauchs (in Österreich aber kein so großes Thema) sind gelöst.
Ich bin sehr für renewables, aber in vielen Bereichen (z.B. fuers Heizen in der Stadt) stehen sie noch zu wenig zur Verfügung, und Erdgas ist eine relativ saubere Energiequelle mit wenig CO2-Ausstoß. Alternativen bleiben nämlich auf Jahrzehnte Kohle (weltweit gesehen) und Erdöl.
ganz großer topfen
stahl und alu produktion sind von europa und usa nach china und indien gezogen....
und das sind unzweifelhaft die produktionsstätten, die den größten energieverbrauch haben.
gell!
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