Rogan im Luxus und die Waffen im Haus

27. Juli 2012, 05:30
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Er ist froh, sich diese Ehre "nicht verhaut" zu haben: Markus Rogan führt Österreichs Mannschaft bei der heutigen Olympia-Eröffnung als Fahnenträger an

Die Londoner Pubs halten es oft anders, die sind manchmal noch offen, obwohl sie eigentlich schon zu sind. Doch das Österreich-Haus in London ist kein Pub, und also ist es am Donnerstag schon offen gewesen, obwohl es eigentlich noch zu war. Am späten Nachmittag wurde es feierlich eröffnet, doch bereits am späten Vormittag traf man sich, um einleitende Worte zu sprechen beziehungsweise zu hören.

Der Erste, der sprach, war ÖOC-Präsident Karl Stoss. "Wir sind nicht dazu da, Fähnchen schwenkend einzumarschieren", sagte er zur Eröffnung der Spiele, bei der Österreich als 13. von 204 Nationen ins Olympiastadion einmarschiert. "Das ist ein Fest für die Sportler und ihre Betreuer." Erstmals in der jüngeren Olympia-Geschichte stehen die Aktiven im Vordergrund, noch vor zwei Jahren im winterlichen Vancouver hatten die Funktionäre die ersten Reihen für sich in Anspruch genommen. Diesmal wird Präsident Stoss die Zeremonie von der Tribüne aus verfolgen.

Den Fahnenträger ficht das alles nicht an, der geht sowieso mit etwas Abstand vorneweg. "Eine große Ehre", sprach Markus Rogan im geschlossen-offenen Österreich-Haus. "Ich bin froh, dass ich mir das nicht verhaut habe damit, was ich über all die Jahre gesagt und gemacht habe." Rogan über die Eröffnung: "Ich fürchte, das wird der schönste Moment meiner Karriere." Andere schöne Momente in London wären natürlich auch noch möglich, zum Beispiel ein Finalplatz mit der Staffel. "Es hat schon größere Überraschungen gegeben, zum Beispiel Düdelingen." Oder eine Medaille über 200 Meter Lagen. Vorlauf und Semifinale steigen am Mittwoch, das Finale folgt am Donnerstag. Laut Rogan ist "das Leben eines OlympiaSportlers eigentlich Luxus. Du kannst dich drei Jahre lang auf zwei Minuten vorbereiten. Und jetzt sind sie bald da, diese zwei Minuten." Er geht davon aus, dass Gold und Silber an die US-Amerikaner Michael Phelps und Ryan Lochte vergeben sind, will "den Rest der Welt anführen".

Sechzig marschieren ein

Vorerst wird Rogan die ÖOC-Mannschaft anführen, ihm sollten circa 60 Landsleute folgen, neben gut zwanzig Betreuern mehr als die Hälfte der 70 Sportlerinnen und Sportler. Die anderen schonen sich, weil sie am Samstag schon im Einsatz sind wie der Judoka Ludwig Paischer, oder sie reisen erst nächste Woche an wie die Kanutinnen Yvonne Schuring und Viktoria Schwarz. Die 49er-Segler Nico Delle Karth und Niko Resch, die im drei Stunden entfernten Weymouth noch eine Materialkontrolle absolvieren müssen, werden sich die Reise vielleicht ebenfalls sparen.

Am Österreich-Haus führt wohl für keinen heimischen Sportler ein Weg vorbei, auf jeden Fall gibt es vor dem Wettkampf die Ausgangslage und Hoffnungen zu besprechen, im besten Fall gibt es hernach eine Medaille zu feiern. Das Haus dürfte gerüstet sein. Das ÖOC hat sich im altehrwürdigen Trinity House in Tower-Nähe eingemietet (für 9500 Pfund am Tag), die Gesamtkosten sollten 300.000 Euro nicht übersteigen und gedeckt sein. Dafür sorgt vor allem die Tirol Werbung, die dem Vernehmen nach relativ spät, aber doch als Partner gewonnen wurde. Die drei Tiroler Olympiasieger Leonhard Stock, Stephan Eberharter und David Kreiner, die im Rahmen einer Charity-Aktion von Innsbruck nach London geradelt waren, trafen fast pünktlich am Donnerstagabend ein.

Die Transparente vor dem Haus, das also offiziell "Austria House Tirol" heißt, zieren nun die Aufschriften "The Alps of London" und "Discover the heart of the alps in the Trinity House". Immerhin die Terrasse vor dem Haus ist ab sofort auch der Öffentlichkeit zugänglich, auch hier gibt es - gegen Bezahlung - typisch Österreichisches. Schnitzel, Kaiserschmarrn und Bratwürstel.

Schützen marschierten auf

Typisch österreichisch oder genauer, tirolerisch, sollte am Donnerstag auch die Eröffnung ablaufen. Soll heißen: Zillertaler Schützenempfang! Bundeskanzler Werner Faymann, Sportminister Norbert Darabos und Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Hannes Gschwentner schritten die Kompanie ab. Ehrensalve, Banddurchschneiden, Ansprachen, Galadiner. Und die Marketenderinnen kredenzten Schnaps.

Gewiss nicht deswegen sollten die Waffen der Zillertaler Schützen ursprünglich im Tower verwahrt werden. Das ging sich aber nicht aus, weil der Tower früher zusperrt als das Österreich-Haus, wo die Gewehre also über Nacht geblieben sind. Denn wenn der Tower zu ist, ist er zu. (Fritz Neumann aus London, DER STANDARD, 27.7.2012)

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