Pereira: Kompromiss mit Trick

  • Der Budgetstreit ist beendet, die Geldmaschine läuft an: Nicolas Ofczarek als Jedermann, Sascha Oskar Weis als Mammon.
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    foto: apa/barbara gindl

    Der Budgetstreit ist beendet, die Geldmaschine läuft an: Nicolas Ofczarek als Jedermann, Sascha Oskar Weis als Mammon.

Der Salzburger Festspielsommer kann ohne Groll über die Bühne gehen: Das Kuratorium genehmigte das reduzierte Budget 2013

Der Intendant ging gefinkelt vor: Er lagerte das Projekt "El Sistema" einfach aus.

Salzburg - Von möglichem Rücktritt war in der Kuratoriumssitzung am Donnerstagmittag keine Rede mehr: Alexander Pereira, der neue Intendant der Salzburger Festspiele, entschuldigte sich artig dafür, dass ihm die Pferde durchgegangen seien. Und das politisch besetzte Gremium wehrte sich gegen den Vorwurf, das Festival an die Wand zu fahren. Dann wurde das Budget für 2013 einstimmig angenommen.

Pereira hat, wie berichtet, das Programm der diesjährigen Festspiele stark erweitert und die Dauer um gleich zehn Tage verlängert. In der Folge wuchs nicht nur die Zahl der aufgelegten Karten von 220.000 auf 260.000, sondern auch die Größe des Gesamtbudgets von zuvor 52 Millionen Euro auf nun deren 57.

Einer weiteren rasanten Expansion auf 64 Millionen Euro im Jahr 2013 stimmte das Kuratorium in seiner Sitzung Mitte Juni aber nicht zu: Man verlangte von Pereira einstimmig, ein Budget in der Höhe von maximal 60 Millionen Euro vorzulegen. Wilfried Haslauer, als Landeshauptmannstellvertreter (VP) gegenwärtig Kuratoriumsvorsitzender, erklärte, dass man Pereiras "ehrgeizigen und enthusiastischen Kurs" heuer mittrage, aber prinzipiell ein "geplanteres, konstanteres und langsameres Wachstum wolle" - auch wenn Pereira, Großmeister im Akquirieren von Drittmittel, noch so viel Sponsorgeld auftreibe. Ähnlich äußerte sich auch Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SP). Pereira reagierte wutschnaubend: Er drohte, falls das Budget nicht genehmigt werde, mit Rücktritt.

Doch nun kam es zu einem Kompromiss, bei dem keiner das Gesicht verliert. Der neue Festspielball wird vom Verein der Freunde der Festspiele veranstaltet - und schlägt daher nicht budgetmäßig zu Buche. Ausgegliedert wird zudem das 2,6 Millionen Euro teure Sonderprojekt El Sistema aus Venezuela mit dem Simon Bolivar Orchestra: Als Veranstalter fungiert der Großsponsor, die Liechtensteiner Hilti-Stiftung. Pereira kommt daher mit exakt 60 Millionen Euro zurecht.

Er musste lediglich ein paar Abstriche im Konzertbereich machen, so Bürgermeister Schaden gegenüber dem Standard; elf vom Intendanten geforderte Planstellen wurden nicht genehmigt. Die Zahl der Veranstaltungen soll von 248 auf 200 und jene der aufgelegten Karten auf 256.000 heruntergefahren werden. Zudem hat Pereira bis zur nächsten Sitzung eine komplette Liste der Sponsoren vorzulegen. Denn der Anteil der Sponsorengelder nähert sich mit knapp zwölf Millionen Euro jenem der öffentlichen Hand (12,6 Millionen): "Das hat nichts mit Misstrauen zu tun", sagt Schaden. "Aber bei diesen Größenordnungen will man schon wissen, wer die Partner sind." Schließlich hat man einst ziemlich schlechte Erfahrungen mit dem "Mäzen" Alberto Vilar gemacht, der viele Versprechen nicht einlöste: "Ich warnte damals - vergeblich."

Dass es 2013 Subventionserhöhungen geben könne, wird vom Kuratorium als unwahrscheinlich angesehen. Pereira gibt sich daher, so die APA, keineswegs zufrieden: "Die Gefahr, dass die Festspiele an die Wand gefahren werden, ist durch den Budgetkompromiss nur mittelfristig gebannt."  (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 27.7.2012)

Analyse
Es wird Zeit für einen künstlerischen Überschuss
Alexander Pereira muss nun Sinn für Qualität zeigen

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